Überbrückungshilfe des Studentenwerks

2,2 Millionen Euro Hilfe für in Not geratene Göttinger Studierende

Anlaufstelle: Das Gebäude des Studentenwerks mit Büros und Zentralmensa am Campus der Universität Göttingen. Zu sehen sind auch einige Studenten.
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Anlaufstelle für Studierende: Das Gebäude des Studentenwerks mit Büros und Zentralmensa am Campus der Universität Göttingen. Achivfoto: Bernd Schlegel

6327 in finanzielle Notlage geratene Studierende beantragten beim Studentenwerk Göttingen Überbrückungshilfe - knapp 5000 wurden bewilligt.

Göttingen – Kein Präsenzstudium, aber weiter Mietkosten und dazu keine Einkünfte aus überlebenswichtigen Jobs: Die Corona-Pandemie stellte viele Studierende vor dieses oft nicht lösbare Problem. Ein Ausweg aus den Notlagen war für manche Studenten das Zurück ins kostenlose Elternhaus – oder der Antrag auf Überbrückungshilfe, die das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Ende September zahlte.

Das Göttinger Studentenwerk erhielt 6327 Anträge – hatte aber eigentlich sogar noch mehr erwartet. „Die Antragszahl war die niedrigste in ganz Niedersachsen“, sagt der Geschäftsführende Vorstand des Studentenwerks, Prof. Dr. Jörg Magull

15 Monate lang, von Juni 2020 bis September 2021, fördert das BMBF, konnten Anträge gestellt werden. Mit der Maßnahme wurde Studierenden, die in der Pandemie in Not geraten waren, frühzeitig ein umfassendes Hilfspaket entgegengesetzt, zu beantragen über die Studentenwerke. So auch in Göttingen. Wie groß der Bedarf ist, das merkten Magull und dessen Mitarbeiterinnen schnell. Es gab viel zu tun. „In Göttingen wurden insgesamt 6327 Anträge von sechs Mitarbeiterinnen des Studentenwerkes bearbeitet,“ bilanziert Magull. Den sechs damit betrauten Mitarbeiterinnen zollt er Dank, für deren „große Flexibilität und das Engagement bei der Übernahme dieser zusätzlichen Aufgabe“.

Die Anträge erfolgten über eine bundesweit einheitliche IT-Plattform und wurden in den zuständigen Studentenwerken bearbeitet. Zu Verzögerungen kam es, wenn die Anträge nicht vollständig waren, dann gingen schon einmal zwei Wochen bis zur abschließenden Bearbeitung ins Land. „Vollständige Anträge konnten zügig bearbeitet werden, ausgezahlt wurde dann kurzfristig“, schildert Jörg Magull.

Etwa 72 Prozent der Antragsteller konnten sich freuen, die Anträge wurden bewilligt und sie bekamen Geld aus dem Notlagentopf, zum Teil über mehrere Monate hinweg. Je nach nachgewiesener Bedürftigkeit konnten zwischen 100 Euro und 500 Euro monatlich als nicht rückzahlbarer Zuschuss ausgezahlt werden. Durchschnittlich wurden circa 450 Euro pro Monat ausgezahlt.

Insgesamt flossen so für 4946 notleidende Studierende, die in Göttingen Anträge gestellt hatten, zusammen 2,21 Millionen Euro. 1381 Anträge mussten abgelehnt werden.

Die Beihilfe richtete sich an Studierende, die sich nachweislich und trotz fortlaufender Bemühungen in einer pandemiebedingten Notlage befanden und diese nicht durch andere Unterstützungen überwinden konnten. Sehr häufig war der Wegfall des Einkommens durch einen studentischen Nebenjob undder Verlust familiärer Unterstützung wegen Kurzarbeit der Eltern ein Auslöser für die finanzielle Notlage, schildert Magull. Für die Studierenden selbst fielen im Lockdown die meisten Jobs, wie in der Gastronomie, weg. Sie konnten kein Geld dazuverdienen.

Über den Sommer 2020 hinweg nahm die Zahl der Anträge stark ab, so dass die Maßnahme im Oktober 2020 vom Bund ausgesetzt wurde. Mit dem zweiten bundesweiten Lockdown ab Novem-ber wurde das Zuschussinstrument für das Wintersemester 2020/2021 aber von der Bundesregierung erneut geöffnet und im Frühjahr für das Sommersemester 2021 verlängert. Zuletzt erholte sich der studentische Arbeitsmarkt spürbar und die Antragszahlen auf Überbrückungshilfe gingen zurück. Daher entschied das BMBF in Abstimmung mit dem Deutschen Studentenwerk (DSW), das Zuschussprogramm planmäßig nach dem 30. September 2021 auslaufen zu lassen.

Nun drohen wieder massive Einschnitte, auf die Frage, ob mit weiterer Überbrückungshilfe zu rechnen ist, sagt Jörg Magull: „Das BMBF hat bislang nicht erkennen lassen, dass eine Neuauflage geplant ist.“ (Thomas Kopietz)

Göttinger Studentenwerk-Chef: Prof. Jörg Magull.

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