Was passiert, wenn Nervenzellen in den Schlafmodus wechseln?

1,5 Millionen Euro für Göttinger Schlaf-Forscher Henrik Bringmann

Henrik Bringmann - Schlafforscher am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen.

Göttingen. Der Biologe Henrik Bringmann vom Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie wird mit 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrats (ERC) gefördert.

Bringmann hat einen der begehrten ERC Starting Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten.

Dem Wissenschaftler stehen 1,5 Millionen Euro für seine Arbeit und die Erforschung der molekularen Mechanismen des Schlafs an einer Fadenwurm-Art zur Verfügung.

„Diese Auszeichnung eröffnet mir großartige neue Möglichkeiten in meiner Arbeit“, sagt Henrik Bringmann. Er leitet am MPI für biophysikalische Chemie die Forschungsgruppe Schlaf und Wachsein, untersucht, was auf molekularer Ebene in Nervenzellen im Schlaf passiert. Für seine Experimente nutzt Bringmann den Fadenwurm Caenorhabditis elegans als einfachen Modellorganismus. Bei komplexeren Tieren steuert ein ganzes Netzwerk von Nervenzellen den Schlaf.

Im Fadenwurm hingegen ist nur eine einzige Nervenzelle, RIS genannt, für das Einleiten des Schlafs verantwortlich, wie Bringmann herausfand. Daher eignet sich der Wurm hervorragend, um grundlegende Mechanismen des Schlafs zu untersuchen.

Schlaf ist für Menschen wie Tiere unverzichtbar. Schlafentzug hat fatale Folgen. Über die molekularen Mechanismen des Schlafs ist jedoch bisher nur wenig bekannt. Bringmann erforscht, was genau passiert, wenn Nervenzellen in den Schlafmodus wechseln. „Die RIS-Nervenzelle des Fadenwurms kann als stark vereinfachtes Modell für Nervenzellen dienen, die im Schlaf aktiv sind“, erklärt Bringmann. „Sie lässt sich leicht manipulieren. Ich möchte herausfinden, wie genau diese Nervenzelle aktiviert wird und was dabei auf molekularer Ebene geschieht.“

„Diese Arbeiten werden ein komplett neues Forschungsfeld eröffnen, das sich mit den im Schlaf aktiven Nervenzellen von wirbellosen Tieren beschäftigt“, so Bringmann. „So können wir viel über die molekularen Grundlagen des Schlafs lernen.“

Mit den ERC Starting Grants fördert die Europäische Union die Arbeit von Nachwuchswissenschaftlern, deren bisherige Leistungen besonders vielversprechend sind. Bei der siebten Ausschreibung bewarben sich 3273 Forscher. 328 Anträge, darunter der von Bringmann, waren erfolgreich und werden nun mit 485 Millionen Euro gefördert.

„Bei den ERC Grants waren die Göttinger Max-Planck-Institute bisher sehr erfolgreich. Mit Henrik Bringmann haben seit 2007 nun 14 ihrer Wissenschaftler diese prestigeträchtige Auszeichnung erhalten“, berichtet Kerstin Mosch vom EU-Referat am MPI für biophysikalische Chemie. (fk/nh/tko)

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