Minister Gröhe besuchte Palliativ- und Kinderstation in Uni-Klinik

Kurze Visite: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (links) besuchte am Dienstag in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG das Zentrum für seltene Erkrankungen, traf dort Prof. Dr. Brockmann (Leiter Sozialpädiatrisches Zentrum, SPZ) und Prov.Doz. Dr. Hendrik Rosewich (Oberarzt Klinik für Kinder- und Jugendmedizin) sowie den zwölfjährigen Patienten Adrian aus Nordhessen. Foto: Pförtner/nh

Göttingen. Es war kein bequemer Besuch für Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der am Dienstag zum Jahresempfang der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), aus Berlin gekommen war.

Denn normalerweise fährt UMG-Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo K. Kroemer oft den umgekehrten Weg – nach Berlin, um dort in gleicher Funktion des Medizinischen Fakultätentages auch mit Gröhe mit Beharrlichkeit für eine auskömmlichere, stabilere Finanzierung der Uni-Klinika zu verhandeln. Dabei gibt es Teilerfolge.

Kein Geld für Investitionen

Folglich nutzte Kroemer die Gelegenheit, im Beisein des Ministers, Kritik an der Finanzierung und Unterstützung der Uni-Klinika zu äußern. So würden auch dringend notwendige Investitionen wie in Göttingen der Neubau behindert. „Eine universitäre Medizin von der man zu Recht in Forschung, Lehre und Krankenversorgung Höchstleistungen erwarten kann, und nicht ersetzbar ist, eine solche universitäre Medizin braucht kontinuierliche Investitionen, sonst hat sie keine Zukunft“, mahnte Kroemer. Den Investitionsstau der UMG bezifferte er auf eine Milliarde Euro.

Gröhe lobt Uni-Klinik

Der Gesundheitsminister nahm darauf nicht direkt Bezug: Er sprach stattdessen von den großen Leistungen der Uni-Klinika, in Göttingen auch über die gelungene Symbiose mit der Palliativmedizin, wo sich Gröhe die Kinderstation kurz angeschaut hatte.

Es müsse in Zukunft noch mehr Innovationen in der Medizin geben, um die Versprechungen des Gesundheitssystems, eine unabhängig von Ort und Einkommen gesicherte medizinische Versorgung, aufrecht erhalten zu können. Gesundheitspolitisch müsse man folglich von der Bremse aufs Gas gehen – so in der IT-Technologie und beim möglichen Austausch von Daten zwischen Kliniken. Generell seien die Uni-Kliniken die treibende Kraft für den medizinischen Fortschritt in Deutschland.

Krankenhauslandschaft

Die Krankenhauslandschaft wird sich laut Gröhe verändern: „Nicht alle 2000 Krankenhäuser in Deutschland müssen alles und in gleicher Qualität anbieten.“ Als Kernstück der Krankenhausreform nannte er: „kluge Arbeitsteilung, Maßstab und Qualität.“

Kroemer nannte als ein Mittel dabei die Kooperation: 80 Häuser lägen im Einzugsgebiet der UMG. Mit einigen, wie in Einbeck und jetzt auch Hann. Münden, habe man klare Vereinbarungen getroffen. Das sei ein wichtiger Schritt.

Mitarbeiter fordern

Zuvor hatte Kroemer die Arbeit der UMG-Mitarbeiter auf allen Ebenen gelobt. Aber auch das Thema Arbeitsverdichtung angesprochen, resultierend aus mehr Leistung bei gleicher Beschäftigtenzahl..

100 Mitarbeiter machten gegenüber Gröhe diesbezüglich ihrem Unmut Luft, forderten Personalbemessungsrichtlinien im Gesundheitswesen. Die UMG-Mitarbeiter fordern „mehr Personal ins Krankenhaus und Löhne, von denen man leben kann“. Die Personalnot in der Pflege mache dort eine gute Arbeit zunehmend unmöglich. Beschäftigte der UMG-Tochter Gastronomie GmbH beschwerten sich, dass sie 30 Prozent weniger verdienten als die Alt-Beschäftigen für die selbe Arbeit.

Hermann Gröhe wird auch das bei seinem Klinikum-Besuch wahrgenommen haben.

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