"1.820 Stellen sind besetzt"

Minister Tonne will Verbesserung der Besoldung von Grundschullehrern prüfen

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Will Teams aus Lehrkräften, pädagogischen Mitarbeitern und Schulsozialarbeitern in Förderschulen einsetzen: Minister Grant Hendrik Tonne.

Hannover. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ist optimistisch, nahezu alle neu ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzen zu können.

Dadurch soll auch die Zahl der umstrittenen Abordnungen sinken. Für Grundschullehrer stellt der Ressortchef die Prüfung einer höheren Besoldung in Aussicht.

Herr Tonne, darf ein Kultusminister eigentlich in den Sommerferien Urlaub machen?

Grant Hendrik Tonne: Ich denke, dass er dies wie alle anderen auch darf. Nicht übermäßig lange, aber zumindest ein bisschen. Den Urlaub verbringe ich mit meiner Familie wie immer an der Nordsee.

Müssen Sie sich in den Ferien nicht um das neue Schuljahr kümmern? Haben Sie denn schon alle Lehrkräfte für die ausgeschriebenen Stellen beisammen?

Tonne: Wir bereiten das neue Schuljahr natürlich nicht erst ab Beginn der Ferien vor. Das Einstellungsverfahren läuft bereits seit April. Nach dem aktuellen Stand sind jetzt von den 2000 ausgeschriebenen Stellen rund 1820 besetzt. Das ist ein ordentliches Ergebnis. Aber wir werden weiter hart dafür arbeiten, damit wir möglichst viele von den noch offenen Stellen besetzen. Wir wollen schließlich gut vorbereitet in das neue Schuljahr starten.

Selbst wenn sie die 2000 erreichen sollten, dürften auch Sie als neuer Ressortchef nicht ohne die umstrittenen Abordnungen auskommen. Die Lehrerverbände schlagen bereits lautstark Alarm.

Tonne:Natürlich wäre es uns am liebsten, wenn Abordnungen keine Rolle mehr spielen würden. Vor dem Abschluss des noch laufenden Besetzungsverfahrens lassen sich genaue Zahlen nicht prognostizieren. Schon jetzt aber ist erkennbar, dass sich die Verhältnisse der Schulformen untereinander verschoben haben. Wir haben diesmal einen deutlich höheren Anteil von Abordnungen zwischen den Grundschulen. An der einen Grundschule werden Kapazitäten – etwa durch die Verlagerung der Sprachförderung in die Kitas – frei; an der anderen werden sie benötigt. Damit erreichen wir das Ziel, deutlich weniger von Gymnasien an Grundschulen abzuordnen. Das ist ja die Kernkritik im letzten Schuljahr gewesen.

Sollte sich das Problem nicht eigentlich durch mehr ausgebildete Grundschullehrer von selbst lösen?

Tonne: Wir haben eine deutliche Steigerung der Absolventen im GHR-Bereich (Anmerkung: Grund-, Haupt- und Realschule). Das ist eine erfreuliche Entwicklung gegenüber dem vergangenen Jahr, als es so gut wie keine geeigneten Bewerber gab. Nur es löst das Problem noch nicht in Gänze. Wir müssen also auch in Zukunft sehr intensiv um den GHR-Bereich werben, weil sich dort die größten Lücken auftun.

Würde mehr Geld helfen? Grundschullehrer hätten doch angesichts des längeren Studiums und der gestiegenen Anforderungen durchaus eine bessere Besoldung als A 12 verdient.

Tonne: In der Haushaltsklausur der Landesregierung haben wir vereinbart, uns diese Frage genau anzuschauen und nach einer rechtlich-politischen Position zu suchen, mit der man hier zu Verbesserungen kommen kann und muss. Dieser Prozess ist jetzt in vollem Gange; es soll noch im Rahmen des Haushaltsaufstellungsverfahrens zu Ergebnissen kommen. Damit ist klar, dass die Landesregierung noch in diesem Jahr dazu eine Entscheidung fällt.

Mangel herrscht auch bei den Förderschullehrkräften. Können Sie mit dem vorhandenen Personal die Herausforderungen der Inklusion meistern?

Tonne: Wir alle wissen, dass wir den Bedarf an Förderschullehrkräften derzeit nicht decken können. Insofern war die Entscheidung im letzten Jahr, die Studienplatzkapazitäten zu verdoppeln, richtig. Aber die Ausbildung setzt einen langen Weg voraus; dadurch kommen erst mittelfristig mehr in diesem Bereich ausgebildete Lehrkräfte auf den Markt. Daher müssen wir uns jetzt verstärkt dem Thema multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, pädagogischen Mitarbeitern und Schulsozialarbeitern widmen. Diese Teams bringen den Schulen Entlastung und sorgen dafür, dass die Inklusion dort gelingt. (ymp)

Mehr Inklusion in den Schulen

Die Inklusionsquote in Niedersachsen ist deutlich gestiegen. Von den 43 423 Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf gingen im abgelaufenen Schuljahr 27 933 auf eine allgemeine öffentliche Schule. Das entspricht 64,33 Prozent. 15 490 Kinder besuchten eine Förderschule. Im Schuljahr 2016/17 lag die Quote noch bei 61,40 Prozent. „Wenn zwei Drittel der betroffenen Kinder inklusiv beschult werden, ist das ein stolzer Wert“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). „Wir müssen weiter intensiv dafür sorgen, dass wir die Bedingungen für ein Gelingen der Inklusion an den Schulen ständig verbessern.“ 

Zur Person

Grant Hendrik Tonne (42) absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bremen. Nach dem zweiten Staatsexamen war er als Rechtsanwalt in Stolzenau (Landkreis Nienburg/Weser) tätig. Im Herbst 2017 wurde der SPD-Politiker nach der Landtagswahl Niedersächsischer Kultusminister. Tonne ist verheiratet und hat vier Kinder (bcs)

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