Ministerin begutachtet Waldschäden

Landesforsten und Waldbesitzer beklagen Minus und "bunkern" Holz

Ortstermin: Philip von Oldershausen erklärt Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast den Waldzustand. Foto: Peter Mlodoch

Südniedersachsen. Private Waldeigentümer und die Forstämter beklagen, dass Unwetter und Dürre für zu viel Holz am Markt gesorgt haben. Der Kunde profitiert nicht.

Vereinzelt ragen ein paar dürre Fichtenstämme in die Höhe; der Boden ist übersät von umgestürzten Bäumen mit Wurzeltellern: Das Sturmtief Friederike hat hier im Januar gewütet und die vier Hektar große Hangfläche nahe des Fleckens Oldershausen (Landkreis Northeim) mehr oder weniger platt gemacht. Doch an den Abtransport des Holzes denkt Waldeigentümer Philip von Oldershausen nicht.

Windwürfe und Dürre

Wegen der Windwürfe im Winter, der Dürre im Sommer und der Borkenkäferplage ist der Holzmarkt mehr als übersättigt, die Preise sind in den Keller gerutscht.

„Das, was wir in diesem Jahr bewältigen müssen, hat in Niedersachsen kein lebender Forstmann je erlebt“, stöhnt der Gutsherr, dessen Wälder auch noch an anderen Stellen erheblich geschädigt wurden. „Wir haben aber noch nicht das Gefühl, dass unsere Sorgen und Nöte in Hannover gesehen werden.“

Ministerin unterwegs

Die Worte richten sich an Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU), die sich am Donnerstag im Süden des Landes über die Situation der Forstwirte ein eigenes Bild machen will. „Wir brauchen dringend Aufarbeitungshilfen“, fordert der Chef des Waldbesitzerverbandes, Norbert Leben. 5000 bis 10 000 Euro koste die Wiederaufforstung pro Hektar.

Ernste Situation

„Die Situation ist ernst. Das ist mir bewusst“, zeigt die Ministerin Verständnis. Vollmundige Versprechen hat sie aber nicht im Gepäck. Otte-Kinast verweist nur auf die im Haushalt 2019 vermerkten 11,5 Millionen Euro forstlichen Fördergeld. Aufräumen, Neupflanzung und bis zu fünf Jahre Pflege könne man aus diesem Topf bezuschussen. Das war freilich schon in den – nicht von Wetterextremen geplagten – Vorjahren so.

Einschlag gestoppt

Davon profitieren die etwa 100 000 privaten Eigentümer, denen mit 707 000 Hektar etwa 59 Prozent der niedersächsischen Wälder gehören, indirekt. Die staatlichen Landesforsten (LFN) haben dem überschwemmten Markt im großen Stil Holz entzogen, um den Preisverfall zu stoppen. „Im Norden haben wir den Einschlag sofort gestoppt“, berichtet LFN-Präsident Klaus Merker. Das viele überschüssige Sturmholz im Süden, rund 130 000 Festmeter, lasse man einfach für ein paar Jahre geordnet im Wald liegen, bis Nachfrage und damit die Preise wieder stiegen.

Clausthal-Zellerfeld

Nahe Clausthal-Zellerfeld kann sich die Agrarministerin davon überzeugen. 20 000 Festmeter Fichtenholz, das entspricht 720 Lastwagenladungen, stapeln sich dort in einem Nasslager, in dem die Stämme mit Wasserspritzen permanent beregnet werden. Die Feuchtigkeit soll den Befall von Käfern und Pilzen verhindern. Ein paar Kilometer tiefer im Wald lagert das Holz unter luftdichten Folien, die durch Schwitzwasser für das Feuchtklima sorgen.

130 Millionen Minus

Auf 130 Millionen Euro beziffert Merker das Minus der Landesforsten durch die Wetterkapriolen seit Herbst 2017. Trotzdem blickt er optimistisch nach vorne. „Das können wir wirtschaftlich aus eigener Kraft schaffen.“ Seit bereits 25 Jahren baue man die landeseigenen Wälder mit robusteren Arten wie Buchen oder Douglasien um. „Durch mehr Vielfalt können wir sie für die Extremsituationen fit machen.“ (ymp)

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