Missbrauch: Bistum wehrt sich - Pater war auch in Göttingen

Unter Druck: Bischof Norbert Trelle nahm am Dienstag zu den Vorwürfen gegen das Bistum Stellung. Foto: dpa

Göttingen/Hildesheim. Das katholische Bistum Hildesheim hat Vorwürfe zurückgewiesen, 2010 einen Missbrauchsvorwurf zu spät an die Staatsanwaltschaft weitergegeben zu haben. In einem WDR-Fernsehbericht von Montagabend waren diese Vorwürfe erhoben worden.

Konkret geht es um den vor fünf Jahren bekanntgewordenen Fall des heute 74 Jahre alten Jesuitenpaters Peter R., der auch als einer der Haupttäter am Berliner Canisius-Kolleg jahrelang sexuelle Übergriffe an Schülern vorgenommen haben soll.

Berufslaufbahn: Jugendseelsorger in Göttingen

Peter R. war von 1972 bis 1981 an dem Berliner Jesuiten-Gymnasium als Religionslehrer tätig gewesen. 1982 wurde er in die Jesuiten-Niederlassung Göttingen als Jugendseelsorger versetzt, wo er sieben Jahre arbeitete. Das Bistum Hildesheim soll bei seiner Einstellung nichts von den Missbrauchsvorwürfen gewusst haben. 1986 soll ein früherer Schüler des Berliner Jesuitenkollegs Peter R. in Göttingen aufgesucht und mit einem Schraubenzieher angegriffen haben. Als eine Sekretärin deswegen die Polizei rufen wollte, soll der Pater dies abgelehnt haben. Nach Angaben aus Kirchenkreisen soll Peter R. den Vorfall damit erklärt haben, dass der Besucher Geld von ihm gewollt habe. Vermutlich habe der Angriff jedoch einen ganz anderen Hintergrund gehabt. Der frühere Schüler sei vermutlich ein Missbrauchsopfer gewesen. Er soll sich später das Leben genommen haben.

Übergriffe in Göttingen?

Nachdem es auch in Göttingen Hinweise auf sexuelle Übergriffe gab, wurde der Pater 1989 nach Hildesheim versetzt. Dort soll es dann zu weiteren Vorfällen gekommen sein. 1993 informierte eine Mutter den damaligen Bischof Homeyer darüber, dass Peter R. ihre 14-jährige Tochter unsittlich berührt habe. Daraufhin wurde ihm die Jugendarbeit verboten, weitere Konsequenzen – etwa eine Strafanzeige – gab es nicht. 1997 wurde er nach neuen Vorwürfen ins Dekanat Wolfsburg versetzt, später nach Berlin und Hannover. 2003 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt.

Nie eine Strafanzeige

Fazit: In all den Jahren wurde nie Strafanzeige gegen den Pater erstattet. Vier Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals verurteilte das Kirchengericht des Erzbistums Berlin Peter R. wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Geldstrafe von 4000 Euro.

In dem Verfahren ging es ausschließlich um den in der WDR-Reportage genannten Missbrauch eines zum Tatzeitpunkt elf Jahre alten Mädchens aus Hildesheim. Die zahlreichen weiteren Vorwürfe gegen den Pater blieben unberücksichtigt. Kritik an Kirchengericht

In dem Film wird auch kritisiert, dass das unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagende Kirchengericht keines der Opfer als Zeugen angehört hat. Auch das betroffene Mädchen aus Hildesheim sei nicht befragt worden. Sie habe nicht einmal gewusst, dass ihr Fall verhandelt wurde.

Das sagt der Bischof

„Angesichts des tatsächlichen Ablaufs der Geschehnisse sind die Vorwürfe in keiner Weise haltbar“, sagte nun der stellvertretende Generalvikar, Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, am Dienstag. Bischof Norbert Trelle sagte, die Kirche würde es begrüßen, wenn die Staatsanwaltschaft angesichts der jüngsten Entwicklung die Ermittlungen wieder aufnähme. Das Bistum habe die Missbrauchsanzeige im November 2010 unmittelbar an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Das im März 2010 stattgefundene Gespräch in Begleitung der Lehrerin der damals 14-Jährigen habe keine eindeutigen Hinweise auf sexuellen Missbrauch ergeben. (pid/tko/epd)

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