Forschung Uni Göttingen

Mit Anwendungen gegen die Krise? Uni Göttingen forscht zur Effektivität von Corona-Apps

Porträt Prof. Dr. Manuel Trenz, Interorganisationale Informationssysteme
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Prof. Dr. Manuel Trenz forscht aktuell zum Einsatz von Apps, die Bürger aktiv mit einbinden.

Wie kann mit digitalen Anwendungen wie der Corona-Warn-App die Pandemie bekämpft werden? Mit dieser und weiteren Fragen beschäftigt sich ein Forschungsteam der Universität Göttingen bei dem Projekt „Participatory Surveillance“.

Göttingen - Bei dem Projekt, das übersetzt soviel bedeutet wie „Überwachung unter Beteiligung der Betroffenen“ und das für anderthalb Jahre von der Volkswagen-Stiftung mit 100 000 Euro gefördert wird, geht es auch darum, wie Bürgerinnen und Bürger mit ihren Daten dazu beitragen können, gesellschaftliche Krisen zu bewältigen, ohne dass ihnen dadurch Nachteile entstehen.

Und welche Rolle dabei technologische Konfigurationen und regulatorische Bedingungen für den Erfolg von solchen Apps spielen.

Weitreichende gesellschaftliche Herausforderungen wie Naturkatastrophen – zum Beispiel Erdbeben, Tsunamis, Orkane –, Epidemien wie SARS und COVID-19, oder der Klimawandel stellen Regierungen weltweit vor Herausforderungen, heißt es in einer Mitteilung der Universität Göttingen.

Um reagieren zu können, sind stets detaillierte Daten zum aktuellen Geschehen notwendig. „Ein möglicher Ansatz können Apps sein, die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbinden“, erklärt Prof. Dr. Manuel Trenz, Professor für Interorganisationale Informationssysteme an der Universität Göttingen.

„Ein aktuelles Beispiel ist der Einsatz von Coronavirus-Tracing-Apps. Durch das Teilen sensibler Daten können Menschen aktiv und passiv zur Bekämpfung der Pandemie beitragen. Aktiv, in dem sie zum Beispiel Informationen über die eigene Infektion teilen, und passiv, indem sie zum Beispiel die Begegnungen mit anderen Menschen verfolgen.

Allerdings können diese Tracing-Apps durch ihre Gestaltung und Konfiguration auch negative Konsequenzen wie den Verlust der Privatsphäre oder das Potenzial eines Datenmissbrauchs nach sich ziehen, was deren Wirksamkeit, Legitimität und Erfolg in Frage stellen kann“, erläutert Prof. Dr. Simon Trang, Juniorprofessor für Informationssicherheit und Compliance.

Prof. Dr. Simon Trang gehört ebenfalls zum Forschungsteam.

Wie können solche bürgerzentrierten Apps also effektiv und gleichzeitig gesellschaftlich verträglich eingesetzt werden? Dazu untersuche das Forschungsteam nun weltweit, wie sich nationale Coronavirus-Tracing Apps hinsichtlich ihrer technologischen Konfigurationen und regulatorischen Rahmenbedingungen unterscheiden.

„Wir verfolgen das Ziel, die positiven und negativen Wirkungen solcher bürgerzentrierten Apps in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext zu erfassen: Welche Ansätze funktionieren, was ist dafür notwendig und welche Nebenwirkungen kann es geben?“, so Trenz.

Die Ergebnisse des Projekts sollen Entscheidungsträger dabei unterstützen, Menschen erfolgreich mittels geeigneter Technologie in die Lösung großer gesellschaftlicher Probleme einzubinden.

Gleichzeitig ist es das Ziel, potenzielle Risiken und negativen Folgen des Einsatzes von Tracing-Technologie für Einzelpersonen und die Gesellschaft zu identifizieren und Leitlinien zur Gestaltung dieser Technologien abzuleiten. (Melanie Zimmermann)

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