Malteser erfüllen letzten Wunsch

Mit dem Herzenswunschwagen zum Familiengrab

Besuch am Familiengrab als Herzenswunsch: Martha Lambrecht mit Enkeltochter Sarah Lambrecht (ganz links) auf dem Friedhof in Wolfershausen. Mit dabei die Malteser Vincent Teichgräber (2.v.l.) und Tamina Barabasch.
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Besuch am Familiengrab als Herzenswunsch: Martha Lambrecht mit Enkeltochter Sarah Lambrecht (ganz links) auf dem Friedhof in Wolfershausen. Mit dabei die Malteser Vincent Teichgräber (2.v.l.) und Tamina Barabasch.

Martha Lambrecht hatte einen letzten Herzenswunsch: Die schwerkranke Göttingerin wollte noch einmal das Familiengrab in Wolfershausen bei Felsberg südlich von Kassel sehen. Am Wochenende fuhr sie der „Herzenswunsch-Krankenwagen“ der Malteser dorthin.

  • Malteser erfüllen letzten Herzenswunsch
  • Mit dem Herzenswunschwagen Abschied von den Liebsten nehmen
  • 91-Jährige wird bald Ur-Großmutter

Göttingen/Wolfershausen – „Eheleute Färber. Eheleute Lambrecht“ – steht auf dem schlichten Grabstein am Rande des kleinen, stillen Friedhofs von Wolfershausen. Und später hinzugefügt: „Petra Lambrecht. Geb. 17.2.1962“ „Sie wollte ihr Sterbedatum nicht auf dem Grabstein haben“, sagt Martha Lambrecht mit schwacher Stimme über ihre Tochter Petra, die mit 32 Jahren an einem Hirntumor verstarb.

Den Ehemann Günter hat Martha Lambrecht dort 2008 zu Grabe tragen müssen und auch ihre eigenen Eltern namens Färber sind dort bestattet. Bald wird man auch sie in diesem Grab beisetzen. Martha Lambrecht weiß das – die 91-Jährige hat Speiseröhrenkrebs im Endstadium. Ob sie die Geburt ihres Urenkelkindes im Januar noch erleben wird? Ungewiss.

Herzenswunschwagen der Malteser: Anstoßen auf die Lebenden

Man könnte jetzt in Tränen versinken, oder wie Martha Lambrecht auf der Trage liegend einen Piccolo-Sekt trinken – auf die Toten, vor allem aber auf die Lebenden und das Ungeborene von Enkeltochter Sarah, die ihre Großmutter auf der Reise in die Vergangenheit begleitet. Den größten Teil ihres Lebens hat Martha Lambrecht in Wolfershausen verbracht, einem Stadtteil von Felsberg. Dort ist sie geboren, dort lernte sie ihren Günter kennen – einen Flüchtling aus Pommern, den sie gegen den Rat der Familie heiratete. „Sie war immer eine starke und lebensfrohe Frau, die wusste, was sie wollte und sich auch viel um andere gekümmert hat“, sagt Enkeltochter Sarah Lambrecht.

Da war es kein Wunder, dass der Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser schon erwartet wurde, als er am späten Samstag in die Heiligenwiesenstraße von Wolfershausen einbog. Viele ehemalige Nachbarn waren gekommen, um Abschied von der Schwerkranken zu nehmen. Vorsichtig hoben Tamina Barabasch und Fahrer Vincent Teichgräber, beide ehrenamtlich bei den Göttinger Maltesern engagiert, Lambrechts Trage aus dem voll ausgerüsteten Krankenwagen und schenkten ihr damit einen letzten Blick auf das Haus, das Martha Lambrecht mit ihrem Günter baute, bevor sie es vor etwa zehn Jahren aus Altersgründen verkaufte und nach Göttingen zog.

Herzenswunschwagen der Malteser: Berührende Fahrt auch für ehrenamtliche Mitarbeiter

Weiter ging es zu Lambrechts Elternhaus, wenige Straßen weiter. Klappe des Krankenwagens auf, ein schwaches Winken der hochbetagten Dame. Die Käufer des Hauses leben nicht mehr – doch deren Kinder und Enkel erkannten Martha Lambrecht noch immer. Letzte Station war der Amselhof, ein Gehöft am Lotterberg, das die Eheleute Lambrecht auf ihren ausgedehnten Spaziergängen gern besuchten.

Die Kräfte ließen nach und am frühen Nachmittag war Martha Lambrecht wieder wohlbehalten im Göttinger Altenheim „Feierabendhaus“ angekommen, wo sie seit einigen Jahren lebt. Hinter der kleinen Reisegruppe lag eine kurze, aber bewegende Fahrt, die auch die beiden ehrenamtlichen Malteser berührt hat. „Es ist immer wieder schön, ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen zu zaubern“, sagt der 22-jährige Malteser Vincent Teichgräber, der den Sanitätsdienst der Göttinger Malteser leitet. Für ihn war es die zweite Herzenswunschfahrt.

Herzenswunschwagen der Malteser: Patientin freute sich über Reise

Tamina Barabasch, ehrenamtliche Herzenswunschfahrerin und Leiterin des Katastrophenschutzes, saß während der Fahrt gemeinsam mit Enkeltochter Sarah neben der Patientin. „Sie hat sich sehr über diese Reise gefreut,“ sagt die 23-jährige Lehramtsstudentin zufrieden. (Michael Lukas Und Bernd Schlegel)

Projekt läuft seit dreieinhalb Jahren in der Diözese Hildesheim

Seit dreieinhalb Jahren bieten die Malteser in Niedersachsen das Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ an – allein in der Diözese Hildesheim inzwischen an sieben Standorten, darunter auch in Göttingen.

Etwa 90 speziell ausgebildete ehrenamtliche Helfer der Malteser stehen bereit, schwerkranke und sterbende Patienten mit einem voll ausgerüsteten Krankentransportwagen noch einmal an einen Ort ihrer Wahl zu fahren, der ihnen wichtig ist.

In Göttingen engagieren sich zehn Ehrenamtliche für das Projekt. Insgesamt haben die Malteser in der Diözese Hildesheim in diesem Jahr schon 18 Herzenswünsche erfüllt, im vergangenen Jahr 42. Da Patienten und deren Begleiter für eine solche Fahrt nichts zahlen, ebenso wenig die Ehrenamtlichen für ihre Ausbildung, sind die Malteser auf Spenden für den Wüschewagen angewiesen.

Spenden für den „Herzenswunsch-Krankenwagen“ sind auf das Konto mit der IBAN DE49 3706 0120 1201 2090 10 (Stichwort D09HWK) erbeten. (bsc)

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