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Mit der kräftigen Nimbus zum Nordkap biken

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Von: Michael Caspar

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Keine schnelle, aber zugstarke und zuverlässige Maschine: Wolfgang Hense aus Rittmarshausen vor dem dänischen Kultmotorrad Nimbus.
Keine schnelle, aber zugstarke und zuverlässige Maschine: Wolfgang Hense aus Rittmarshausen bei Göttingen mit dem dänischen Kultmotorrad Nimbus. © Michael Caspar

Mehrere von Dänemarks unverwüstlichen Nimbus-Motorräder macht Wolfgang Hense derzeit in seiner Werkstatt in Rittmarshausen, Gemeinde Gleichen, flott.

Rittmarshausen - Oldtimer-Motorrad-Fan Wolfgang Hense ist europaweit angesehen - er kennt sich bestens mit den ganz speziellen Maschinen aus und steht einer Interessengemeinschaft vor.

„Eine Nimbus ist so einfach aufgebaut, dass auch ein Dorfschmied sie reparieren konnte“, berichtet der Vorsitzende der deutschsprachigen Interessengemeinschaft Nimbus-Freunde über das Oldtimer-Motorrad. Die Firma Fisker & Nielsen (heute Nilfisk) hat es von 1919 bis 1959 gebaut. Den Aufschlag machten die Dänen mit dem bis 1928 produzierten „Ofenrohr“. Den Spitznamen bekam die Maschine aufgrund ihres fetten, oberen Rahmenrohrs, das gleichzeitig - „damals sehr innovativ“ - als Tank diente, erklärt Andy Schwietzer, Kurator beim Einbecker PS.Speicher.

Viele Motorradhersteller gaben in den 50er-Jahren auf

Von 1934 an belieferte das Unternehmen Militär, Polizei und Post mit dem satt brummenden Nachfolgemodell, der „Hummel“. Auch Handwerker schätzten die teure, aber stabile, zuverlässige und zugstarke Maschine. Die Produktion sei ausgelaufen, als mit dem steigenden Wohlstand viele bisherige Kunden aufs Auto umstiegen, erzählt Kurator Schwietzer.

In den 50er-Jahren gaben auch in Deutschland viele Motorradhersteller auf. Die Dänen konzentrierten sich wieder auf ihr Kerngeschäft, die Produktion von Industrie-Staubsaugern. „Da haben sie bis heute die Nase vorn“, sagt Hense. Das Unternehmen musste allerdings für seine staatlichen Kunden noch Jahre lang Ersatzteile vorhalten.

Mit der Nimbus-Maschine fällt man auf

Als die Verträge 1980 ausliefen, kamen viele Maschinen auf den Markt. Damals gingen auch „Hummeln“ nach Deutschland. Hense schätzt, das von den einst 12 300 Motorrädern noch 8000 in Gebrauch sind. Die Hälfte davon ist in Dänemark zugelassen. „Mit der niedrigen, unverwechselbar designten Maschine fällt man sofort auf“, erzählt Henses Frau Anja, selbst Nimbus-Fahrerin.

Der Nimbus-Fahrer „blinkt“ mit dem Arm

Das Vierzylinder-Motorrad ist mit 90 Kilometern in der Stunde nicht sehr schnell. „In Dänemark ist das aufgrund der - streng kontrollierten - Geschwindigkeitsbeschränkungen kein Thema“, berichtet Hense. In Deutschland meiden Nimbus-Freunde Autobahnen. Er rät zu vorausschauendem Fahren. Als Blinker dient der herausgestreckte Arm. Die heute mehr als 60 Jahre alten Maschinen bringen nach wie vor Leistung. Jedes Jahr brechen Dänen von Kopenhagen aus zum 2400 Kilometer entfernten Nordkap auf.

Wolfgang Hense meldete ein Gewerbe an

Hense hat die Nimbus als junger Mann über einem Übernachtungsgast im elterlichen Hotel, dem Groner Hof in Göttingen, kennengelernt. Der Koch-Lehrling kaufte sich eine kaputte Maschine, die er in monatelanger Arbeit auf Vordermann brachte. Bei Jahrestreffen der 1978 gegründeten Interessengemeinschaft, die heute 250 Mitglieder zählt, machte er sich regelmäßig die Hände schmutzig. Das fiel dem Vorsitzenden auf, der ihn 2010 zu seinem Nachfolger machte.

Seither kontaktieren Nimbus-Fans aus dem deutschsprachigen Raum Wolfgang Hense. Weil das Schrauben immer mehr Zeit in Anspruch nahm, verringerte Hense 2020 seine Arbeitszeit im Grenzdurchgangslager in Friedland und meldete ein Gewerbe an um mehr Zeit für die Nimbus zu haben. (Michael Caspar)

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