Bewährungsstrafe

Mit Fake-Fahrtkosten abkassiert: Amtsgericht Göttingen verurteilt 54-Jährigen

Gerichtsgebäude in Göttingen im Sommer: Landgericht und Amtsgericht am Maschmühlenweg.
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Gerichtsgebäude in Göttingen im Sommer: Landgericht und Amtsgericht am Maschmühlenweg.

Weil ein 54-jähriger Mann mittels gefälschter Bescheinigungen rund 2000 kassiert haben soll, stand er nun in Göttingen vor Gericht.

Göttingen – Monatelang hat sich ein 54-Jähriger Göttinger bei Firmen in Deutschland um eine Arbeitsstelle beworben. Er reiste zu Vorstellungsgesprächen quer durch die Republik – offenbar immer ohne Erfolg. Statt in einem neuen Job landete der 54-Jährige auf der Anklagebank des Göttinger Amtsgerichts.

Grund: Der 54-Jährige hatte sich von der Agentur für Arbeit die Fahrtkosten zu zahlreichen Vorstellungsgesprächen erstatten lassen. Die von ihm eingereichten Arbeitgeberbescheinigungen, die seine Teilnahme bestätigten, waren gefälscht. Die Vorstellungsgespräche hatten nicht stattgefunden, ebenso seine „Bemühungen“ um einen Arbeitsplatz.

Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen: Anklage wegen Urkundenfälschung und Betrug

Der 54-Jährige hatte zum wiederholten Mal der Agentur für Arbeit in Göttingen gefälschte Arbeitgeberbescheinigungen über vermeintliche Vorstellungsgespräche vorgelegt. Er erweckte damit den Anschein, dass er auch nach Dortmund, Magdeburg, Dresden, Karlsruhe, Berlin, Schwerin, Köln und Todmoos gefahren war, um sich dort in Firmen vorzustellen.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hatte ihn deshalb wegen 14 Fällen von Urkundenfälschung sowie Betruges angeklagt. Er habe mit gefälschten Bescheinigungen zu Unrecht 2000 Euro kassiert.

Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen: Mit 15 das erste Mal auf der Anklagebank

Der 54-Jährige ist für die Justiz kein Unbekannter, 24 Eintragungen weist das Bundeszentralregister auf. Beim Amtsgericht Göttingen zählt der Angeklagte gewissermaßen zu den „Stammgästen“. Mit 15 Jahren saß er dort das erste Mal auf der Anklagebank.

Danach reihte sich eine Verurteilung an die andere, auch wegen Diebstahl, Nötigung, Körperverletzung sowie Betrügereien und Urkundenfälschungen. Die Folge waren wiederholt Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, die allerdings oft widerrufen wurde.

Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen: „Habe eingesehen, dass es bei mir nicht so weitergehen kann.“

Der Angeklagte räumte jetzt in dem Prozess alle Vorwürfe ein und sagte, dass er wirklich sein Leben ändern wolle. „Ich habe eingesehen, dass es bei mir nicht so weitergehen kann.“

Eigenen Angaben zufolge hat er in jüngster Zeit einige Schritte unternommen, um künftig auf ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen. So arbeite er als Kraftfahrer. Außerdem sei er dabei, seine Schulden zurückzuzahlen.

Laut Staatsanwältin kann man dem Angeklagten angesichts seiner Vorstrafen und widerrufenen Bewährungen aber keine positive Sozialprognose stellen.

Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen: Urteil noch nicht rechtskräftig

Sie beantragte, ihm für die ersten vier Taten, die er noch vor der letzten Verurteilung durch das Amtsgericht Kassel begangen hatte, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und ihn für die danach begangenen Taten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten zu verurteilen.

Das Gericht folgte diesem Antrag zwar, setzte aber die Freiheitsstrafen zur Bewährung aus. Vorsitzende Richterin Anika Brüggemann begründete: „Wenn sich jemand in Resozialisierung befindet, dann sollte man das nicht durchkreuzen.“ Sie stellte aber auch klar: „Das ist jetzt wirklich die allerallerletzte Chance.“

Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte auch nachweisen, dass er weiter seine Schulden abbezahlt und einer Arbeit nachgeht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Heidi Niemann)

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