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Mit Fannys Pfannkuchen durch die Busch-Welt

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Von: Ute Lawrenz

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Bilder aus dem Leben von Wilhelm Busch: In dieser Szene spielen Volker Muthmann (von links), Nathalie Thiede und Rebecca Klingenberg am Deutschen Theater Göttingen auf der Bühne.
Bilder aus dem Leben von Wilhelm Busch im Deutschen Theater Göttingen: In dieser Szene spielen Volker Muthmann (von links), Nathalie Thiede und Rebecca Klingenberg. © Isabel Winarsch/Deutsches Theater

Was treiben die Wilhelm-Busch-Figuren so im Deutschen Theater? Zuschauer erleben sie an verschiedenen Orten und auf der Bühne. Eine Kritik.

Göttingen - Zu einer nicht unkritischen Hommage an Wilhelm Busch lädt das Deutsche Theater in Göttingen ein. Den Bilderreigen mit dem Titel „Pardauz! Schnupdiwup! Klirrbatsch! Rabum!“ haben Rebekka Kricheldorf und Hannah Zufall als Auftragsarbeit für das Theater geschrieben. In der oft unterhaltsamen Inszenierung von Annette Pullen wird ein Beitrag zur Diskussion um Wilhelm Busch geleistet, der als Kind in Ebergötzen bei Göttingen lebte.

Zuschauer gehen in Gruppen durch das Museum Theater

Mit Fannys Pfannkuchen beginnt es vor dem Theater. In einem Imbisswagen backt Buschs Schwester Fanny (Gaby Dey) die Eierspeise nach dem Lieblingsrezept des Bruders und verwöhnt damit Theaterbesucher: Eine Stärkung vor dem Weg durchs Theater, auf dem Szenen aus Buschs Leben vorgeführt werden.

Dort lernen die Zuschauer in drei Gruppen Buschs (hier Volker Muthmann) langjährige Brieffreundin Marie Anderson (Rebecca Klingenberg) kennen. Zu Mitspielern werden Zusehende im Foto-Studio. Eine Zuschauerin aus dem Publikum wird an einer historischen Kamera eingewiesen, eine zweite soll die Freunde Busch (hier Gabriel von Berlepsch), Lenbach (Gerd Zinck) und Lindau (Roman Majewski) fürs Bild arrangieren.

Nach einer Stunde folgt die Jahreskonferenz der Busch-Figuren

Auf dem Gang durchs Museum sehen die Menschen Buschs rote Jacke und seinen Lieblingswein. In herrlichem Kauderwelsch-Französisch präsentiert ihn die Museumsführerin (Anna Paula Muth). Dämonisch wie aus einem Dracula-Film wirkt als ihr Kollege Bastian Dulisch.

Nach der Tour von gut einer Stunde beginnt die Jahreskonferenz der Busch-Figuren über deren Relevanz- und Akzeptanzverlust im 21. Jahrhundert auf der Bühne. Mit Witwe Bolte (Gaby Dey) streitet die fromme Helene (Rebecca Klingenberg) über die Rolle der Frau bei ihrem Schöpfer. „An dir verrät Wilhelm die Sache der Frauen!“, vertritt die Witwe eine heutige Sicht. Im Gegensatz dazu meint Helene, sie zeige „wahre Emanzipation“.

Gendern, Rauchen, Trinken und vegane Ernährung

Gewalt und Pädagogik sind wichtige Themen, dazu kommen das Gendern, Rauchen, Trinken und sogar vegane Ernährung. Dadurch wirkt die Konferenz überladen – wie ein Vulkanausbruch über Buschs Welt. Schöne Einfälle für die Räume mit Schränken für alkoholische Getränke, Auf- und Abtritte sowie gelungene Kostüme (Bühne und Kostüme: Gregor Sturm) lenken ab von solchen Schwächen: wie beim Frosch (Bastian Dulisch) in engem Grün mit bunter Badehose oder Hans Huckebein (Florian Eppinger) mit Dämonenflügeln.

Ein Partner im Spiel wird die Musik. Mit einer Vielfalt von Instrumenten begleitet der Musikalische Leiter Michael Frei das Geschehen und setzt Akzente, zum Beispiel wenn Moritz (Lukas Beeler) von Lehrer Lämpel (Marco Matthes) bestraft wird. Genial ist hier die Körperbeherrschung, mit der Beeler mimt, wie er als Moritz k.o. geht.

Schauspieler verschmelzen mit ihren Rollen

Alle Schauspieler verschmelzen mit ihren – oft auch mehreren – Rollen. So wie Ronny Thalmeyer als alter Busch und Nathalie Thiede als Fritz und Julchen überzeugen, glänzt die Parze (Andrea Casabianchi) mit der singenden Säge. Für Stimmung sorgt Struwwelpeter (Gabriel von Berlepsch), der versucht, sich in den Busch-Reigen zu mogeln. Trotz Längen in der Konferenz bei der Premiere – nach knapp drei Stunden ernteten alle Applaus.

Karten unter Tel. 05 51/49 69-300, dt-goettingen.de

(Ute Lawrenz)

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