Klosterpark Weende

Mit Geo-Radar und Strom auf den Spuren der Kirche

Erste Beweise: Die Studenten teilen ihre Geo-Radar-Ergebnisse mit Initiator Hans Otto Arnold (Mitte), der sie, zusammen mit Dr. Michael Klinge, sofort mit seinen Skizzen vergleicht.
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Erste Beweise: Die Studenten teilen ihre Geo-Radar-Ergebnisse mit Initiator Hans Otto Arnold (Mitte), der sie, zusammen mit Dr. Michael Klinge, sofort mit seinen Skizzen vergleicht.

Studenten der Uni Göttingen suchen mit moderner Technik im Klosterpark in Göttinger Stadtteil Weende nach Spuren der ehemaligen Stiftskirche. 

Göttingen – Eine Drohne zieht surrend ihre Kreise über dem Klosterpark in Weende. Am Boden ist mit rot-weißem Flatterband der Grundriss eines Gebäudes abgesteckt. Studenten messen, tragen Daten in Tabellen ein und ziehen hoch technische Geräte über den Boden. Dort wo sie arbeiten, liegt unter Wiese, Bäumen und Pflastersteinen eine fast vergessene Kirche: Die Stiftskirche des Klosterparks.

Hans Otto Arnold, Vorsitzender des Heimatkundlichen Fördervereins Weende, und zwölf Studenten des Geografischen Institut der Universität Göttingen, zusammen mit Dr. Michael Klinge und Dr. Daniel Schwindt vom Geographisches Institut, sowie Drohnenführer Holger Vogt, haben es sich zur Aufgabe gemacht, den einstigen Standort der Kirche genauestens zu lokalisieren. Bereits seit 2012 beschäftigt sich Hans Otto Arnold mit dem Klosterpark und der Stiftskirche. Er will sie wieder in Erinnerung rufen und ihren einstigen Standort sichtbar machen.

Hierzu hat er Luftaufnahmen und Bilder, Aufzeichnungen und Fotos verglichen, bis es ihm möglich war eine ungefähre Verortung vorzunehmen. In diesen Tagen wird es nun spannend im Klosterpark. Denn in Kooperation mit dem Geographischen Institut der Universität Göttingen finden geophysikalische Bodenuntersuchungen im Park statt. Sie sollen die bisherigen Erkenntnisse von Hans Otto Arnold bestätigen. Zum Einsatz kommen dabei in dem geschützten Kulturdenkmalareal allerdings keine Bagger oder Sparten, sondern hoch technische Geräte: Messungen werden mit Geo-Radar sowie Geo-Elektrik durchgeführt, ein Tachymeter sowie eine Drohne sind im Einsatz.

Mit Hilfe von elektromagnetischen Signalen finden die Studenten verschiedene Materialien im Boden, denn sie reflektieren die Funkwellen und schicken sie zurück an die Oberfläche, wo sie aufgezeichnet und auf einem Bildschirm angezeigt werden. „Das funktioniert ähnlich wie das Echoortungssystem der Fledermäuse“, erklärt Dr. Michael Klinge.

Geo-Elektrik: Die Studentin Sophia Mehrwald untersucht mit Strom die Bodenbeschaffenheit.

So konnte bereits früh ein erster grober Grundriss erkannt werden. Allerdings verrät das Geo-Radar nichts darüber, um welche Materialien im Boden es sich handelt. Hier kommt die Geo-Elektrik ins Spiel: „Wir schicken durch Elektroden Strom in den Boden und können anhand dessen wie er dort weitergeleitet wird bestimmen, ob er auf Holz oder Stein gestoßen ist“, so Studentin Sophia Mehrwald.

Nach ersten Erkenntnissen am Dienstag stimmten die gemessenen Ergebnisse mit der Vermutung von Hans Otto Arnold weitestgehend überein. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind und der ehemalige Kirchenstandort, vielleicht durch die Anpassung von Pflaster und Bepflanzung des Parks wieder sichtbar gemacht wurde, vielleicht schon im Frühjahr, wünscht sich der Heimatkundler einen ökumenischen Gottesdienst, dort wo vor hunderten von Jahren die Stiftskirche stand. (Wiebke Huck)

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