Beifall für interaktives Theaterstück

Mit „Grenzfall Europa“ stellte Boat People Project seine neue Spielstätte vor

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Bunt, grell und laut: So spielten Matthias Domberg, Ahmad Kiki und Lina Zaraket (von links) das Moderatorenteam bei der Premiere des interaktiven Theaterstücks "Grenzfall Europa – Das Spiel".

Bunt, grell, laut - plakativ, politisch, Entscheidungen treffen: Zwischen diesen Polen bewegte sich die doppelte Premiere des Göttinger Boat People Projekt.

Die als Verein firmierenden Theatermacher weihten am Wochenende ihre neue Spielstätte Werkraum an der Stresemannstraße 24c im Göttinger Stadtteil Grone ein und stellten gleichzeitig ihr aktuelles Stück „Grenzfall Europa – Das Spiel“. Dafür gab es viel Beifall.

Das Besondere: Die Zuschauer sind aktiver Part, ihre Meinung ist gefragt, sie müssen Stellung beziehen und sollen in der Gruppe zu einen gemeinsamen Nenner kommen. „Stell dir vor, du bist Portugal, Ungarn oder Griechenland. Stell dir vor, du musst entscheiden und deine Interessen vertreten in Themen wie Migration, Klimaschutz und im Fall einer Bedrohung“, heißt es schon in der Ankündigung. Zudem müsse dringend ein Konsens gefunden mit den Nachbarländern werden: „Hat Europa eine Überlebenschance?“

Bunt, grell und laut sind die Schauspieler Matthias Damberg, Ahmad Kiki und Lina Zaraket, wenn sie als Moderatoren über die Laufbahn zwischen den Zuschauerreihen auf beiden Seiten wirbeln, sie mit Fragen löchern und die Antworten Ja, Nein und uneinig in Balkenform auf dem Großbild-Monitor erscheinen.

Plakativ, politisch, Entscheidungen treffen: Darum ging es in den vier Spielgruppen des Publikums: In der einen drehte es sich beispielsweise um das Verhältnis zwischen Europa und Afrika mit Stichworten wie Kolonialismus, Rückgabe von Kunstgegenständen und eigenen Verhaltensänderungen.

„Sind sie bereit, ab sofort nur noch faire Preise für afrikanische Produkte zu bezahlen und sich in ihrem Umfeld für fairen Handel einzusetzen?“ Das fällt den meisten ein Ja leicht.

Schwierig wird es bei der brisanten Frage: „Sind Sie dafür, dass Europa seine Kolonialschuld eingesteht und ab sofort allen Menschen aus Afrika, die nach Europa wollen, dieses Vorhaben zu ermöglichen? Verpflichten Sie sich dazu, ab jetzt dafür einzustehen?“

Eine klare Antwort gibt es nicht. Spielbedingungen und Zeitgrenzen lassen bewusst keine differenzierten Antworten zu. So geht es weiter. Twitter-Entscheidungen im Zwei-Minuten-Takt sind gefordert. Aber zwischen den Besuchern entstehen Diskussionen, die sich auf den Wegen zwischen den Stationen wie von selbst fortsetzen und aufzeigen wie schwierig es ist, eine einheitliche Meinung zu bilden. Politik live mit Stilmitteln des Spiels.

Das Publikum bei der Premiere war aufgeschlossen. Noch einmal spannender dürfte es werden, wenn das Spiel in Schulen mit einem völlig gemischten Publikum stattfindet.

Als gut geeignet für diese Form des Theaters zeigte sich der neue Werkraum, eine umgestaltete ehemalige Werkstatt. Der frühere Göttinger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der unter den Premierengästen war, freute sich über die neue Spielstätte als weiteren kulturellen Mittelpunkt im Stadtteil Grone.

Sechs weitere Vorstellungen in Grone

Hier die Macher von „Grenzfall Europa – Das Spiel“ auf einen Blick. Ensemble: Matthias Damberg, Ahmad Kiki, Lina Zaraket. Konzeption und Regie: Reimar de la Chevallerie, Christoph Weiß. Dramaturgie: Sofie Ruffing. Beratung Game-Design: Jonas Feller. Bühne und Kostüm: Amer Okdeh. Produktion: Nina de Chevallerie. Weitere Termine: 22. und 23.2. sowie 1., 2., 3. und 6.3., jeweils um 19 Uhr im Werkraum in Göttingen-Grone, Stresemannstraße 24c.

www.boatpeopleprojekt.de

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