Uni fährt Sparkurs bei Jobs

Mitarbeiter machen Druck auf die Uni: Weg mit den vielen befristeten Jobs

Vor dem Sitz des Präsidiums, der Aula am Wilhelmsplatz, haben Mitarbeiter der Universität Göttingen Umzugskartons aufgestellt, um gegen die übermäßige Befristung von Arbeitsverträgen zu demonstrieren.
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Vor dem Sitz des Präsidiums, der Aula am Wilhelmsplatz, haben Mitarbeiter der Universität Göttingen Umzugskartons aufgestellt, um gegen die übermäßige Befristung von Arbeitsverträgen zu demonstrieren.

Mit einer öffentlichen Protestaktion haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen am Donnerstag vor dem Gebäude des Unipräsidiums am Wilhelmsplatz für unbefristete Arbeitsverträge demonstriert.

Göttingen – Organisiert worden war die Aktion von der Initiative „Uni Göttingen unbefristet“, die sich bereits seit längerem für eine umfassende Entfristung von Arbeitsverträgen engagiert. Um darauf aufmerksam zu machen, dass viele ihrer Kollegen in naher Zukunft ihren Arbeitsplatz räumen müssen, weil Stellen mit Daueraufgaben wie der Studienkoordination oder nicht projektgebundener Arbeitsfelder an der Uni auslaufen, hatten sie symbolisch einen Berg von Umzugskartons aufgestellt. Außerdem waren Beiträge persönlich Betroffener zu lesen.

„Die Situation wird dadurch verschärft, dass wir an der Universität Göttingen ein ganz rigides Sparprogramm haben, mit dem eine Streichung von Professuren und die Nichtbesetzung von Stellen im darunter angesiedelten Mittelbau einhergeht“, sagt Frank (Name von der Redaktion geändert), selbst Mitarbeiter am von den Sparmaßnahmen stark betroffen Fachbereich Sozialwissenschaften.

„Darunter leidet nicht nur die Qualität der Lehre, sondern wächst auch die Arbeitsbelastung für diejenigen, die übrig bleiben.“

„Die Quote unbefristeter Arbeitsverträge liegt in den verschiedenen Fachbereichen gerade einmal zwischen fünf und maximal 20 Prozent“, sagt Felix, der seinen wahren Namen ebenfalls lieber ungenannt lassen will. Das sei „geradezu empörend, wenn man bedenkt, dass bei Unternehmen wie Amazon diese Quote bei 50 Prozent liegt“.

Schließlich habe die Befristung eines Vertrages für den Betroffenen ja auch eine persönliche Seite. „Die Leute müssen in den meisten Fällen nach Göttingen umziehen und haben überhaupt keine Sicherheit, wie es für sie und ihre Familien nach dem Auslaufen des Vertrages weitergeht“, sagt Felix.

Initiative fordert Entfristung der Arbeitsverträge

Die Initiative „Uni Göttingen unbefristet“ fordert daher eine Entfristung aller Arbeitsverträge. „Auch wenn wir natürlich wissen, dass das in naher Zukunft kaum umgesetzt werden wird“, sagt Frank. Dabei wäre das nach seiner Meinung durchaus machbar.

„Mit dem zwischen Bund und Ländern geschlossenen Zukunftsvertrag werden dauerhaft die Studienkapazitäten erweitert“, sagt er. „Das Geld ist da – es muss nur richtig eingesetzt werden.“ Richtig heiße in diesem Fall für die Schaffung von Dauerstellen in Mittelbau sowie Technik und Verwaltung. „Um die Umsetzung der Entfristungsforderung überprüfen zu können, ist es zudem erforderlich, dass das Präsidium die Verwendung der Gelder transparent darlegt“, sagt Felix und kündigt weitere Aktivitäten der Initiative an, die der Forderung der Beschäftigten in diesem Semester Nachdruck verleihen sollen.

So werde auch am 1. Dezember ab 12 Uhr eine online-Veranstaltung stattfinden, bei der das Thema weiter diskutiert werden soll. Interessierte können sich per E-Mail anmelden.

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