Jetzt entscheiden die Juristen

Klage gegen Ernennung von Sascha Spoun zum Präsidenten der Uni Göttingen

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Sascha Spoun soll neuer Präsident der Uni Göttingen werden. Ein Mitbewerber hat jedoch nun Klage gegen die Ernennung eingelegt.

Nun liegt dem Verwaltungsgericht Göttingen eine Konkurrentenklage eines Mitbewerbers gegen die Ernennung von Sascha Spoun zum neuen Präsidenten der Uni Göttingen vor.

Kontroverse Diskussionen gibt es schon seit seiner Wahl Mitte Juni. 

Der Streit um das Präsidentenamt an der Georg-August-Universität Göttingen geht jetzt aber in die nächste Runde: Dem Verwaltungsgericht Göttingen liegt seit Mittwoch eine Konkurrentenklage eines Mitbewerbers gegen die Ernennung von Sascha Spoun (50) zum neuen Uni-Präsidenten vor. Das bestätigte Dr. Dieter Wenderoth, Pressesprecher des Göttinger Verwaltungsgerichtes unserer Zeitung auf Nachfrage.

Bereits kurz nach der Wahl Spouns zum Nachfolger von Ulrike Beisiegel (66) am 20. Juni hatte sich interner Widerstand formiert. Fast 100 Professoren hatten vergeblich eine öffentliche Anhörung gefordert. Einer der Knackpunkte ist das Auswahlverfahren, in dem Spoun ursprünglich als Berater fungieren sollte, dann aber zum einzigen Kandidaten erhoben wurde. Vorwürfe einer Wahlmanipulation hatte die Uni daraufhin zurückgewiesen.

Dreimonatige Vakanz

Spoun sei von der Findungskommission „aktiv angesprochen“ worden. Der Wirtschaftswissenschaftler ist aktuell noch als Präsident der Lüneburger Leuphana-Universität beschäftigt und soll sein Amt zum 1. Januar 2020 antreten. Wie bereits berichtet entsteht durch den vorzeitigen Rückzug Beisiegels zum 1. Oktober eine dreimonatige Vakanz. Die amtierende Uni-Präsidentin hatte ihren Schritt Mitte Juli offenbar nach internen Unstimmigkeiten in Senat und Stiftungsrat bekannt gegeben.

Keine Entscheidung

Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer Freitagsausgabe über die Konkurrentenklage berichtet und auf eigene Informationen verwiesen. Gerichtssprecher Wenderoth betonte: „Wir haben einen entsprechenden Antrag eines Mitbewerbers vorliegen. Anders als in kursierenden Pressemeldungen gibt es aber keine Entscheidung des Gerichts. Der Antrag wird nun der Gegenseite zur Kenntnis gegeben. Und dann wird es irgendwann eine Entscheidung des Gerichts geben.“

Die Uni selbst hat offiziell keine Kenntnis von den Vorgängen und äußerte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht.

Viele Kritikpunkte

Das Thema Göttinger Uni-Präsident brodelt schon seit Wochen. In einer Protestnote hatten kritische Professoren der altehrwürdigen Georgia Augusta vorgeworfen, Spoun habe kein Konzept zur Hochschulentwicklung vorgelegt, das es rechtfertigen würde, ihn als alternativlos zu präsentieren.

Zudem habe Spoun als „Berater“ der Findungskommission möglicherweise Einsichten in den Besetzungsvorgang gehabt, der ihm bei der Übertragung des Amtes zum Vorteil gereicht haben könnte. 

Ein weiterer Kritikpunkt: Spoun soll wissenschaftlich nicht ausreichend qualifiziert für die Position sein, unter anderem weil er nicht habilitiert hat. Auch die Beteiligung einer von der Uni eingeschalteten Personalberatungsfirma wirft Fragen auf. Die Sommersemesterferien an der Uni Göttingen könnten also spannend bleiben.

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