Mitreißendes Liebesdrama im Theater im OP

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Überzeugend: Yasmin Thies als Julia und Steffen Hackbarth als Romeo. 

Göttingen. Es ist ein Wagnis, sich als nicht-professionelles Ensemble an Shakespeares Dramen heranzuwagen. Dem Göttinger Theater im OP (ThOP) ist es gelungen.

Langen Applaus und Jubel hat das Ensemble bei der Premiere von „Romeo und Julia“ geerntet.

Einen Großteil an diesem Erfolg hatten am Premierenabend ohne Zweifel die Hauptpersonen. Vom ersten Auftritt an wirkt Steffen Hackbarth als Romeo überzeugend in seinen großen Gefühlen. Ihm gelingt es, den inneren Aufruhr des frisch Verliebten nach außen zu tragen.

Keinen Moment muss der Zuschauer daran zweifeln, dass bei Romeo das Herz komplett die Regie hat. Fast schon logisch wirkt am Ende sein Entschluss, der Geliebten in den Tod zu folgen.

Yasmin Thies als Julia zeigt von Anbeginn die Entschlossenheit des jungen Mädchens, sich nicht dem Willen ihrer Eltern zu beugen, sondern – wie Romeo – ihren tiefen Gefühlen zu folgen: Lieber stirbt sie, als ihren Lover zu verraten. Dass sie ihren Tod nur vortäuscht, führt letztendlich zur Katastrophe. Denn Romeo bekommt die Nachricht nicht, die ihn von diesem Trick unterrichtet. Mit dem Tod des Liebespaars und dem Song „What a wonderful world“ von Louis Amstrong endet im ThOP das herzergreifende Drama.

Großartige Leistungen bringen auch die anderen Darsteller der Rollen: Anna Kohlrautz gibt eine überzeugende Amme, deren Handeln von der Liebe zu Julia bestimmt ist. Thimo Trommers Pater Lorenz schmiedet für die Menschen auch Ränke. Henriette Nickels spielt nicht nur Mercutio - der ist bei ihr nie um einen Einfall verlegenen, stimmungsvoll ist auch ihre Violinen-Einlage.

Unglaublich direkt bringen die Akteure die nicht leichte Sprache aus der Zeit vor einem halben Jahrhundert auf die Bühne. Dabei hilft ihnen die Übersetzung von Franz Patrick Steckel, in der manchmal sogar wie heute geflucht wird, und die sehr individuelle Inszenierung der drei Studierenden Dennis Klofta, Xenia Jöst und Diana Tyebally.

Nicht nur mit ihrer breitgefächerten Musikauswahl haben sie das Drama in die Gegenwart gerückt. Mit ihrer Kleidung würden die Darsteller in Göttingens Straßen kein bisschen auffallen. Und auch für Romeo gehört es zum Leben, dass er hin und wieder einen Joint raucht. Viel Applaus und Jubel gab es für die mitreißende Inszenierung.

Termine

Folgetermine sind am Montag, 15. Mai und Dienstag, 16. Mai, jeweils um 20.15 im ThOP. 

Weitere Termine unter www.thop.uni-goettingen.de

Karten gibt es an der Abendkasse oder unter Telefon 0551/397077.

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