Anlaufpunkt für Hilfesuchende

Mittagstisch St. Michael in Göttingen: Seit 30 Jahren wird aufgetischt

Mittagstisch in St. Michael in Göttingen
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Mittagstisch in St. Michael: Dort bekommen die Besucher, darunter viele Durchreisende und Bedürftige, seit 30 Jahren eine warme Mahlzeit. (Archivfoto)

Mit einem kleinen Festakt und ganz viel Kuchen wurde am Sonntag das 30-jährige Bestehen des sozialen Mittagstisches St. Michael in Göttingen gefeiert.

  • Seit 30 Jahren gibt es Mittagstisch St. Michael in Göttingen.
  • Dort wird den bedürftigen Gästen ein warmes Mittagessen serviert.
  • Die Einrichtung ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Hilfesuchende.

Göttingen – Die nur 15-minütige „Jubiläumsfeier“, die aus Hygienegründen mit wenigen geladenen Gästen unter freiem Himmel im Innenhof der katholischen Kirchengemeinde St. Michael stattfand, beschränkte sich auf ein gemeinsames Foto der Akteure und das Anschneiden einer Geburtstagstorte. Darüber hinaus wurde die Essensabgabezeit verlängern und Tortenstücke sowie andere Süßspeisen an die in der Turmstraße wartenden Gäste des Mittagstisches verteilt.

Mittagstisch St. Michael in Göttingen: Dank an Helfer

Auch wenn es keine Ansprachen gab, brachte Georg Bartelt, Vorsitzender des Fördervereins Mittagstisch St. Michael, seinen Dank an die freiwilligen Helfer zum Ausdruck, die seit 30 Jahren dafür sorgen, dass Hilfesuchende, Obdachlose und Durchreisende jeden Tag eine warme Mahlzeit gereicht bekommen. „Man kann immer nur so gut sein, wie es das Team ist“, lobte Bartelt.

Zum Festakt im kleinen Rahmen begrüßte Göttingens City-Seelsorger Ludger Joos (links) nur wenige geladene Gäste.

Der Mittagstisch St. Michael wurde im September 1990 aus einer Not heraus ins Leben gerufen. „Pfarrhäuser in Innenstädten sind Adressen, bei denen Hilfesuchende sich melden und oft um Geld für Essen bitten“, sagt St. Michael-Cityseelsorger Ludger Joos. Nachdem ein nahegelegener Imbiss, mit dem die Gemeinde seinerzeit kooperierte, geschlossen wurde, habe die Kirchengemeinde St. Michael den „Mittagstisch St. Michael“ gegründet. Seitdem ist die Einrichtung, die als kreative Antwort auf ein Problem begann, zu einem wichtigen Teil der sozialen Infrastruktur der Stadt geworden.

Mittagstisch St. Michael in Göttingen: Initiative eines Pfarrers

Die Initiative zur Gründung des Mittagstisches ging vom damaligen Pfarrer der Gemeinde, dem Jesuitenpater Heribert Graab, aus. „Er entwickelte den Plan, in der Mitte der Innenstadt und in der Nachbarschaft zur Pfarrkirche für Obdachlose und Durchreisende täglich eine warme Mahlzeit anzubieten“, so Joos. Neben der hauptamtlichen Leiterin, einer Vertretungskraft und einer Raumpflegerin gehören seither mehr als 40 ehrenamtliche Helferinnen und Helfern für Küche und Essensausgabe, Buchhaltung und Fundraising zum unverzichtbaren Personal der Einrichtung in der Turmstraße.

Mittagstisch St. Michael in Göttingen: 40 bis 70 Gäste

„Bei uns erhalten zwischen 40 und 70 Gäste gegen ein geringes Entgelt Tag für Tag in der Zeit von 12 Uhr bis 13.30 Uhr eine warme Mahlzeit – auch an Sonn- und Feiertagen“, sagt Ludger Joos. An Wochenenden und Feiertagen kochen Ehrenamtliche ein Tellergericht. An den übrigen Tagen wird ein Eintopf angeboten, der von verschiedenen Großküchen der Region zubereitet und von der Göttinger Tafel geliefert wird. „Viele Gäste des Mittagstisches sind mit Erkrankungen belastet und leiden unter sozialer Isolation“, so Joos. „Sie bekommen hier nicht nur gutes Essen, sondern begegnen auch Menschen, mit denen sie sich austauschen können.“

Mittagstisch St. Michael in Göttingen: Sozialarbeiter vor Ort

Auch Sozialarbeiter von der Diakonie seien regelmäßig vor Ort. „Der Mittagstisch benötigt jedes Jahr rund 65 000 Euro für Personal- und Sachkosten, davon müssen mehr als 50 000 Euro durch Spenden aufgebracht werden“, sagt der City-Seelsorger.

Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt (rechts) half dabei, die Mittagstisch-Geburtstagstorte anzuschneiden.

Unterstützt werde der Mittagstisch unter anderem durch den Gesamtverband der Göttinger katholischen Kirchengemeinden, die Stadt Göttingen, die Stadtwerke Göttingen und auch durch die Göttinger Tafel. Ihnen allen gelte sein ausdrücklicher Dank. (Per Schröter)

Hintergrund: Soziale Einrichtung sucht neue freiwillige Helfer

„Für den Mittagstisch St. Michael müssen immer wieder neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen werden“, sagt City-Seelsorger Ludger Joos.

Helfer würden ihre Mitarbeit beenden, wenn ein Examen bevorsteht, der Studien- oder Wohnort gewechselt wird oder familiäre Veränderungen eintreten. Auch das zunehmende Alter oder Krankheit sowie zuletzt die Corona-Krise seien Ursachen für den Abschied vom Mittagstisch. Wer mithelfen möchte, könne selbst festlegen, wofür und wie oft er zur Verfügung stehen möchte. Auch seien alle Ehrenamtlichen für die Zeit ihres Engagements beim Mittagstisch versichert. Kontakt – Email: mittagstisch@samiki.de oder unter der Rufnummer 05 51/5 47 95 40. (per)

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