Kein Geld, kein Babylon

Mittelmeerflucht war Thema bei Figurentheatertagen im Jungen Theater

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In "Babylon" lässt der Teufel ein Flüchtlingsboot auf dem Meer untergehen.

„Schwarzhumorig und blasphemisch“ kündigte das Junge Theater den australischen Puppenspieler Neville Tranter für die Göttinger Figurentheatertage an. Und das hat der „King of Puppetry“ auch gehalten.

In „Babylon“ erzählt Tranter eine Geschichte von Schleppern und Flüchtlingen, die übers Meer in das gelobte Land Babylon reisen wollen. Gott, alt und vergesslich, will seinen Sohn Jesus davon abhalten das Boot zu besteigen. Der führt nach zu langer Zeit in der Wüstenhitze Gespräche mit dem Schaf Binky. Um seinen Sohn zu beschützen, besticht Gott den Schleuser mit einem Haus in Griechenland. Denn vor dem Teufel fühlt er sich machtlos. Besonders nach dem dieser ihn am Strand gemobbt hat.

„Es wird immer jene geben, die Babylon erreichen und jene die es nicht tun.“ Die Ungewissheit ängstigt die Flüchtlinge am Strand und führt das Publikum zurück zur Ernsthaftigkeit der Lage. Dennoch wollen die Passagiere es wagen. Eine alte Dame folgt den Spuren ihres Sohnes, der nach Babylon wollte und von dem sie seitdem nichts mehr gehört hat. Ein junger Mann flieht, nachdem sein Dorf zerstört und sein Vater getötet wurde. Und ein weiterer Mann möchte unter allen Umständen seinen geliebten Hund mitnehmen. Doch Tiere sind an Bord nicht erlaubt. Als der Hund gestohlen wird, weint der Mann herzzerreißend – und es wird still im Jungen Theater.

Eine Puppe nach der anderen tritt hinter einem braunen Vorhang hervor und erzählt ihre Geschichte. Tranter lässt sie sprechen, in einen Tarnanzug und Sonnenbrille gekleidet tritt er als Spieler von der Erzählung zurück. Mal spielt er eine, mal zwei Puppen, mal ist er der stumme Gesprächspartner.

Nach der Vorstellungen präsentierte Tranter alle Puppen auf der Bühne.

Die Worte „Europa“ oder „Mittelmeer“ fallen nicht einmal im einstündigen, englischsprachigen Stück. Und doch ist das eigentliche Thema wohl jedem im Publikum bewusst – sitzt es doch selbst in Babylon. „Babylon ist für die auserwählten, und Gott hat nicht dich auserwählt“, sagt der Schlepper zur alten Dame, die kein Geld hat. „Kein Geld, kein Babylon“, ist seine Antwort an alle, die auf sein Boot wollen.

Doch das geht nach einem Tanz des Teufels zu dem Lied „There is a place for us“ unter. Gott schaut hilflos zu und ruft wie bereits zuvor: „Gott steh uns bei.“ Doch Jesus hat überlebt, sein Schaf Binky wollte in letzter Sekunde doch nicht an Bord. Der merkwürdige Junge zieht ins Gästezimmer seines Vaters ein und hat schon die nächste fixe Idee im Kopf: Er will sich um den Klimawandel kümmern.

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