Dauerleihgabe für das Städtische Museum

Möbel der jüdischen Familie Hahn bleiben in Göttingen

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Eine Sitzgruppe mit Seidendamastbezug aus dem Besitz der Familie Hahn: Dr. Ernst Böhme, Leiter des Städtischen Museums, präsentiert das Ensemble, das aus einem Sofa, Sesseln und einem Tisch samt passender Decke besteht. Die Möbel sind im Museum ausgestellt.

Göttingen. Das Städtische Museum in Göttingen hat Grund zur Freude: Die dort gezeigte Präsentation „Die Möbel der Familie Hahn“ wird dauerhaft in der Uni-Stadt bleiben.

Die Schau erzählt die Geschichte der Möbel von Max Raphael und Gertrud Hahn, die auf dem Weg der sogenannten Arisierung während des Nationalsozialismus in das Museum kamen und im November 2014 den Erben zurückgegeben wurden. Sie haben sich nun entschlossen, die Möbel und weitere Stücke dem Museum als Dauerleihgabe zu überlassen. Dazu hat nach Angaben von Dr. Ernst Böhme, dem Leiter des Museums, der Festakt zur Rückgabe des Besitzes beigetragen. „Das war ein positives Erlebnis für die Familie.“ Als Dauerleihgabe bleiben die Stücke im Eigentum der Familie, werden aber dauerhaft einen Ehrenplatz im Museum bekommen.

Die Leitung des Museums ist für diese großzügige Geste dankbar. „Sie kann als Zeichen des gewachsenen Vertrauens und der Verbundenheit der Enkel zu der Heimatstadt ihrer Familie gelten, die von den Nationalsozialisten vertrieben, verfolgt und ermordet wurde“, sagte Dr. Ernst Böhme, der Leiter des Museums. In einer künftigen Dauerausstellung des Museums könne beispielhaft für die Verfolgung aller Juden in Göttingen anhand dieser Möbel die Geschichte der Familie Hahn, ihrer Vertreibung aus Göttingen und das Wachsen neuer Beziehungen gezeigt werden.

Max Raphael Hahn und seine Frau Gertrud gehörten zu den angesehensten jüdischen Bürgern Göttingens. Die Familie war seit 1858 in der Uni-Stadt ansässig. Max Raphael Hahn besaß mit seinem Bruder Nathan die von ihrem Vater gegründete Rohhäute- und Fellgroßhandlung Raphael Hahn Söhne OHG und die Gallus Schuhfabrik, heißt es im Museum auf einer Info-Tafel. Seit 1919 bewohnte Hahn mit seiner Familie ein stattliches Haus an der Merkelstraße.

Durch die nationalsozialistische „Arisierungspolitik“ war die Familie Hahn 1938 wirtschaftlich ruiniert. 1939 wurden ihre Unternehmen aufgelöst, ihre Kinder konnten ins Ausland auswandern. Max Raphael und Gertrud Hahn zogen 1940 nach Hamburg. Der Versuch einer Emigration scheiterte. Beide wurde deportiert und ermordet.

Unter dem Zwang seiner wirtschaftlichen Notlage musste Hahn 1938 Möbel und andere Wertgegenstände an das Museum verkaufen. (bsc)

Kontakt: Städtisches Museum, Ritterplan 7-8, 37073 Göttingen, Tel. 0551 4 00 28 43, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags 11 bis 17 Uhr. www.museum.goettingen.de

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