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Mord in Göttingen: Chat-Nachrichten nach dem Tod

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Von: Heidi Niemann

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Wiesenstraße in Göttingen: In einem Haus an der Staße in der südlichen Innenstadt soll der Angeklagte das Opfer im vergangenen Jahr erwürgt haben.
Wiesenstraße in Göttingen: In einem Haus an der Staße in der südlichen Innenstadt soll der Angeklagte das Opfer im vergangenen Jahr erwürgt haben. © Thomas Kopietz

Ein IT-Spezialist erwürgt wohl seine Ex-Freundin in Göttingen. Im Nachhinein schreibt er falsche Chat-Nachrichten. Eine Sportuhr dient als Beweismittel.

Göttingen/Hannover – Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 51-jährigen Frau in Göttingen hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen mehrere Polizeibeamte als Zeugen vernommen, die mit der Auswertung digitaler Beweismittel befasst waren. Die Polizisten hatten im Rahmen ihrer Ermittlungen unter anderem ein Handy und eine Sportuhr der Getöteten sichergestellt.

Die Auswertung der Kommunikation ergab, dass der Angeklagte seiner Ex-Freundin nach ihrem gewaltsamen Tod Ende August vergangenen Jahres noch mehrere Chat-Nachrichten geschickt hatte. Unter anderem sandte er ihr „die allerliebsten und herzlichsten Grüße dieser Welt“. Einen Tag später fragte er an, ob er sich Sorgen machen müsse, weil sie sich nicht gemeldet habe.

Mordprozess Göttingen: gefälschte Chat-Nachrichten nach dem Tod

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zwei Tage vor dem Versenden dieser Nachricht seine Ex-Freundin in deren Wohnung in der Wiesenstraße in Göttingen erwürgt hat. Als der Leichnam aufgefunden wurde, befand sich eine Garmin-Sportuhr am Handgelenk der 51-Jährigen.

Die Ermittler stellten bei der Datenauswertung fest, dass ihre Herzfrequenz am Tattag von etwa 7 bis 15.30 Uhr aufgezeichnet worden war. Danach habe es eine Unterbrechung gegeben, sagte ein Polizeibeamter. Später habe es dann noch zwei kurzzeitige Aufzeichnungen gegeben. Außerdem habe sich feststellen lassen, dass es um 17.09 Uhr einen Zugriff auf den Garmin-Account der Getöteten gegeben hatte.

Mordmotiv: Angeklagte akzeptierte nicht die Trennung von Ex-Freundin

Die Ermittler hatten auch den Router in der Wohnung der 51-Jährigen unter die Lupe genommen. Dabei stellten sie fest, dass am 28. Mai – also rund drei Monate vor der Tat ‒ ein Fernzugriff auf das Gerät eingerichtet worden war. Aus den Kalendereinträgen der 51-Jährigen gehe hervor, dass sich an diesem Tag der Angeklagte bei ihr in Göttingen aufgehalten hatte, berichtete der Polizist.

Die 51-Jährige habe für den Tag außerdem einen Termin für ein Narkose-Gespräch eingetragen. Somit hätte der Angeklagte an dem Morgen die Möglichkeit gehabt, in ihrer Abwesenheit den Fernzugriff auf den Router einzurichten. Aus den ausgewerteten Chat-Nachrichten geht hervor, dass die 51-Jährige einige Wochen vor der Tat offenbar keine Liebesbeziehung mehr wollte.

Der Angeklagte schrieb darauf, dass die von ihr angestrebte Statusveränderung von „Beziehung“ zu „Freundschaft“ für ihn keine Option sei, da er „viel zu viel“ für sie empfinde und weiter „schöne Stunden und Monate“ mit ihr erleben möchte. (Heidi Niemann)

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