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Frauenmord Göttingen: Opfer fühlte sich unter Druck gesetzt

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Von: Heidi Niemann

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Der Tatort Wiesenstraße.
Tatort Wiesenstraße: Das 51-jährige Opfer wurde in ihrer Wohnung gefunden. © Stefan Rampfel

Ein 44-jähriger IT-Spezialist hat vermutlich seine Freundin im August 2021 in Göttingen ermordet. Das Opfer hatte geklagt, er würde sie unter Druck setzen.

Göttingen – Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 51-jährigen Frau in Göttingen haben zwei nahe Angehörige des Opfers vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt. Sowohl ihr Bruder als auch ihr Vater schilderten sie als empathisch und fürsorglich. Da sie auch in Beziehungen eine große Sensibilität an den Tag gelegt habe, sei es ihr stets schwergefallen, „Schluss zu machen“, sagte der Bruder.

Auch bei dem Angeklagten sei dies so gewesen. Sie habe zwar schon früh darüber geklagt, dass er sehr besitzergreifend sei, sich aber erst nach längerem Zögern zur Trennung entschlossen. „Er nimmt mir die Luft zum Atmen“, habe seine Schwester einmal gesagt.

Mordprozess Göttingen: Täter soll Ex-Freundin unter Druck gesetzt und geklammert haben

Die 51-Jährige konnte nicht ahnen, dass aus dieser bildlichen Beschreibung einmal physische Wirklichkeit werden würde: Laut Anklage soll ihr 44-jähriger Ex-Freund sie im vergangenen August in ihrer Wohnung in der Göttinger Wiesenstraße heimtückisch erwürgt haben.

Nach Angaben des Bruders hatte seine Schwester den 44-jährigen IT-Spezialisten aus Hannover im November 2020 kennengelernt. Beide waren begeisterte Laufsportler, aber offenbar sehr unterschiedliche Charaktere. Bereits nach wenigen Wochen habe sie geäußert, dass ihr neuer Freund „sehr anhänglich“ sei. Seine Schwester habe sich von dem 44-Jährigen stark unter Druck gesetzt gefühlt.

Der Angeklagte habe sich sehr „geklammert“ und sie jedes Wochenende sehen wollen. Außerdem habe er manchmal sehr extrem reagiert. So habe er ihr einmal heftige Vorwürfe gemacht, weil sie 20 Minuten im Keller geblieben war, statt gleich wieder nach oben in die Wohnung zu kommen.

51-jähriges Opfer litt unter dem Verhalten ihres ehemaligen Partners

Nach Angaben des Bruders war die 51-Jährige sehr beliebt gewesen und hatte einen großen Freundeskreis gehabt. Sie habe sich um Flüchtlinge in Göttingen ebenso wie um ihre demente Mutter in der Region Hannover gekümmert. Jeden Tag habe sie die Mutter angerufen, jedes zweite Wochenende ihre Eltern besucht.

„Die täglichen Anrufe haben meiner Frau sehr gut getan“, berichtete ihr Vater. Nachdem er die Nachricht vom Tod der Tochter erhalten hatte, hätten sie entschieden, seiner dementen Frau nichts davon zu erzählen. Inzwischen sei sie verstorben. Seine Frau habe die Tochter sehr vermisst und immer wieder nach ihr gefragt. „Wahrscheinlich hat dies ihr Leben verkürzt“, sagte der 77-Jährige. (Heidi Niemann)

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