Ein Geständnis gab es nicht

Eifersuchts-Mord an Studentin: Lebenslange Haft für Angeklagte

Göttingen. Acht Monate nach dem Mord an einer chinesischen Studentin hat das Landgericht Göttingen am Freitag eine 28-jährige Mitstudentin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die ebenfalls aus China stammende Angeklagte die 24-jährige Studentin heimtückisch und aus niederen Beweggründen mit zahlreichen Messerstichen ermordet hat.

Motiv sei Eifersucht gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Die 28-Jährige habe es nicht ertragen, dass ihr Freund sich von ihr getrennt hatte und eine neue Beziehung mit der 24-Jährigen eingegangen war. Sie habe die Tat von langer Hand geplant und ein Blutbad in der Wohnung des Opfers angerichtet.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Die Indizien hätten nicht ausgereicht, um die 28-Jährige als Täterin zu überführen.

Die Kammer hatte allerdings keinen Zweifel daran, dass die Angeklagte die Tat begangen hat. Die 28-Jährige sei verzweifelt über das Ende der Beziehung zu ihrem langjährigen Freund gewesen und habe diesen zurückgewinnen wollen, sagte der Vorsitzende Richter. Nachdem sie zunächst einen Suizidversuch unternommen habe, habe sie „den Hebel umgelegt“ und die Tat planmäßig vorbereitet. Unter anderem habe sie im Internet zu Stichwörtern wie Auftragskiller, Betäubung und Handy-Ortung recherchiert.

Einen Tag vor der Tat habe die 28-Jährige in der Göttinger Innenstadt ein Messer gekauft. Die Polizei hatte damals die Verpackung des Messers mit einem Fingerabdruck der Angeklagten gefunden und ermittelt, wann und wo das Messer verkauft worden war.

Nach Ansicht des Gerichts hatte die 28-Jährige das Messer sowie eine Zigarettenkippe in einer Umhängetasche bei sich, als sie am Tatmorgen bei der 24-Jährigen klingelte, um mit ihr noch einmal über die Beziehungsproblematik zu sprechen. Im Verlaufe dieses Gesprächs habe die Angeklagte dann auf die neue Freundin ihres Ex-Partners eingestochen. Die 24-Jährige erlitt zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen. Ein Stich durchtrennte die Halsschlagader, so dass die Studentin verblutete. Am Tatort habe es ausgesehen wie in einem Horrorfilm, sagte der Richter. Der Leichnam habe elf Stichverletzungen aufgewiesen.

Anschließend, so die Überzeugung der Richter, legte die Angeklagte eine Trugspur, indem sie die mitgebrachte Zigarettenkippe in eine der Blutlachen fallen ließ. Um die Blutflecken auf ihrer eigenen Kleidung zu verbergen, habe sie eine Regenjacke des Opfers übergezogen. Beim Verlassen der Wohnung habe sie mehrere Telefone des Opfers mitgehen lassen. Zwei Geräte wurden später in einem Müllcontainer aufgefunden.

Ihr iPhone ist dagegen ebenso wie das Tatmesser bis heute verschwunden. Das Gericht geht davon aus, dass die Angeklagte nach der Tat vom iPhone des Opfers noch SMS-Mitteilungen an eine Freundin des Opfers geschickt hat. Diese habe sich über die ungewöhnlichen Formulierungen gewundert.

Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer kritisiert, dass sich die Polizei schon frühzeitig auf die Angeklagte festgelegt und nicht ausreichend geprüft habe, ob ihr Ex-Freund als Täter in Frage komme. Das Gericht schloss dies allerdings aus. Es gebe kein plausibles Motiv, warum dieser seine neue Freundin habe töten sollen. Außerdem habe er für den Tatzeitraum größtenteils ein Alibi. Seine Angaben korrespondierten auch mit den ausgewerteten Handy- und Computerdaten.


Archivvideo vom Prozessauftakt:

Lesen Sie dazu auch:

Prozess um Eifersuchts-Mord in Göttingen: Zeuge belastet Angeklagte

Mord an chinesischer Studentin: Handy und Tatwaffe weiter verschwunden

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.