Mögliche finanzielle Motive der Tat

Getötete 74-Jährige in Herzberg: Angeklagter räumte Konto der Eltern leer

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wird gegen den 47-Jährigen verhandelt.

Im Prozess um den Mord an einer 74-jährigen Frau in Herzberg hat sich das Landgericht Göttingen am Montag mit den möglichen finanziellen Motiven der Tat beschäftigt.

Aus den Zeugenaussagen geht hervor, dass der 47-Jährige im Herbst 2017 offenbar stark verschuldet war und wiederholt unberechtigt Geld von Konten seiner Eltern abgehoben und Überweisungen getätigt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, im September 2017 seine Mutter ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen.

Laut einer als Zeugin geladenen Sparkassenmitarbeiterin hatte die Mutter sich kurz vor ihrem gewaltsamen Tod mehrfach darüber aufgeregt, dass jemand unberechtigt Geld von ihrem Konto abgehoben hatte. Auf die Frage, ob jemand Zugriff auf ihre ec-Karte habe und ihre Geheimzahl kenne, habe sie gesagt: „Ja, mein Sohn.“ Die Kundin habe auch Lastschriften zurückgegeben, weil von ihrem Konto unberechtigt Internet-Geschäfte und Überweisungen getätigt worden seien.

Einige Zeit später fiel der Bankmitarbeiterin auf, dass ungewöhnlich viele Transaktionen über das Konto abgewickelt wurden. Dieses sei so tief ins Minus gerutscht, dass fällige Abbuchungen nicht mehr vorgenommen und auch die Rechnungen des Pflegeheims für den dementen Vater nicht mehr beglichen werden konnten. So etwa sei früher nie vorgekommen, berichtete die Zeugin.

Zwei Wochen vor ihrer Ermordung suchte die 74-Jährige einen Rechtsanwalt auf und beauftragte ihn damit, den Aufenthaltsort ihres Sohnes zu ermitteln.

Nach Angaben des Anwalts hatte sie dies damit begründet, dass dieser auf den Namen und auf Kosten seines dementen Vaters ein Auto gekauft und 1000 Euro vom Konto seiner Eltern abgehoben habe. Sie habe deswegen Strafanzeige gegen ihren Sohn stellen wollen.

Die Polizei Northeim hatte nach der Entdeckung des Gewaltverbrechens umfangreiche Vermögensermittlungen angestellt. Insgesamt seien bis zur Festnahme des Angeklagten rund 50 000 Euro von den Konten abgegangen, sagte der ermittelnde Beamte. Laut Schufa-Auskunft seien die Konten des Angeklagten mit einem fünfstelligen Betrag in den Miesen gewesen. Außerdem habe gegen ihn eine Steuerforderung des Finanzamtes Starnberg von 19.000 Euro bestanden.

Ursprünglich hatten die Eltern den Angeklagten 1997 in einem ersten Testament als Schlusserben eingesetzt. Später änderten sie das Testament zweimal ab. Laut dem Schreiben einer Notarin wollten die Eltern damit verhindern, dass ihr einziges Kind „das Erbe durchbringt“. 

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