Forschen an der Gen-Kopiermaschine

MPI-Forscher Patrick Cramer erhält hohe Auszeichnung: den Louis-Jeantet-Preis

Prof. Dr. Patrick Cramer.
+
Wieder ein Preis für Prof. Dr. Patrick Cramer: Der Biochemiker am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhält den Lous-Jeantet-Preis.

Patrick Cramer erhält einen hoch angesehenen und dotierten Forschungspreis.

Göttingen – Der Professor und Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie wird mit dem Preis der Louis-Jeantet-Stiftung 2021 ausgezeichnet – für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Gentranskription.

Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 500 000 Schweizer Franken verbunden. Mithilfe des Kopiervorgangs erstellen lebende Zellen Abschriften ihrer Gene, die als Bauanleitung für die Produktion von Proteinen dienen. Im Fokus von Cramers Forschung stehen die molekularen Maschinen, RNA-Polymerasen, die diesen Prozess steuern.

Die jüngste Meldung über die Arbeit des Molekularbiologen Professor Patrick Cramer ist erst wenige Tage alt – sie sorgte weltweit für Aufsehen: Cramer und Team am MPI entschlüsselten, warum das Medikament Remdesivir, das bei Covid-19-Erkankungen eingesetzt wird, die Krankheit nicht stoppt, sondern lediglich hemmt.

Patrick Cramer ist also in der Corona-Forschung am Ball, will die Wirkung der Medikamente verbessern – Schlüssel dazu ist das Verstehen der Kopiermaschine des menschlichen Erbgutes. Mit den Vorgängen dieses faszinierenden Vorgangs RNA-Polymerase beschäftigt sich der 51-Jährige seit Jahrzehnten. Bereits Ende der 90er-Jahre arbeitete er dem späteren Nobelpreisträger Roger Kornberg in Stanford (USA) maßgeblich zu, er klärte die Struktur der RNA-Polymerase-Kristalle auf, die Kornbergs Team hergestellt hatte.

Heute hat Patrick Cramer, der auch den Leibniz-Preis erhielt, die Moleküle im Blick, die den komplexen Prozess der Transkription der Gene ablaufen lassen. Er möchte aufdecken, wie die zellulären Kopiermaschinen gesteuert werden. Denn die genetische Information ist zwar in allen Zellen identisch, aber sie wird nach Bedarf abgerufen. Erst durch diese präzise Kontrolle der Transkription kann sich ein komplexer Organismus mit Spezialisten wie Haut-, Nerven- und Leberzellen entwickeln.

Cramers und Team kombinieren verschiedenste Methoden, von der Elektronenmikroskopie über biochemische Methoden bis hin zu funktionaler Genomik und Bioinformatik.

Ein faszinierendes Forschungsfeld mit Ergebnissen, die auch der Louis-Jeantet-Stiftung nicht verborgen geblieben sind. Die Stiftung zeichnet jährlich bis zu drei Wissenschaftler aus, die in der Biomedizin forschen.

Cramer selbst freut sich sehr darüber: „Es ist eine besondere Ehre, den Louis-Jeantet-Preis zu erhalten. Das ist den herausragenden Leistungen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Ich hoffe, dass wir bald alle geimpft sind und gebührend feiern können.“

Selbst für das erfolgsverwöhnte MPI für biophysikalische Chemie ist die Auszeichnung Cramers etwas Besonderes: „Es ist großartig, dass seine herausragenden Erfolge nun mit dem Louis-Jeantet-Preis ausgezeichnet werden“, sagt die geschäftsführende Direktorin, Marina Rodnina. Cramer ist nach Bert Sakmann, Peter Gruss und Herbert Jäckle der vierte Wissenschaftler am MPI, dem diese Ehre zuteilwurde.

Das Preisgeld möchte der Biochemiker auch für seine Corona-Forschung einsetzen. Kurz nach Ausbruch der Pandemie in Europa filmte Cramer mit seiner Gruppe, wie das Coronavirus sein Erbgut verdoppelt und welche dreidimensionale Struktur die Polymerase des Erregers während des Kopierens einnimmt. „Eines unserer nächsten Ziele wird sein, Moleküle zu entwickeln, die die Corona-Polymerase besser hemmen können.“ (Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.