Mumien sollen in Göttingen Geheimnisse preisgeben

In die Röhre: Eine Mitarbeiterin bereitet eine altägyptische Kindermumie im Juli 2015 für eine computertomographische Untersuchung im St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim vor. Dort werden jetzt erneut vier Mumien untersucht. Zwei von ihnen werden zuvor in Göttingen von Anthropologen angeschaut, danach in Klima-Kisten nach Hildesheim transportiert. Foto: dpa

Göttingen. Zwei Mumien werden am Montag im Institut für Zoologie und Anthropologie in Göttingen untersucht. Anschließend geht es nach Hildesheim - in einen Computer-Tomographen.

Bei den Mumien handelt es sich um eine Mumie aus Peru und eine sogenannte vorspanische Guanchen-Mumie von den Kanarischen Inseln. Sie ist das einzige Exemplar dieser Art in Deutschland.

In Göttingen werden sie von der Anthropologin Dr. Birgit Großkopf untersucht. Anschließend werden die konservierten Leichname in spezielle, klimatisierte Kisten verpackt und nach Hildesheim transportiert.

Dort geht es am Mittwoch nächster Woche weiter: Im St. Bernward Krankenhaus werden die Wissenschaftler Blicke unter die Haut der Mumien werfen. Besonders interessant: Über die Mumifizierungstechnik der Guanchen ist bislang noch extrem wenig bekannt. Die Forscher hoffen so auch, neue Erkenntnisse über die Kultur aus der Steinzeit gewinnen zu können.

In Hildesheim werden noch weitere hochauflösende Schichtaufnahmen von Mumien gefertigt: In die Röhre werden dort nämlich zwei weitere Mumien aus den Hildesheimer Sammlungen geschoben: eine südamerikanische, vermutlich weibliche Mumie, über die bislang wenig bekannt ist - auch nicht aus welcher Kultur sie stammt und wie der Erhaltungszustand von Körper und inneren Organen ist.

Bekannter ist die zweite Mumie: Der Körper von Idus II. ist eine der am besten konservierten und untersuchten weltweit. Sie gilt als eine der bedeutendsten Mumien Ägyptens, auch weil an ihr nachgewiesen werden konnte, dass schon vor der Pyramidenzeit Balsamierungssubstanzen verwendet wurden. Idus II. war ein Beamter aus der Zeit von etwa 2200 vor Christus.

Nun soll der Kopf von Idus II. im CT untersucht werden. Ein spezielles Digitalbild wird dann die Grundlage für eine Gesichtsrekonstruktion sein. Daran sollen später die Besucher der Sonderausstellung „Mumien der Welt“ im Hildesheimer Römer- und Pelizaeus-Museum teilhaben können.

Die erwähnte Guanchen-Mumie soll ihr Altersgeheimnis nach einer Gewebeprobe und der Radio-Carbon-Methode freigeben. Die Probe wird am 14. Dezember im Museum entnommen.

Über die Untersuchung der Mumien, auch deren DNA, erhalten Anthropologen sogar Hinweise auf die Eigenheiten der Kulturen, der Lebensweise der Menschen sowie eventuell zur Besiedlungsgeschichte von Landstrichen.

Auch in Göttingen haben Wissenschaftler Mumien im CT untersucht, zuletzt 2013, als eine ägyptische Priesterin, die um 700 vor Christus gestorben war, von Paläontologen der Uni um Prof. Michael Schultz visuell entblättert wurde. Dabei ging es um das Erkennen von Krankheiten, unter denen die Menschen einst litten.

Hintergrund: Die Guanchen-Mumien

Die Mumien der Guanchen sind gut erhaltene, mumifizierte Bestattete der Guanchen, den Ureinwohnern der Kanarischen Inseln (Spanien). Einige dieser Mumien wurden in das 12. und 13. Jahrhundert datiert. Die Guanchen verstanden es, wie auch andere Kulturen, die Körper ihrer Verstorbenen über den Tod hinaus zu erhalten. Dazu wurden die Toten getrocknet und in Ziegenfelle eingenäht. Die gefundenen Mumien lassen deutliche mumifizierungstechnische, wie auch soziale Unterschiede erkennen. Einige der Verstorbenen wurden regelrecht kunstvoll einbalsamiert. Die genauen Mumifizierungsmethoden der Guanchen sind nicht vollständig erforscht. Die meisten der insgesamt weniger als 50 bekannten Mumien befinden sich heute weltweit in Museen verstreut. Nur wenige werden im Museum in Santa Cruz auf Teneriffa ausgestellt. Die Kanarische Regierung ist bemüht, die weltweit verstreuten Mumien als nationales Kulturgut wieder zurückzuholen.

Mumien auf Reise

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