An Göttinger Uni-Medizin: Speziell für Früh- und Neugeborene

Neue Therapie: Musik soll Kindern gegen Schmerzen helfen

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Musizieren auf der Intensivstation: Musiktherapeutin Hella von Wedelstädt bringt Abwechslung in den Klinikalltag und lässt kranke Kinder ihre Sorgen kurzzeitig vergessen.

Göttingen. Trennung von den Eltern, Schmerzen – ein Krankenhausaufenthalt ist für Kinder ein einschneidendes Ereignis. Mit Musiktherapie will die Uni-Medizin Göttingen kranken Kindern helfen.

Die Therapie richtet sich speziell an Früh- und Neugeborenen sowie herzkranke Kinder in dieser schwierigen Lage.

Auf den Stationen der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin arbeitet seit Ende vergangenen Jahres Musiktherapeutin Hella von Wedelstädt.

Ihr Angebot richtet sich an Kinder, die einer intensiven medizinischen und pflegerischen Versorgung bedürfen, sowie an deren Eltern. Denn bei Kindern und Eltern können Gefühle von Ohnmacht, Unsicherheit, Mutlosigkeit, Trauer, Wut oder Angst unter Umständen die Genesung behindern. „Diese Form der Therapie kann für unsere kleinen Patienten eine wertvolle Hilfe zur Verarbeitung der Erkrankung und des Krankenhausaufenthaltes sein“, sagt Prof. Dr. Thomas Paul, Direktor der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin.

Musiktherapie hilft gegen Reizüberflutung

Akustische Reize von außen kann ein ungeborenes Kind bereits ab der 24. Schwangerschaftswoche wahrnehmen. Dies geschieht gefiltert durch die Bauchwand der Mutter. Zu früh geborene Kinder werden einer akustischen Reizüberflutung ausgesetzt, die sie nur schwer verarbeiten können.

Ziel der Musiktherapie sei es, das Kind durch Summen und Singen positiv zu stimulieren, heißt es. Dazu beobachtet von Wedelstädt Mimik und Gestik, deutet die Stimmung, singt und summt zum Atemrhythmus des Kindes. Das Kind bekomme Halt und Rhythmus vermittelt, an dem es sich orientieren könne, so die Musiktherapeutin. „Die positiven und beruhigenden Hörerfahrungen führen zu einer vegetativen Entspannung. Dabei kann sich die Beruhigung des Kindes durch eine verbesserte Sauerstoffsättigung und eine sich normalisierende Herz- und Atemfrequenz zeigen.“

Die kleinen Herzpatienten erlernen dabei die Möglichkeit, sich selbst zu regulieren. Wenn sich das Befinden des Kindes stabilisiere, wirke sich dies auch positiv auf die Eltern aus, heißt es vonseiten der UMG. Zudem könnten die akustischen Reize der Intensivstation durch die Musik reduziert werden. Auch ältere Kinder profitieren. 

Sie erfahren in der Begegnung mit der Therapeutin Abwechslung vom Klinikalltag. In der Geräuschkulisse einer Intensivstation könnten angenehme und wohltuende Klänge beim gemeinsamen Singen, Musikhören oder Musizieren die Schmerzen für eine Zeit lang vergessen lassen, so die UMG.

Weniger Stress durch die Musik

Sorgen und Ängste würden hörbar gemacht und verarbeitet. So werde die emotionale Stimmung gehoben. Die Kinder könnten in der Musiktherapie selbst aktiv werden. Die psychische Stabilisierung unterstütze den körperlichen Heilungsprozess, wirke stresshemmend und entwicklungsfördernd.

Bislang wird das Angebot der Musiktherapie noch nicht von den Krankenkassen übernommen. Die private Finanzierung haben an der UMG die Eltern-Selbsthilfegruppe GEKKO und der Elternverein Kleine Löwen übernommen.

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