Prozess hat begonnen

Mutmaßliche Einbrecher in Göttingen vor Gericht: Schuhabdruck wurde Tätern zum Verhängnis

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Fußabdrücke: Sie brachten die Ermittler auf die richtige Spur der Serieneinbrecher.

Göttingen/Paderborn. Angefangen hat es mit einem Schuhabdruck. Wie es endet, wissen zwei mutmaßliche Serieneinbrecher, die überregional aktiv waren, aus Göttingen noch nicht.

Seit dieser Woche sitzen sie in Paderborn auf der Anklagebank - dank eines Schuhabdrucks, den sie im vergangenen Herbst bei einem „Bruch“ im ostwestfälischen Lichtenau hinterlassen hatten.

Am 29. November vergangenen Jahres hatten Einbrecher das Haus einer 61-jährigen Lehrerin in Lichtenau bei Paderborn heimgesucht. Die Beute belief sich auf etwa 600 Euro in bar sowie Uhren und Schmuck im Wert von circa 5000 Euro. Ein Schuhabdruck, den die Paderborner Kripo sicherte, führte durch eine Verkettung von Zufall, akribischer Ermittlungsarbeit und Jagdeifer zu den beiden Männern, die seit gestern vor dem Landgericht Paderborn angeklagt sind.

33 Jahre alt ist der mutmaßliche Haupttäter, sein Komplize und Fahrer ist sein Vater, 49 Jahre alt. Beide wurden am 11. April in ihren Göttinger Wohnungen von der Polizei verhaftet, wo auch Teile von Tatbeute sichergestellt wurden. Mehrere Besitzer, die sich auf eine Öffentlichkeitsfahndung hin meldeten, halfen, Beutestücke zeitlich bis zu dem Einbruch in Lichtenau zurückzuverfolgen. Insgesamt werden den beiden zehn Taten im November und Dezember 2016 sowie im Januar 2017 zu Last gelegt – unter anderem in Südniedersachsen, Thüringen Warburg, Marsberg, Uetze und Rotenburg an der Fulda.

Gleiches Muster

Das Muster der Täter war stets gleich: Fenster, Balkon- oder Terrassentür wurden aufgehebelt, die Wohnungen durchwühlt, Uhren, Schmuck und Bargeld mitgenommen. Außer im hessischen Breuna: Da gaben sich die Täter mit einem Handy, einem Tablet-Computer und einem Staubsauger zufrieden.

Die Paderborner Kripo, so schilderte es der ermittlungsführende Beamte, bekam von Kollegen aus Höxter eine mit der in Lichtenau identische Schuhspur, erfasste bei einer Funkzellenauswertung mehrere Handynummern mit verdächtig kurzen Einwählzeiten an den Tatorten, und konnte schließlich eine Person einem der Handys zuordnen: Den 33-Jährigen aus Göttingen. Die Ermittler bekamen dann Hilfe von Kommissar Zufall: Ein Renault Megane mit Helmstedter Kennzeichen war in eine Blitzerfalle gefahren – und das Auto war zuvor dem Halter zwar abgekauft, aber nicht umgemeldet worden. Das Auto wurde schließlich in Göttingen nahe der Wohnanschrift des 49-Jährigen gesichtet, der anhand des Blitzerfotos auch als Fahrer identifiziert wurde. Dank Handyüberwachung und GPS-Ortung des Fahrzeugs konnte die Polizei mehrere Taten direkt nachverfolgen konnte. Am 11. April klickten in Göttingen die Handschellen für die beiden Angeklagten, gegen die Schwester des Hauptangeklagten wird noch ermittelt, ebenso gegen einen weiteren mutmaßlichen Tatbeteiligten.

Viel Beweismaterial

Ob es ein kurzer Prozess wird, steht noch nicht fest. Richter Bernd Emminghaus machte den beiden Serbokroaten den Vorschlag, auszupacken und dafür beim zweiten Prozesstag eine mildere Strafe zu bekommen. Ob die Verteidiger ihren Mandanten raten darauf einzugehen, ist fraglich: Die Menge des Beweismaterials könnte für einige Verhandlungstage reichen.

Von Ulrich Pfaff

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