Landgericht verurteilt 48-Jährigen wegen Totschlags

Mutter getötet und Leiche einbetoniert: 13 Jahre Haft für Mann aus Herzberg

+
Der Angeklagte (Dritter von links) steht neben Verteidiger Steffen Stern und Olaf Wiesemann (links) vor der Urteilsverkündung im Saal des Landgerichts Göttingen. Wegen Totschlages muss er 13 Jahre in Haft.

Weil er seine 74 Jahre alte Mutter mit einem Schürhaken erschlagen hat, muss ein 48-jähriger Mann aus Herzberg für 13 Jahre ins Gefängnis. Das hat am Freitag das Landgericht Göttingen entschieden. Die Richter befanden den Angeklagten nach siebenmonatiger Prozessdauer des Totschlags für schuldig.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Die Kammer habe es jedoch trotz diverser Indizien nicht als gesichert angesehen, dass Habgier das „leitende Tatmotiv“ gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Man gehe davon aus, dass der Angeklagte mit seiner Mutter in einen Streit geraten war, weil er am Tattag im September 2017 überhastet und gegen ihren Willen seinen demenzkranken Vater in ein Pflegeheim gebracht hatte. Er sei so wütend geworden, dass er ihr mit einem auf dem Kamin abgelegten Schürhaken mehrfach von hinten auf den Kopf schlug.

Später habe er die Leiche in eine Folie gewickelt und in einer Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert. Der Angeklagte hatte die Tat gegenüber der Polizei bestritten und seinen Vater als mutmaßlichen Täter ins Spiel gebracht. Auf das Urteil reagierte er ohne sichtbare Gemütsregungen.

Der bereits mehrfach wegen Betrugsdelikten vorbestrafte 48-Jährige war vor einigen Jahren schon einmal auf großes Medieninteresse gestoßen. Damals hatte er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf mit dem Lauftraining begonnen, später an Marathonveranstaltungen teilgenommen und war zum „Läufer des Jahres“ gekürt worden. Dies sei eine große Leistung gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe als „Prototyp für eine gelungene Resozialisierung“ gegolten.

Seit Ende 2016 habe er aber keine eigenen Einkünfte mehr gehabt und vom Geld der Eltern gelebt, so der Richter, zudem habe er erhebliche Schulden gehabt. Ab Juli 2017 sei die Mutter, die ihn bis dato finanziell unterstützt und in Schutz genommen hatte, dazu nicht mehr bereit gewesen. Sie habe Widersprüche gegen von ihm veranlassten Abbuchungen eingelegt und einen Anwalt beauftragt, weitere Transaktionen ihres Sohnes von ihren Konten zu verhindern.

Der zweite schwelende Streitpunkt war der demenzkranke Vater. Nachdem der Vater sich drei Tage vor der Tat bei einem Treppensturz verletzt hatte, kontaktierte der Angeklagte ein Pflegeheim. Drei Tage später brachte er den Vater Hals über Kopf in das Heim. Nach der Rückkehr des Sohnes soll es zum Streit mit der Mutter gekommen. Die Tat sei nicht von langer Hand geplant gewesen, der Angeklagte habe sie aus der Situation heraus begangen.

Der Angeklagte habe dann die Leiche verschnürt und in den nächsten zwei Wochen an verschiedenen Stellen im Haus abgelegt, ehe er sie Anfang Oktober in die Blumenbank im Wohnzimmer einbetonierte. Einige Tage später sei er mit seiner Verlobten erst nach Dänemark und dann weiter nach Schweden gereist, wo er im Mai 2018 festgenommen wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.