Hochschule geht auf Kritiker zu

Nach Antisemitismus-Vorwürfen: Uni Göttingen verschiebt Nahost-Ausstellung

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Das zentrale Hörsaalgebäude: Hier soll die Nahost-Ausstellung in der zweiten Novemberhälfte gezeigt werden.

Göttingen. Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen eine Ausstellung und eine Vortragsreihe zum Nahost-Konflikt an der Universität Göttingen ist die Hochschule auf die Kritiker zugegangen.

Die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ werde statt wie geplant an diesem Dienstag, erst eine Woche später eröffnet, sagte ein Sprecher der Universität. Dies sei das Ergebnis eines Gespräches zwischen der Leitung der Hochschule, dem Allgemeinen Studierendenausschuss und dem Fachschaftsrat Sozialwissenschaften. Die Ausstellung wird zunächst im Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ), Heinrich-Düker-Weg 14, gezeigt. Anschließend ist sie in der zweiten November-Hälfte im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) zu sehen.

Absage-Forderung

Die studentischen Gremien hatten zuvor eine Absage der Ausstellung und der Vortragsreihe gefordert und dies mit angeblich antisemitischen Inhalten begründet. So propagiere die Ausstellung, dass es im Zuge der israelischen Staatsgründung zu massenhaften Vertreibungen und ethnischen Säuberungen der arabischen Bevölkerung gekommen sei.

Dabei werde aber verschwiegen, dass eine der größten Fluchtursachen „der Angriffskrieg der arabischen Nachbarstaaten auf den jungen jüdischen Staat war“. Die Jüdinnen und Juden im Nahen Osten würden in der Ausstellung als „kollektive Aggressoren“ dargestellt.

Auch mehrere der angekündigten Vorträge behandelten das Thema Palästina „sehr einseitig“, hatten AStA und Fachschaftsrat am vergangenen Donnerstag in einem Offenen Brief bemängelt. Die Göttinger Islamwissenschaftlerin Irene Schneider, eine Mitorganisatorin der Reihe, hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Ausstellung beleuchte mit der Vertreibung der Palästinenser historische Fakten, das habe mit Antisemitismus überhaupt nichts zu tun.

Die Universität bekräftigte, die Vorwürfe seien haltlos und könnten in einer sachlichen Diskussion entkräftet werden. Die Ausstellung stelle das Existenzrecht Israels auch nicht infrage. Außerdem stellte die Uni klar, dass die Ausstellung das Existenzrecht Israels nicht infrage stelle.

„Das Verwaltungsgericht Freiburg urteilte im November 2010, dass der Inhalt der Ausstellung keine Strafgesetze verletze und von der Meinungsfreiheit getragen sei“, heißt es von Seiten der Universität.

Nach Angaben des Sprechers soll die nun vereinbarte Verschiebung der Schau den Kritikern Zeit geben, ihre Position öffentlich darzustellen. Der für Dienstag angekündigte Vortrag des Nahost-Experten Udo Steinbach wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Weitere Informationen gibt es hier.

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