Interview nach Attentat in Halle

Nach Attentat in Halle: Verunsicherung bei Jüdischer Gemeinde in Göttingen 

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Wurde im Jahr 2008 eingeweiht: Die Göttinger Synagoge stand früher einmal in Bodenfelde im Landkreis Northeim. 

Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Göttingen sind nach dem Attentat von Halle verunsichert. Wir sprachen dazu mit der Gemeindevorsitzenden Jacqueline Jürgenliemk.

Wie hat die jüdische Gemeinde in Göttingen auf den Anschlag in Halle reagiert?

Wir haben um zusätzlichen Polizeischutz vor der Tür gebeten und auch bekommen. Die Polizeibeamten waren bis zum Schluss der Gottesdienste zum Fest Jom Kippur vor Ort. Die Veranstaltungen fanden trotzdem statt. Wir haben dabei den Opfern gedacht und Solidarität mit der Gemeinde in Halle bekundet.

Fühlt sich die jüdische Gemeinde sicher in Göttingen?

Einige Gemeindemitglieder haben mir berichtet, dass sie während der Gottesdienste in der Synagoge über Fluchtwege aus dem Gebäude nachgedacht haben. Es ist Unsicherheit vorhanden. Viele Fragen sind offen.

Gab es Sicherungsmaßnahmen für die jüdischen Einrichtungen in Göttingen - gibt es sie jetzt?

Es gibt Sicherungsmaßnahmen und die greifen auch. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Wie ist das Gefühl generell bei den jüdischen Gläubigen in Göttingen - hat sich das alles über die Jahre verändert?

Wir spüren eine Veränderung in der Gesellschaft. Wir spüren mehr Ressentiments gegen Juden. Es wird wieder salonfähiger, sich abfällig gegenüber Juden zu äußern.

Denkt man über eigene Sicherheitsdienste etc. nach?

Dazu will ich aktuell nichts sagen.

Wie schätzen Sie die Kontakte mit der Polizei mit Blick auf das Thema Sicherheit für die jüdische Gemeinde ein?

Wir haben einen engen Kontakt zur Polizei und zum Staatsschutz vor Ort in Göttingen. Dort werden unsere Anliegen ernst genommen. Der Kontakt wird in den kommenden Tagen und Wochen nochmals intensiviert.

Welchen Einfluss wird der Terrorakt auf öffentliche Veranstaltungen, Einrichtungen in Göttingen haben – oder generell in Deutschland?

Dieses Attentat mit einem geplanten Anschlag auf Menschen innerhalb einer Synagoge ist für uns ein Novum. Wir müssen jetzt über die Folgen und Auswirkungen nachdenken. Das wird einige Zeit brauchen

Was wünscht sich die jüdische Gemeinde in Göttingen?

Wir wünschen uns mehr Zivilcourage gegenüber judenfeindlichen Äußerungen, wo immer sie auch fallen. Unsere Wahrnehmung des anwachsenden Antisemitismus muss von allen Gruppen der Gesellschaft ernst genommen werden.

Zur Person: Jacqueline Jürgenliemk

Jacqueline Jürgenliemk (56) ist seit 2006 Vorsitzende der im Jahr 1995 wieder belebten jüdischen Gemeinde in Göttingen, die 130 Mitglieder zählt. 

Etwa 90 Prozent von ihnen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Jürgenliemk arbeitet als Supervisorin in Göttingen.

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