Juristische Aufarbeitung nach Randale

Nach Ausschreitungen an Quarantäne-Wohnkomplex in Göttingen: Geldstrafen für Quartett

Randale am Wohnkomplex: Dabei flogen auch Einrichtungsgegenstände.
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Randale am Wohnkomplex: Dabei flogen auch Einrichtungsgegenstände.

Vor dem Amtsgericht Göttingen ist in dieser Woche die strafrechtliche Aufarbeitung der gewalttätigen Ausschreitungen am Wohnkomplex Groner Landstraße im Juni vergangenen Jahres fortgesetzt worden. Vier Angeklagte standen vor Gericht.

Göttingen – Die Beschuldigten machten geltend, dass sie sich gegen die Polizei zur Wehr setzen wollten, weil die Beamten Pfefferspray eingesetzt hätten. Nach Ansicht des Richters ist auf Videoaufnahmen von den damaligen Geschehnissen jedoch zu erkennen, dass sich die Polizei relativ passiv verhalten habe. Auch der Staatsanwalt ließ das von den Angeklagten vorgebrachte Argument nicht gelten, dass sie sich gegen die Polizei hätten wehren wollen.

In allen Fällen werteten es sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht als strafmildernd, dass eine Ausnahmesituation vorlag. Aufgrund der über das gesamte Gebäude verhängten Quarantäne seien die Bewohner mehrere Tage lang in dem Wohnkomplex eingezäunt gewesen. So etwas habe niemand zuvor erlebt. Außerdem sei es an jenem Samstag im Juni sehr heiß gewesen.

Ein 43-jähriger Bewohner hatte damals mit einem Betonfuß nach den Beamten geworfen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 10 Euro. Der Angeklagte habe billigend in Kauf genommen, dass Beamte von dem schweren Betonfuß hätten getroffen werden könnten: „Das war eine ganz heftige Gefahr.“

Ein 32-jähriger Bewohner erhielt eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 15 Euro. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass er gemeinsam mit anderen Beteiligten einen Bauzaun aus der Verankerung gerissen und nach den Polizisten geworfen hatte.

Das Gericht befand ihn ebenso wie die anderen Angeklagten des Landfriedensbruchs und der versuchten gefährlichen Körperverletzung für schuldig. In diesem Fall kam Hehlerei mit gestohlenen Fahrrädern hinzu.

Zwei weitere Angeklagte erhielten Geldstrafen von 130 Tagesätzen zu je 15 Euro. Einer von ihnen soll ebenfalls den Bauzaun herausgerissen sowie eine Glasflasche und eine Holzlatte in Richtung der Polizisten geworfen haben. Auch der vierte Angeklagte hatte nach Angaben eines Justizsprechers eine Glasflasche geworfen. Zu seinen Lasten wertete es das Gericht, dass er bereits vorbestraft war und anders als die anderen Angeklagten die auf Video dokumentierte Tat abgestritten hatte. (Heidi Niemann)

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