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Nach Drohbrief: Viel Solidarität für Moschee-Gemeinde in Göttingen

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Von: Bernd Schlegel

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Die Ditib-Moschee in Göttingen: Die Gemeinde hat einen Drohbrief der „NSU 2.0“ erhalten.
Die Ditib-Moschee in Göttingen: Die Gemeinde hat einen Drohbrief der „NSU 2.0“ erhalten. (Archivfoto) © Bernd Schlegel

Ein Drohschreiben mit rechtradikalem Inhalt ist bei der Ditib-Gemeinde in Göttingen eingegangen. Zahlreiche Politiker erklären sich mit der Gemeinde solidarisch.

Göttingen – Bei der türkisch-islamischen Gemeinde (Ditib) in Göttingen war ein Drohschreiben mit rechtsradikalem Inhalt eingegangen. Politiker verurteilen nun den Vorfall auf das Schärfste und zeigen Solidarität.

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) weist darauf hin, dass es sich bereits um den zweiten Vorfall mit rechtsradikalem Hintergrund handelt, denn erst vor etwa zwei Monaten waren Hakenkreuzschmierereien vor der Göttinger Moschee entdeckt worden.

Oberbürgermeisterin verurteilt Hetze aufs Schärfste

„Ich verurteile diese Hetze aufs Schärfste und stehe an der Seite der Ditib“, bezieht Broistedt Stellung. In dem Drohbrief heißt es: „Macht nur weiter so, und wir kommen wieder, dann wird schlimmeres passieren.“ Als Absender darunter steht „NSU 2.0“ („Nationalsozialistischer Untergrund“).

 Wer einzelne von uns bedroht, bedroht uns alle. Wir halten in Göttingen zusammen!

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt

Broistedt sagt dazu: „Wer einzelne von uns bedroht, bedroht uns alle. Wir halten in Göttingen zusammen!“ Göttingen sei eine offene und tolerante Stadt, in der alle Glaubensrichtungen, die die demokratischen Grundwerte der Bundesrepublik anerkennen, ihren Platz hätten, „auch der Islam.“

Broistedt steht im engen Austausch mit der Gemeinde und unterstreicht, dass sich gerade die „Mitglieder der Ditib-Moschee sehr für Integration und ein friedliches Miteinander“ engagieren. „Sie wirken im Dialog der Religionen mit, öffnen ihr Haus am Tag der offenen Moschee oder für Corona-Impfaktionen für das ganze Quartier und laden andere Religionen zum Fastenbrechen ein. Gemeinsam schauen wir, was uns verbindet, nicht, was uns trennt“, macht Broistedt deutlich.

Solidarität: Landtagsabgeordneter Lühmann besucht Ditib-Gemeinde

Der Landtagsabgeordnete Michael Lühmann (Bündnis 90/Die Grünen) nutzte einen Besuchstermin in der Ditib-Moscheegemeinde, um Vorstandsmitglied Ali Serkan Sahbaz seine volle Solidarität zu übermitteln. „Es war mir wichtig, hier meine Solidarität zu zeigen. Es darf kein Raum geben für Bedrohung und Einschüchterung aus dem faschistischen und rechtsextremen Milieu. Bei diesem, wie auch bei allen anderen Angriffen von rechts, gilt es, sich unmissverständlich an die Seite der Betroffenen zu stellen und auch Öffentlichkeit herzustellen“, so der Abgeordnete.

Deshalb war es ihm wichtig, umgehend das Gespräch mit der Gemeinde und deren Mitgliedern zu suchen und sich auch über Sicherheitsbedürfnisse zu informieren. Viele Gemeindemitglieder sind laut Lühmann nach den Hakenkreuz-Schmierereien an der Moschee im September und durch den Drohbrief, der mit Hakenkreuzen, Morddrohungen und „NSU 2.0“ unterzeichnet war, verunsichert.

„Auch wenn der Kampf gegen Rechtsextremismus ein gesellschaftlicher sein muss, begrüße ich sehr, dass auch seitens der Polizeidirektion Göttingen unverzüglich und auf höchster Ebene Gesprächsangebote gemacht wurden“, sagte der Landtagsabgeordnete. Die Polizei hatte nach dem Eingang des Drohbriefs die Sicherheitsmaßnahmen für die Gemeinde verstärkt, beispielsweise durch mehr Präsenz von Beamten bei Freitagsgebet.

SPD-Stadtverband fordert gemeinsame Erklärung des Rates

Dr. Cornelius Schley, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Göttingen, spricht sich mit Blick auf den aktuellen Vorfall für eine Erklärung des Stadtrates aus: „Die SPD-Göttingen bittet ihre Ratsfraktion, sich mit den anderen Fraktionen kurzzuschließen, um eine Ratsresolution zu verabschieden, mit der sich das Gremium vor die Moscheegemeinde als ein Bestandteil der Stadtgesellschaft stellt.“

Schley ergänzt: „Göttingen ist eine weltoffene Stadt. Hier können alle Mitbürgerinnen und Mitbürger ihren Glauben ausüben, wie auch im Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert. Deshalb sind Moscheen auch ein Teil unseres Stadtbildes.“ (Bernd Schlegel)

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