500 Einsatzkräfte waren von Freitag bis Sonntag im Dienst

Nach Gefahrgut-Unfall auf A7: Fässer sind jetzt abtransportiert

Aktive des Ortsverbandes Northeim des Technischen Hilfswerks machten die unbeschädigten Fässer am Dienstag auf der Bauabfall-Verwertungsanlage Königsbühl bei Göttingen für den Transport fertig. Foto: Schlegel

Göttingen. Mehr als 44 Stunden waren die Einsatzkräfte nach dem Gefahrgutunglück auf der A7 vom Freitag im Einsatz. Am Dienstag wurden die unbeschädigten Fässer abtransportiert.

Bei dem Unfall war ein 25-jähriger Autofahrer ums Leben gekommen, seine 28-jährige Beifahrerin leicht verletzt worden. Der 45-jährige Fahrer des Gefahrgut-Lkw trug schwere Verletzungen davon.

„Wir haben Riesenglück gehabt, dass nicht noch mehr passiert ist.“ Das ist die Bilanz von Gesamteinsatzleiter Martin Willing.

Um 7.36 Uhr ging am Freitag bei der Feuerwehr der Alarm ein. Erst um 3.39 Uhr am Sonntag war der Einsatz beendet. Als glücklicher Umstand stellte sich heraus, dass die Einsatzleitung der Feuerwehr die Ladepapiere schon 20 Minuten nach dem Unfall in Händen hielt. Daraus ging hervor, dass der Sattelzug das gefährliche Aluminiumphosphid geladen hatte. Besonders gefährdet waren daher die Ersthelfer, die sofort am Unfallort zur Stelle waren. „Glücklicherweise ist den Einsatzkräften nichts passiert“, sagt Willing, der Gemeindebrandmeister von Rosdorf ist.

Vorsorglich waren mehr als ein Dutzend Einsatzkräfte im Krankenhaus untersucht worden. „Sie sind auf eigenen Wunsch ins Krankenhaus gegangen“, sagt Willing. Bei den Untersuchungen hat sich nach Angaben des Einsatzleiters herausgestellt, dass niemand verletzt wurde.

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„Alle, die an den Bergungsarbeiten an den Fässern beteiligt waren, haben Vollschutzanzüge getragen“, sagt Willing. Nach seinen Angaben war es für Einsatzkräfte in mehr als 100 Metern Entfernung kein Problem, ohne Schutzanzug zu arbeiten. „Alle, die innerhalb der 100-Meter-Zone im Einsatz waren, hatten Schutzanzüge an. Darauf haben wir streng geachtet.“

Ein Fachberater der Feuerwehr hatte die Einrichtung einer solchen 100-Meter-Schutzzone empfohlen. Außerhalb dieses Bereiches war die Konzentration so gering, dass keine akute Gefahr bestand.

Als die beschädigten und auch die intakten Fässer mit dem Aluminiumphospid abtransportiert waren, konnten die Einsatzkräfte mit Masken samt Filter arbeiten. Willing: „Erst am in den Nachmittagsstunden am Samstag hatten wir alle Fässer entfernt.“

Die beschädigten Fässer wurden außerhalb Göttingens gelagert und werden demnächst fachgerecht entsorgt.

„Im Nachhinein betrachtet haben wir alles richtig gemacht“, sagt Willing. „Der Einsatz hat super geklappt. Alle Einsatzkräfte haben dabei an ihrer Leistungsgrenze gearbeitet.“

Keine Infos zur Ursache 

Zur Unfallursache gibt es nach wie vor keine Informationen: Laut Göttinger Polizei dauern die Untersuchungen durch einen Sachverständigen an. Der Polizeisprecher geht davon aus, dass das Gutachten erst im neuen Jahr vorliegen wird.

Fässer sind jetzt abtransportiert 

Die unbeschädigten Fässer mit dem Aluminiumphosphid, das der auf der Autobahn 7 verunglückte Gefahrgut-Lastwagen geladen hatte, wurden am Dienstag abtransportiert. Aktive des Ortsverbandes Northeim des Technischen Hilfswerks (THW) machten die Fässer auf der Bauabfall-Verwertungsanlage Königsbühl bei Göttingen für den Transport fertig. Dort waren die Metallbehälter zwischengelagert worden. Bei der Aktion setzten die Helfer wieder den Radlader ein, der schon bei der Bergung der Fässer auf der Autobahn wertvolle Dienste geleistet hatte. Anschließend wurden die Fässer auf einen Lastwagen geladen und in die Nähe von Heidelberg gefahren. 

Hintergrund: Über 500 Aktive waren an dem Großeinsatz beteiligt

An dem Großeinsatz auf der Autobahn 7 waren von Freitag bis Sonntag über 500 Aktive beteiligt.

Sie kamen von der Berufsfeuerwehr Göttingen, den Freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis Göttingen, vom Technischen Hilfswerk (Ortsverbände Göttingen, Northeim, Einbeck, Hann. Münden, Clausthal-Zellerfeld und Gieboldehausen), vom Deutschen Roten Kreuz (Ortsverbände Duderstadt, Göttingen und Hann. Münden), vom Arbeiter-Samariter-Bund (Ortsverbände Göttingen und Markoldendorf), von der Johanniter Unfall Hilfe aus Göttingen, vom Malteser Hilfsdienst aus Göttingen und von der Werkfeuerwehr Conti aus Northeim. Zudem waren die Gefahrgutzüge der Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode sowie der Umweltzug der Berufsfeuerwehr Kassel im Einsatz.

Keine einfache Aufgabe war die Verpflegung der vielen Einsatzkräfte. Daran waren die nahe Rastanlage Göttingen, eine Fachgruppe Logistik des Technischen Hilfswerks sowie Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz beteiligt.

Einsatzkräfte können sich untersuchen lassen 

Aktive von Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten, die bei dem Gefahrgutunfall auf der Autobahn im Einsatz waren, steht es frei, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Darauf weist der Landkreis in einem Schreiben hin.

Der Gefahrgut-Lkw hatte Fässer mit Aluminiumphosphid geladen, das mit Wasser zu giftigem und brennbarem Phosporwasserstoff reagiert. Folgende Anzeichen können auf die Inhalation mit Phosporwasserstoff hinweisen: Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall. Treten diese Symptome innerhalb von 48 Stunden nicht auf, so sind keine gesundheitlichen Folgen zu erwarten, heißt es in dem Schreiben.

Bei den Feuerwehrleuten übernimmt die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen (FUK) die Kosten. Einsatzkräfte anderer Einheiten müssen sich an ihren jeweiligen Versicherungsträger wenden.

Info-Blatt 

Ein Info-Blatt nach dem Einsatz gab auch die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen heraus: Darin wird auch auf die Bildung von Phosphorwasserstoff hingewiesen. Durch den vorherrschenden Regen sei es zu einer solchen Reaktion gekommen, wobei sich der sich bildende Phosphorwasserstoff entzündete und verbrannte. Obwohl während des Einsatzes ein starker Wind vorherrschte, der entstehende Reaktionsprodukte stark verdünnte, könne im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden, dass am Einsatz Beteiligte über die Atmung Phosphorwasserstoff aufgenommen haben, heißt es in dem Info-Blatt.

Von Bernd Schlegel

Der Tag nach dem A7-Unfall: Bergungsarbeiten und Staus um Göttingen

Gefahrgutunfall auf der A7 am Freitag

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