Nach der Grenzöffnung: Ansturm aufs Begrüßungsgeld

Stoßstange an Stoßstange: Viele der Trabis, mit denen die DDR-Bürger in die Uni-Stadt kamen, wurden auf der Eiswiese in Göttingen abgestellt. Foto: Karlheinz Otto

Göttingen. Nach der Öffnung der Grenzen im Eichsfeld war ein Ziel der vielen DDR-Bürger die Universitätsstadt Göttingen. Dort bildeten sich Schlangen mit Trabis und bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes.

Viele der Wagen aus DDR-Produktion parkten auf der Eiswiese. Groß war der Ansturm natürlich auch wegen des Begrüßungsgeldes. Jeder DDR-Bürger bekam 100 D-Mark geschenkt.

Allein nach Göttingen strömten bis zum 14. November über 10.000 Gäste aus der DDR. Bis zum 19. November steigerte sich diese Zahl um fast 12.000. Bis zum Monatsende kamen noch mal gut 11.000 Besucher. Gesamtzahl: über 30.000 innerhalb von nur drei Wochen.

Die Bundesrepublik zahlte zwischen 1970 und 1989 jedem Besucher aus der DDR ein sogenanntes Begrüßungsgeld. Zunächst betrug es 30 D-Mark pro Person und konnte zweimal im Jahr in Anspruch genommen werden. 1988 erhöhte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Leistung auf 100 D-Mark pro Person und Jahr. 1988 - ein Jahr vor dem Mauerfall - wurden rund 261 Millionen Mark an Begrüßungsgeld ausgezahlt.

Die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 löste einen Ansturm auf die Auszahlungsstellen aus. Ursprünglich waren im Bundeshaushalt für das Jahr 1989 rund 300 Millionen Mark vorgesehen. Die Summe wurde von der Bundesregierung im November 1989 auf 779 Millionen Mark erhöht. Doch auch das reichte bei weitem nicht: Dem Bundesfinanzministerium zufolge wurden allein 1989 mindestens 1,85 Milliarden Mark gezahlt.

Um Mehrfachzahlungen zu vermeiden, wurde zur Kontrolle bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes der Ausweis oder der Reisepass gestempelt. Zum Jahreswechsel 1989/1990 wurde das Begrüßungsgeld eingestellt und durch einen Devisenfonds ersetzt. Daraus konnte jeder DDR-Bürger 100 D-Mark zum Kurs von 1:1 und 100 D-Mark zum Kurs 1:5 tauschen. Mit Einführung der Währungsunion am 1. Juli 1990 war dann auch der Fonds passé. (bsc/dpa)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.