Offene Debatte gefordert

Nach Kunstquartier-Entscheidung: Grüne kritisieren Kulturpolitik

Düstere Straße in Göttingen: Hier soll das Kuqua entstehen. Initiator ist Verleger Gerhard Steidl, der auch sein Grass-Archiv dort baut. Die Stadt hat Fördergeld beantragt, dass jetzt auch Berlin fließt. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler freut sich darüber. Foto: Kopietz

Göttingen. Nach der Entscheidung des Stadtrates zum Bau des Göttinger Kunstquartiers üben die Grünen Kritik an der Kulturpolitik der Universitätsstadt.

„So begrüßenswert die Einrichtung einer Kunsthalle in Göttingen ist, so fragwürdig ist die Kulturpolitik, in deren Kontext die Entscheidung steht“, sagt Mathis Weselmann, Sprecher des Kreisverbands. Während die Stadt seit Jahren vor allem auf den Bestandserhalt setze, werde jetzt unter hohem Zeitdruck ein neues Projekt angestoßen, „weil sich aus dem Bund ein warmer Geldregen über die Stadt ergießt.“

Die Pressemitteilung der Grünen kommt durchaus überraschend. Hintergrund: Auch die Grünen hatten sich im Stadtrat genauso wie Die Linke und die Piraten für das Projekt ausgesprochen. Die CDU/FDP-Gruppe hatte gegen das Kunstquartier gestimmt, das fünf Millionen Euro kosten soll. Geplant sind im Nikolaiviertel unter anderem die Einrichtung des Grass-Archivs sowie der Neubau eines Galeriegebäudes zur regelmäßigen Präsentation bedeutender deutscher und internationaler Kunst. Der Bund unterstützt das Kuqua mit 4,5 Millionen Euro.

Die Entscheidung für das neue Großprojekt ist aus Sicht der Grünen ein problematisches Signal. Ohne eine detaillierte Planung sei der Bestandsschutz für kleine Kultureinrichtungen nur ein Lippenbekenntnis: „Auch in Göttingen wird das kulturpolitische Durchwursteln an seine Grenzen geraten.“ Die bisherige Umsetzung des Entschuldungshilfevertrags und die jüngsten Kürzungsvorschlägen bei Stadtarchiv und städtischem Museum hätten hinreichend gezeigt, dass im Zweifel bei den Einrichtungen mit der schwächsten politischen Lobby gespart würde, so die Grünen.

Weselmann fordert nun eine offene Debatte über die Kulturförderung der Stadt. Der Fokus solle von der Förderung großer Spielstätten auf den Aufbau einer Infrastruktur für Kulturschaffende verlagert werden: „Wir sollten nicht so stark den Konsum von Kunst subventionieren sondern Kreativität fördern.“

Laut Weselmann hatten die Grünen schon 2008 im Stadtrat die Ausarbeitung eines Konzepts für Finanzierung und inhaltliche Ausrichtung des Kunstquartiers gefordert, das jedoch bis 2014 nicht vorgelegt worden sei. (bsc)

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