Göttingen

Nach mehrjährigem Umbau der St. Johanniskirche: Die graue Eminenz erstrahlt wieder

Gruppenfoto mehrerer Personen in dem frisch sanierten Kirchenschiff der Göttinger St. Johanniskirche
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Freuen sich über die Wiedereröffnung: (v. l.) Ilse Sauerland von der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Kirchenkreisamts Göttingen-Münden, Pastor Gerhard Schridde, Peter Friele (Bau- und Liegenschaftsabteilung), die Vorsitzende des Kirchenvorstands Hildgund Broda, Superintendent des Kirchenkreises Göttingen Dr. Frank Uhlhorn, Heino Ester (leitender Architekt) und Kirchenmusiker Bernd Eberhardt

Es ist vollbracht: Drei Jahre nach Sanierungsbeginn öffnet die Göttinger St. Johanniskirche am Samstag, 27. November, als Bürger- und Kulturkirche offiziell die Pforten.

Göttingen – Die graue Eminenz erstrahlt wieder in Farbe: So lässt sich die Sanierung der Göttinger St. Johanniskirche zusammenfassen. Drei Jahre und 3,5 Millionen Euro nahm die Sanierung in Anspruch. Am Samstag, 27. November, öffnet St. Johannis nun wieder offiziell die Pforten.

Mit dem Umbau gehen auch organisatorische Neuerungen einher: Fortan soll die St. Johanniskirche als Bürger- und Kulturkirche dienen. „Wir haben einen Raum für die ganze Stadt geschaffen“, sagt Eberhardt. Der Organist ist seit 20 Jahren in der Gemeinde.

Die Kirche sei akustisch schon immer ein guter Ort und einer der großen Veranstaltungsorte der Stadt gewesen. „Doch der Raum wurde den Ansprüchen nicht gerecht – er war grau und dunkel“, sagt Eberhardt. Bis zur Renovierung sei es jedoch ein „sehr, sehr langer Weg“ gewesen mit erheblichen Kosten.

„In den drei Jahren haben wir den Altarraum weiter für Gottesdienste genutzt,“ erzählt Pastor Gerhard Schridde, der vor neun Jahren in die Gemeinde kam. Ihm sei schon früh klargewesen, dass der Kirchenraum allen Bürgern offenstehen soll.

Sanierung St. Johanniskirche: Bewegliche Elemente im Altarraum

Für die Umsetzung wurde an eine möglichst flexible Einrichtung gedacht. Neben beweglichen Elementen im Altarraum kann auch die Grundbestuhlung von 300 Plätzen hinter der Orgel nun via Lastenheber verstaut werden. Außerdem wurden zusätzliche Räume eingebaut, so Heino Ester, leitender Architekt: für den Küster, für Material und für die Technik. Eine Küche gibt es ebenfalls.

Die Heizungstechnik ist auf den aktuellen Stand gebracht worden und im zentralen Bereich der Kirche gebe es eine Fußbodenwärmung, sodass Besucher im Winter nicht frieren. Ganz genüge die Kirche den heutigen „Klimagesichtspunkten“ nicht, auch, wenn man sich um Nachhaltigkeit bemüht habe, so Ester. Das Gemäuer lasse sich nicht dämmen.

Die Kosten in die Höhe getrieben habe der Vorsatz, nach der Versammlungsstättenverordnung zu renovieren. Das setze andere Ansprüche als bei einer reinen kirchlichen Nutzung. So musste unter anderem der Brandschutz verbessert werden.

Das ermögliche jedoch, die Kirche auch für andere Veranstalter zu öffnen. „Wir wollen offen – ja sogar offensiv – in der Gesellschaft unterwegs sein“, sagt Heino Ester. „Das letzte, was wir brauchen, sind ungenutzte Kirchen.“

Damit die Kirche wieder mit Leben gefüllt wird, hat Ester den Entwurf von 1964/65, als die Emporengrundkonstruktion das letzte Mal geändert wurde, um Nebenräume ergänzt.

Sanierung St. Johanniskirche: Glaskünstler aus Wernigerode

Für die Fensterverglasung wurde der renommierte Glaskünstler Günter Grohs aus Wernigerode engagiert. Bei dieser Arbeit sei besonders, dass Grohs die Glaselemente „in einem Rutsch“ angefertigt hat. „Die nächste Generation kann die Fenster herausnehmen, ohne das mittelalterliche Kirchenschiff zu zerstören.“ Sprichwörtlich in Stein gemeißelt ist die Gestaltung der Kirche damit nicht.

Hinsichtlich der Farbgestaltung griff der Architekt auf Altbefunde aus dem Dachboden zurück. Sie stammen aus dem 14. Jahrhundert und zeichnen sich durch einen polychromen, zurückhaltenen Rotton aus. Zudem wurden die Ölgemälde gereinigt und restauriert.

Insgesamt seien mindestens 40 Handwerksbetriebe verschiedener Gewerke mit jeweils mindestens fünf Arbeitern am Umbau beteiligt gewesen. Die Bilanz, die Heiko Ester nach drei Jahren Umbau zieht, ist positiv: „Man erkennt nicht auf den ersten Blick, dass wir etwas verändert haben.“ Das sei unter Fachleuten ein gutes Indiz für eine gelungene Sanierung, erklärt der leitende Architekt. (Paul Bröker)

Übersicht der Sanierungskosten St. Johanniskirche

  • Die Sanierung und der Ausbau des Kirchenschiff der Markt- und Ratskirche St. Johannis in Göttingen hat insgesamt rund 3,5 Millionen Euro gekostet. Finanziert wurde sie von folgenden Trägern:
  • Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien: 1.750.000 Euro
  • Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 100.000 Euro
  • Klosterkammer Hannover: 68.000 Euro
  • Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung: 10.000 Euro
  • Ev.-luth. Landeskirche Hannover: rund 486.000 Euro
  • Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen: rund 150.000 Euro
  • Ev.-luth. Kirchengem. St. Johannis: rund 936.000 Euro

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