Rachemord-Prozess: Vater des Angeklagten sagt aus

Vor Gericht: Ein Vollzugsbeamter nimmt dem Angeklagten im Mord-Prozess von Reiffenhausen die Handschellen ab. Foto: nh

Göttingen. Im Prozess um die Ermordung eines 27-jährigen Mannes aus Reiffenhausen (Kreis Göttingen) hat am Donnerstag der Vater des Angeklagten ausgesagt.

Sein Sohn habe ihm am mutmaßlichen Tatabend gesagt, dass er nach Göttingen fahren wolle. Daraufhin hätten sie ihn gebeten, Pizza für alle mitzubringen, was dieser auch getan habe.

Sie hätten dann gemeinsam gegessen. Wenig später sei der 29-Jährige im Sessel vor dem Fernseher eingeschlafen. „Es war alles ganz normal, da ist nichts Auffälliges gewesen“, sagte der Vater.

Erst später erfuhr die Familie durch die Polizei, dass der 29-Jährige bei seiner Tour nicht nur Pizza geholt, sondern auch einen Mord begangen haben soll – einen Mord, den er nach Überzeugung der Ermittler seit längerem geplant hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, Anfang Februar den 27-jährigen Bruder seiner damaligen Freundin erschossen zu haben. Zuvor soll er sein Opfer mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark gelockt haben.

Der Angeklagte habe sich dafür rächen wollen, dass der Bruder ihn mehrerer Diebstähle überführt hatte und er deswegen aus dem Haus hatte ausziehen müssen, in dem seine Freundin mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebte.

Nach Angaben des Vaters hatte der 29-Jährige an jenem Abend von unterwegs noch eine Mitteilung geschickt, dass es zu schneien begonnen habe und es noch etwas dauern könne, bis er mit der Pizza komme.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat er an diesem Abend den Bruder seiner Freundin mit mindestens sechs Schüssen getötet und anschließend die Leiche zu einem Holzstapel geschleift.

Als seine damalige Freundin erfahren habe, dass er der mutmaßliche Mörder ihres Bruders sei, habe sie das erst nicht glauben wolle, sagte die 24-Jährige. Gespräche mit der Polizei und ihrer Schwester hätten ihr dann die Augen geöffnet. Als sie erkannt habe, dass der Angeklagte sie „von vorne bis hinten verarscht“ habe, habe sie die Beziehung beendet.

Die Polizei hat den Chatverkehr zwischen der 24-Jährigen und dem Angeklagten ausgewertet. Dieser schrieb ihr unter anderem: „Ich hoffe, dass er dafür bluten muss. Der hat mein Leben kaputt gemacht.“

Die Ermittler schließen daraus, dass ihr Ex-Freund sich an ihrem Bruder rächen wollte. Darauf könnte auch dieser Satz hindeuten: „Eigentlich hätte ich den erschießen lassen müssen.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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