Neuausrichtung

Nach Organspende-Skandal in Göttingen: Alle Fragen und Antworten

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Blick auf die Universitätsmedizin Göttingen im Norden der Uni-Stadt: Hier hatte der Transplantationsmediziner gearbeitet. 

Göttingen. Der Organspendeskandal vor fünf Jahren, bei dem jetzt der Freispruch für einen Mediziner bestätigt worden war, sorgte für einen Einschnitt beim Thema Transplantationen an der Uni-Medizin Göttingen (UMG) – dazu Fragen und Antworten.

Was hat sich bei der Universitätsmedizin im Verfahren bei Organtransplantationen an der UMG geändert?

Seit 2015 werden an der UMG keine Lebertransplantationen mehr vorgenommen. Das Leber-Zentrum Göttingen arbeitet dafür eng mit den wohnortnahen Transplantationszentren der von einer Lebertransplantation betroffenen Patienten zusammen. Wenn es die Patienten wünschen, kann die Nachsorge nach der Transplantation in Göttingen erfolgen. Am Transplantationszentrum Göttingen wird zudem das Herztransplantations-Programm durchgeführt.

Wie wird sichergestellt, dass keine Manipulationen passieren können?

Eine wesentliche Konsequenz aus den Manipulationsvorwürfen bei den Lebertransplantationen ist bundesweit die Einführung eines Mehraugen-Prinzips bei der An- und Ummeldung von Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation. Innerhalb einer Klinik wird im Rahmen einer verpflichtenden interdisziplinären Transplantationskonferenz jeder einzelne Fall besprochen und der Meldestatus gemeinschaftlich festgelegt. Eine unrichtige Erhebung, Dokumentation und Übermittlung von Patientendaten ist durch eine Änderung im Transplantationsgesetz seit August 2013 strafbar.

Was droht bei Verstößen gegen die Vorschriften?

Ein Verstoß wird je nach Schwere mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet. Der Beschluss der interdisziplinären Transplantationskonferenz muss der Vermittlungsstelle Eurotransplant bei jeder An- oder Ummeldung eines Patienten übermittelt werden.

Welche Organe werden aktuell an der UMG transplantiert?

Im Transplantationszentrum der UMG selbst werden aktuell nur Herztransplantationen vorgenommen. Der Ablauf unterliegt den strengen Regularien der Stiftung Eurotransplant, die Organspenden vermittelt. Bei einer routinemäßigen Prüfung durch die Prüfungskommission der Bundesärztekammer im Dezember 2016 gab es beim Herztransplantationsverfahren der UMG keine Beanstandungen, alle Herztransplantationen an der UMG wurden korrekt durchgeführt.

Wer kontrolliert in welcher Form die Einhaltung der Vorgaben für die Organtransplantationen?

Nach dem Transplantationsgesetz steht die Bundesärztekammer (BÄK) gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in unmittelbarer Verantwortung für den Bereich der Organspende und Transplantation. Für die Organtransplantation hat die BÄK eine Ständige Kommission eingerichtet. Zusätzlich gibt es eine Prüfungs- und Überwachungskommission, die eine Vor-Ort-Überprüfung der Transplantationsprogramme in Deutschland seit 2012 regelmäßig vornimmt.

Welche Transplantationsprogramme laufen derzeit mit Unterstützung der UMG?

Aktuell betreibt die UMG ein Herz-Transplantationsprogramm. Im Bereich der Leber-Transplantation bestehen regionale Kooperationen mit anderen Transplantationsstandorten. Bei den Nierentransplantationen deckt seit 2010 eine enge Kooperation mit dem Nephrologischen Zentrum Niedersachsen in Hann. Münden den Bedarf der Region ab. Mit diesem Spektrum gewährleistet die UMG, dass sie im Bereich Transplantation den Patienten eine umfassende Versorgung anbieten kann.

Wie haben sich die Zahlen bei den Transplantationen entwickelt?

Seit dem Jahr 2010 wurden im Transplantationszentrum der UMG 31 Herzen transplantiert. Bis zur Einstellung der Lebertransplantationen an der Universitätsmedizin Göttingen zum Jahresbeginn 2015 wurden nach der einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses zwischen UMG und dem Leitenden Transplantationschirurgen im Jahr 2012 insgesamt 46 Lebern an der UMG transplantiert.

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