Gericht hat entschieden

Nach Unfall bei Experiment in der  Schule: Versicherung muss zahlen

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Das Göttinger DLR-Gelände aus der Luft: Im School-Lab kam es zu einem Unfall, bei dem ein Schüler verletzt wurde.

Eine 15-jährige Schülerin des Felix-Klein-Gymnasiums erlitt  Jahren bei einem Experiment Verbrennungen. Die Unfallversicherung der Schule muss auch für die Folgen aufkommen.

Vor zwei Jahren ereignete sich im Experimentierlabor „School Lab“ des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Göttingen ein folgenschwerer Unfall: Eine 15-jährige Schülerin des Felix-Klein-Gymnasiums erlitt bei einem Experiment mit einem Feuertornado Verbrennungen am Unterschenkel, die Versicherung weigerte sich, das als Arbeitsunfall anzuerkennen.

Das Sozailgericht Hildesheim entschied nun: Da die Teilnahme sei eine schulische Veranstaltung gewesen, deshalb müsse die Unfallversicherung der Schule auch für die Folgen aufkommen (Aktenzeichen S 21 U 16/19).

Im „DLR_School_Lab“ erhalten Schüler einen Einblick in die Welt der modernen Forschung. Sie können in Windkanälen, mit Hubschraubermodellen oder Hochgeschwindigkeitskameras und anderen Hightech-Geräten experimentieren. Ziel ist es, das Interesse an Natur- und Ingenieurwissenschaften zu verstärken.

Feuersäule wurde mit Ethanol erzeugt

Das Göttinger Gymnasium hatte im Mai 2015 mit dem „School Lab“ eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Anlass für den Besuch im Oktober 2017 war nach Angaben des Sozialgerichts eine Anfrage eines Fernsehsenders, der für eine regionale Nachrichtensendung einen Beitrag über das Schülerlabor plante. Ein Lehrer habe sechs interessierte Schüler ausgewählt.

Deren Eltern erklärten in einem Formular ihre Zustimmung zu den Filmaufnahmen. Weitere Erklärungen forderte das Gymnasium nicht ein, weder eine Zustimmung zur Teilnahme an der Experimentalveranstaltung noch einen Antrag auf Unterrichtsbefreiung. Das DLR und der Fernsehsender nahmen keinen Kontakt zu den Eltern auf.

Bei dem Experiment mit dem Feuertarnado wird mit Ethanol und einem sich drehenden Drahtkorb eine Feuersäule erzeugt, die einem Tornado gleicht. Um von dem Effekt weitere Aufnahmen machen zu können, bat ein Kameramann des TV-Senders darum, den Feuertornado erneut zu entzünden.

Feuertornado: Das Bild entstand im Phaeno in Wolfsburg.

Ein DLR-Mitarbeiter goss daraufhin Ethanol nach – mit fatalen Folgen: Da das Feuer in der sich drehenden Metallschale noch nicht ganz erloschen war, entstand eine Stichflamme, die die Schülerin im Unterschenkelbereich traf und ihre Hose in Brand setzte. Sie kam mit Verbrennungen ins Krankenhaus.

Gericht sagt, es war ein Arbeitsunfall

Zu den erheblichen Verletzungen kam der Ärger mit der Versicherung. Das Sozialgericht hatte wenig Verständnis für die ablehnende Haltung der Unfallversicherung. Der Besuch des Experimentallabors habe während der Unterrichtszeit stattgefunden, damit handele es sich um einen Arbeitsunfall.

Das Gericht verwies zudem auf die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, wonach der elterliche Verantwortungsbereich dort einsetze, wo der schulische ende. Um Schutzlücken zu vermeiden, müssten Schulen die Eltern darüber informieren, wo der schulische Bereich ende. Das sei in diesem Fall nicht ersichtlich gewesen.

Als Konsequenz finden nach Angaben eines DLR-Sprechers seit Oktober 2017 keine Feuertornado-Experimente mehr statt. Die Entscheidung des Sozialgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

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