Göttingens Oberbürgermeister-Kandidaten

Nachholbedarf bei Familienpolitik: OB-Kandidat Kangarani (CDU) will mehr Krippen

Porträt von CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Ehsan Kangarani am Juridicum
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CDU-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Ehsan Kangarani am Juridicum auf dem Zentral-Campus in Göttingen: An der Uni hat er zwei Lehraufträge.

Er möchte an die Spitze der Universitätsstadt: Dr. Ehsan Kangarani ist der CDU-Kandidat für das Amt des Göttinger Oberbürgermeisters.

Göttingen – Für Dr. Ehsan Kangarani gab es einen besonders glücklichen Moment in seinem Leben: Als Jugendlicher erhielt der Sohn iranischer Eltern den deutschen Pass. Jetzt möchte der 39-jährige Jurist auf den Chefsessel im Neuen Rathaus.

Er könnte damit zum Vorbild für viele andere Einwohner mit Migrationshintergrund in Göttingen werden. „Die Einbürgerung ist der Höhepunkt der Integration. Das ist die Bestätigung des Staates, hier angekommen zu sein“, sagt der promovierte Jurist und Staatsanwalt, der in verantwortlicher Position die Digitalisierung der Justiz in Niedersachsen vorantreibt. „Die Staatsbürgerschaft ist etwas, dass man erreichen sollte, aber man muss dafür etwas tun“, sagt der Jurist, der von der Konrad-Adenauer-Stiftung während des Studiums gefördert wurde.

Doch auch er muss sich mit Alltagsproblemen auseinandersetzen: Er und seine Frau, ebenfalls Juristin, haben wie viele Familien in Göttingen erlebt, dass die Organisation der Betreuung der beiden Kinder (sechs und drei Jahre) zu einer schwierigen Aufgabe wurde. „Es gibt einfach zu wenige Krippenplätze“, musste er feststellen und will als Oberbürgermeister in diesem Bereich nachsteuern.

Auch das Thema Nachmittagsbetreuung nach der Schule hat er sich auf die Fahnen für seine künftige Arbeit geschrieben. „Da haben wir Schwächen“, diagnostiziert er mit Blick auf seinen Sohn, der in die Schule kommt und kündigt an, sich als Verwaltungschef für die Entlastung von Familien einsetzen zu wollen.

Beim Blick auf die Entwicklung der Uni-Stadt stört Kangarani, dass bei vielen Projekten im Baubereich die Interessen der Investoren zu sehr im Mittelpunkt stehen. „Bei Großprojekten muss der Bürgerwille ernst genommen werden“, sagt er beispielsweise mit Blick auf ein großes Bauvorhaben am Weender Tor. „Investoren sollten nicht bestimmen, wie die Stadt auszusehen hat“, gibt er als Vorgabe aus und fordert, dass konstruktive Ansätze in die Entscheidungen mit einfließen müssen.

In diese Kategorie fällt aus Sicht von Kangarani auch das Thema Wohnungsbau. In diesem Bereich ist Göttingen aus seiner Sicht weit von den eigentlichen Zielen entfernt. „Alles was rar ist, kann man teuer machen.“ Deshalb setzt er auf einen Wohnungsbau mit Sozialbindung, damit das Leben bezahlbar ist. Eine besondere Bedeutung haben dabei aus seiner Sicht unter anderem die lokalen Wohnungsgenossenschaften in der Uni-Stadt.

Mit Blick auf Randgruppen macht der Jurist deutlich: „Wir müssen als Stadt in Bereiche gehen, die nicht aufgesucht wurden und nachhaltig Hilfe anbieten, auch wenn die anfangs nicht angenommen wird.“ Ein konkretes Beispiel, wie so etwas angepackt werden kann, ist für ihn der Problemwohnkomplex im Hagenweg in der Weststadt, wo künftig Sozialarbeiter tätig sein werden.

Außerdem will sich Dr. Kangarani in die Migrationsarbeit einbringen und formuliert dabei aber gleichzeitig eine zentrale Forderung: „Die deutsche Sprache ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration.“ (Bernd Schlegel)

Drei Sätze zum Vervollständigen

Die Stadt Göttingen ist für mich... meine Heimat und der Geburtsort meiner Kinder.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme... dann freue ich mich, meine Familie zu sehen und mit ihnen Zeit zu verbringen.

Wenn ich nicht Oberbürgermeister werde... , so werde ich meinem Beruf weiterhin nachgehen und mich in der Kommunalpolitik einbringen.

Zur Person

Dr. Ehsan Kangarani (39) kam in der iranischen Hauptstadt Teheran zur Welt. Seit 1985 lebt seine Familie in Göttingen. Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und promovierte 2009. Sein Referendariat absolvierte er im Bereich des Oberlandesgerichts Braunschweig. Er wurde zunächst Richter auf Probe und später Richter auf Lebenszeit am Amtsgericht Göttingen 2018 wechselte er als stellvertretender Pressesprecher zur Staatsanwaltschaft Göttingen und ist seit 2020 Referatsteilleiter für elektronischen Rechtsverkehr.

Kangarani ist verheiratet und hat einen Sohn (6) und eine Tochter (3).

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