Nachlese zum Soundcheck-Festival (1)

Schotte mit Hammer-Stimme und viel Humor: Lewis Capaldi

Star ohne Attitüde: Lewis Capaldi wird zu Recht eine große Karriere vorausgesagt. Beim NDR-2-Soundcheck-Festival in Göttingen zeigte er eindrucksvoll seine Stärke. Foto: Harald Kuhl

Das NDR-2-Soundcheck Festival ist eine Woche her. Es ist aber noch einiges zu sagen, zum Beispiel über den Schotten Lewis Capaldi.

Göttingen – Was ist das denn für ein komischer Kauz? Die Rede ist von Lewis Capaldi. Das ist der, der für Mega-Hit „Someone You Loved“ verantwortlich zeichnet und der, der sich realistisch als „schottische Beyoncé“ bezeichnet und so überlebensgroß auf Plakaten in der U-Bahn für sein Album wirbt.

Schräger Typ

Ein Ding, das viel aussagt über Lewis Capaldi, der nicht nur ein begnadetes Musiktalent, sondern auch ein extrem humorvoller Mensch ist – und ein Typ, der auf dem Boden geblieben ist, was er gerne dadurch untermauert, sich selbst auf den Arm zu nehmen – auch auf der Bühne. Wenn Lewis Capaldi auf eben jene kommt, dann ist das schon irgendwie lustig: Er schlurft gemächlich und unscheinbar aus dem Seitenaufgang winkend zum Mikro, das wird er nun fast nicht mehr aus der Hand geben. Kann er auch gar nicht: Denn er geht damit ständig umher, vor allem, wenn er lustige Geschichten erzählt. Den Schalk trägt er im Gesicht. Der 22-jährige Schotte ist so, wie er mal treffend beschrieben wurde: ein bisschen schräg“, wobei das abschwächende Adjektiv auch wegfallen kann.

Wuschelhaare

All das ist zu erleben, als er beim NDR-2-Soundcheck-Festival Neue Musik in der picke-packe-vollen „Halle 2“ auftritt. Capaldi ist eigentlich schon kein Newcomer mehr, er ist ein Star. Mit gerade einmal 22. Und ohne ein Surf-Boy-Aussehen wie der einen Tag zuvor auftretende Christopher. Lewis Capaldi ist ein wenig rundlich, hat kein fein geschnittenes Kinn und keine rasierten Gel-Haare. Nein, in seinen wuschelt er immer mal wieder herum.

Textlicher Schwerenöter

Davon lässt er aber nicht viel raushängen, obwohl Lewis mittlerweile natürlich um seine Wirkung als wunderbar singender Scherzbold und Schwerenöter weiß.

Dabei hat er eigentlich einen Nachteil: Nach wenigen Worten ist klar: Das ist ein waschechter Schotte, mit diesem sensationellen Akzent, den aber nicht alle in „Halle 2“ verstehen. Macht aber nix: Mitsingen geht ja. „Your Grace, don´t take it away“.

Publikum foppen

Dann foppt er das Publikum: „Do you like Rock´n Roll? „Yes“, kommt es zurück. Diesen Bejahenden antwortet er: „Dann seid Ihr falsch in diesem Konzert. „This is the Opposite of Rock´nRoll!“

Er spiele traurige Songs, viele traurige Songs. Aber auch lustige Songs. Aber man sollte nicht zu viel Spaß haben, dann bleibe ja kein Spaß für andere übrig. „Leave much Fun for other People“, fordert er. „Lass viel Freude für andere Leute übrig.“ Dann fliegt eine Sonnenblume an ihm vorbei auf die Bühne: "Oh lovely, a dead flower. I´ll take to my Grave." Eine tote Blume. Ich nehme sie mit für mein Grab.

Hammer-Stimme

Nach dem Kabarett-Part singt Capaldi wie aus dem Nichts „Don´t geht me wrong“ – und sofort hängen alle im Saal wieder an seinen Lippen. Eine fantastische Stimme!

So geht das weiter. Eine Stunde lang im Wechsel. Er müsse Zeit schinden, weil er nicht genug Songs habe. Das gelingt. Lewis Capaldi schindet locker zehn Minuten mit seinen Erzählungen und Scherzen. Übel nimmt es dem Mann aus Glasgow mit seiner Band fast komplett aus Glasgow kaum einer.

Geballtes Talent

Denn: Man hat möglicherweise einen kommenden Superstar gehört, nein erlebt. Einen jungen Mann, der sein Publikum, sich selbst auf die Schippe nehmen kann. Der in seinem Kopf traurige Liedgedanken und viel Quatsch trägt. Übrigens: Er kommt ohne eine einzige Tanzbewegung aus. Ein großes Konzerterlebnis, das mit „Someone you loved“ - dem besagten Mega-Hit. Mittendrin aber gab es das Gänsehaut-Highligh, das das geballte Talent Capaldis zeigt: „Bruises“ - live nachzuhören auf NDR2.de

VON THOMAS KOPIETZ

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