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Nachzucht soll Feldhamster-Bestand am Nordcampus in Göttingen stärken

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Von: Michael Caspar

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Kartieren die Feldhamster und ihre unterirdischen Bauten auf dem Nordcampus: (von links) Mareike Schneider mit Spürhund Smilla sowie Jan Ritter, Michael Strunk, Till Wagner und Nina Lipecki.
Kartieren die Feldhamster und ihre unterirdischen Bauten auf dem Nordcampus: (von links) Mareike Schneider mit Spürhund Smilla sowie Jan Ritter, Michael Strunk, Till Wagner und Nina Lipecki. © Michael Caspar

Die Feldhamster-Population am Göttinger Nordcampus soll gestärkt werden. Dazu wird ein Nachzucht-Projekt gestartet.

Göttingen – Mit einem niedersachsenweit einzigartigen Nachzucht- und Wiederansiedlungsprojekt will die Arbeitsgemeinschaft (AG) Feldhamsterschutz die Nager-Population auf dem Göttinger Nordcampus stärken.

„Nicht einmal mehr 50 Tiere leben auf der 1,4 Hektar großen Kernfläche sowie der 5,9 Hektar großen Fläche nördlich der Otto-Hahn-Straße, vor 20 Jahren waren es drei Mal soviel“, berichtet Nina Lipecki, die Vorsitzende des Vereins. Damit können sich die Nager, die 1998 fast den Bau des Zentrums für molekulare Biowissenschaften verhindert haben, kaum noch reproduzieren. Die Linie ist schon heute – trotz eines seinerzeit gestarteten Feldhamster-Managements – „genetisch bedenklich verarmt“. Das haben Haarproben ergeben, die die AG sammelte und vom Frankfurter Senckenberg Institut auswerten ließ, so die Tierschützerin.

Um das Erlöschen der Gruppe – der letzten ihrer Art in Südniedersachsen – zu verhindern, fängt Lipecki zusammen mit Mitstreitern seit April Hamster ein. Dazu müssen sie zunächst die Eingänge zu den bis zu zwei Meter tiefen Bauten ausfindig machen. „Wichtige Hilfe auf den zum Teil zugewucherten Flächen leistet dabei mein Spürhund Smilla“, berichtet Mareike Schneider. Die promovierte Biologin aus der Gemeinde Friedland hat ihr Weimaraner Langhaar entsprechend ausgebildet. An den Löchern stellen die Hamsterfreunde kurz vor Sonnenuntergang Fallen auf. Alle 16 Exemplare werden stündlich kontrolliert und vor Mitternacht wieder abgebaut. Um die Nachzucht der gefangenen Tiere kümmert sich der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde. Von diesem Jahr an sollen fünf Jahre lang jeweils fünf Männchen und fünf Weibchen für Nachwuchs sorgen. Mit 30 Jungtieren pro Paar und Jahr rechnet die AG. „Zur Auffrischung der Genetik sind zwei Hamsterpaare aus der Hildesheimer Börde mit dabei“, berichtet Lipecki. Das dortige, vergleichsweise intakte Siedlungsgebiet der in Europa vom Aussterben bedrohten Art reicht bis nach Sachsen-Anhalt.

Drei Feldhamster haben die Naturschützer bereits auf den Nordcampus gefangen.
Drei Feldhamster haben die Naturschützer bereits auf den Nordcampus gefangen. © Mareike Schneider /nh

Die nachgezüchteten Tiere will die AG entsprechend der Richtlinien der Weltnaturschutzunion (IUCN) wieder aussiedeln. „Damit das Erfolg hat, wollen wir Landwirte – unter anderem durch Zahlung von Entschädigungen – für begleitende Schutzmaßnahmen gewinnen“, kündigt die Vorsitzende an. Zu lösen ist vor allem das Problem, dass nach der Getreideernte, also von Juli an, dem Feldhamster auf großen Flächen Nahrung und Deckung fehlen. Die Nager werden dort zur schnellen Beute von Raubvögeln und Füchsen. Für den zweiten Wurf fehlt den Tieren jeglicher Schutz.

Abhilfe schafft das Ernten mit hochgestelltem Mähwerk. So bleiben für den Nager fünf bis zehn Prozent der Ähren. Auch mindestens zwölf Meter breite Streifen am Feldrand mit Ackerbohne, Lupine oder Luzerne, die bis September stehen bleiben, sowie Blühstreifen mit Sonnenblumen, würden dem Hamster helfen. In diesen Streifen könnten die Tiere zudem im Frühjahr Insekten erbeuten. Sie benötigen das tierische Eiweiß für die Fortpflanzung.

„Ein anderes Problem ist die immer weiter fortschreitende Bebauung des Nordcampus“, sagt Lipecki. Straßen zerschneiden die Lebensräume der Tiere, die beim Queren überfahren werden. Die AG überlegt deshalb, nachgezüchtete Hamster gegebenenfalls auf Flächen Richtung Duderstadt auszusiedeln. Dort ist der Nager seit Jahren ausgestorben. (Michael Caspar)

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