Name Sohnrey verschwindet von Straßenschild in Göttingen

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Neuer Straßenname: Geismars Ortsbürgermeister Thomas Harms enthüllte das neue Straßenschild, mit der die Umbenennung der Göttinger Heinrich-Sohnrey-Straße in Else-Bräutigam-Straße perfekt ist. Foto: Niesen

Göttingen. Seit 11 Uhr ist der Name Heinrich-Sohnrey von dem Straßenschild in Geismar-Treuenhagen verschwunden. Ortsbürgermeister Thomas Harms ersetzte am Freitag das alte Schild durch ein neues: Aus der Göttinger Heinrich-Sohnrey-Straße wurde die Else-Bräutigam-Straße.

Damit wurde vollzogen, was sich angedeutet hat und Stadtausschuss, Ortsrat und Anlieger gewünscht hatten: Eine Stadt-Ehrenbürgerin löst den einen umstrittenen Uni-Ehrenbürger als Straßennamensgeber ab. Der Historiker Prof. Dr. Dirk Schumann hatte in einem im Auftrag der Uni Göttingen erstellten Gutachten festgestellt, dass Heinrich Sohnrey zwar kein NSDAP-Mitglied gewesen sei, sich aber zeitlebens nicht von der Ideologie des Nationalsozialismus distanziert habe.

Hintergrund: Anwohner waren befragt worden 

Die Entscheidung des Ortsrates Geismar zur Umbennenung nach Befragung der Anlieger der Straße steht im Einklang mit Aktionen in anderen Orten in Niedersachsen.

In Hann. Münden war 2011 die Heinrich-Sohnrey-Realschule zur „Drei-Flüsse-Realschule“ umbenannt worden. In Boffzen heißt die Grundschule nun „Am Sollingtor“. Auch in Rinteln, Springe, Höxter und Hattorf sind Sohnrey-Straßen umbenannt worden.

In Moringen gibt es noch eine Heinrich-Sohnrey-Straße und in Northeim eine Sohnreystraße. (tko/zhp)

Sohnrey, 1859 in Jühnde geboren, war Volksschriftsteller, Heimatdichter, Lehrer und Verleger. Journalistisch arbeitete er in Northeim und später in Hildesheim. In Berlin baute es später seine Deutsche Landbuchhandlung auf. Dort erschienen auch seine Bücher und Schriften, in denen er auch die Rasse-Ideologien der Nationalsozialisten stützte. 1933 hatte er mit 88 Schriftstellern das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichnet. Später distanzierte er sich wieder von der Person Hitlers.

Während der NS-Herrschaft hatte Sohnrey keine Probleme seine Schriften zu veröffentlichen, hatte Gutachter Schumann erwähnt. Für die Nähe Sohnreys zum Nazi-Gedankengut hatte Schumann Zitate aus Schriften genannt, wie aus dem Werk „Die Geschichte vom schwarz-braunen Mädelein“.

Die Heinrich-Sohnrey-Gesellschaft aber würdigt auch weiterhin die Verdienste Sohnreys um die Verbesserung der sozialen Verhältnisse. Schumann jedenfalls zog das Fazit: Sohnrey’s Wirken und seine Schriften seien eindeutig von fremdenfeindlichen wie rassistischen Tendenzen gekennzeichnet. Auch besondere Verdienste für die Uni Göttingen seien nicht zu erkennen. Schumann empfahl der Uni, Sohnrey die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Ehrenbürgerin 

Keine Probleme dürfte es hingegen um den Namen Else-Bräutigam-Straße geben: Die 1931 geborene Bräutigam erhielt 1991 die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Gewürdigt wurden damit ihr Engagement im sozialen Bereich. Sie hatte 1962 auch den Verein Selbsthilfe Körperbehinderter gegründet und war Mitbegründerin der Telefonseelsorge. Else Bräutigam starb 2001 in ihrer Heimatstadt Göttingen.

Von Thomas Kopietz

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