13 Nationen und ein Ziel: Göttinger Studenten unterrichten in Sprachlernklasse

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Mit einem Zollstock den Umfang eines Dreiecks ausmessen: Die Schüler Caleb (von links), Sebastian und Tiedo messen zusammen mit Studentin Verena Spratte die Schenkel eines Dreiecks.

Göttingen. Sebastian kommt aus Amerika, Caleb aus Kanada und Tiedo aus den Niederlanden. Alle drei besuchen seit wenigen Monaten das Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen.

Erst seit kurzer Zeit sind sie in der Bundesrepublik, müssen Deutsch lernen und verstehen. Die Jungs lernen zusammen in der Sprachlernklasse intensiv Deutsch.

„Der Bedarf für solch eine Sprachlernklasse hat enorm zugenommen“, berichtet Silke Neumann, Lehrerin für Englisch und Spanisch am Felix-Klein-Gymnasium. In Zukunft werde der Bedarf eines solchen Angebots an allen Schulen steigen, weiß Neumann.

18 Schüler aus 13 Nationen lernen gemeinsam an dem Göttinger Gymnasium deutsche Begriffe, die sie für den täglichen Unterricht brauchen. Montag bis Freitag wird den ganzen Tag im Raum 214 unterrichtet, die Schüler mit Migrationshintergrund haben einen flexiblen, individuellen Stundenplan, sodass die Sprachlernklasse auch nach Kenntnisstand reduziert werden kann. Im Unterricht lernen sie die Fachsprache, die sie für Fächer wie Mathematik und Biologie brauchen.

Ohne die Sprachlernklasse wäre der Schulalltag für die Schüler dramatisch. Mathelehrerin Dr. Petra Clausen erzählt: „Es ist sehr schwer für die Schüler die komplexen Zusammenhänge von Geometrie zu lernen, wenn sie die Wörter nicht verstehen.“ Die Schüler hätten ohne seperaten Sprachunterricht kaum eine Chance.

Lehrer brauchen Kenntnisse 

Caleb kennt jetzt das Wort Zollstock. Es ist nicht nur eine Haltestelle in Göttingen, sondern auch ein Messinstrument für Handwerker. Damit kann er den Umfang einer Fensterbank oder Tür vermessen.

Unterstützt wird die Sprachlernklasse durch Studenten der Universität. „Lehrkräfte haben einen Sprachbildungsauftrag und müssen ihre Schüler dabei unterstützen die sprachlichen Herausforderungen in den einzelnen Fächern zu meistern“, berichtet Professorin Andrea Bogner. 150 Studenten pro Jahr absolvieren deshalb eine Zusatzqualifikation für Mehrsprachigkeit im Bereich von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.

Deutsche Fachbegriffe lernen 

Maren-Joy Piper und Verena Spratte studieren beide Mathematik fürs Lehramt an der Göttinger Universität und kommen regelmäßig zum Matheunterricht in die Klasse. „Deutsch ist eine Grundlage im täglichen Unterricht und vor allem Fachbegriffe müssen vermittelt werden“, verdeutlicht Spratte.

Gerade steht Geometrie auf dem Stundenplan. Neun Schüler lernen Begriffe wie Parallelogramm, Raute oder Trapez. Es geht aber nicht um die reinen Begriffe, sondern um die Bedeutung in der Mathematik und im Alltag. Die Studenten haben die schwierige Aufgabe, den Schülern den Stoff zu vermitteln. Maren-Joy Piper sieht es als gute Übung für ihren späteren Beruf.

Bald Pflicht im Lehramststudium 

Als Bestandteil des niedersächsischen Verbundsprojekts „Umbrüche gestalten" werden Kerninhalte entwickelt und verpflichtend in die Lehramtsausbildung in Niedersachsen integriert.

Künftig sollen Lehrer über grundlegende Kompetenzen im Bereich der Sprachenförderung und Sprachbildung verfügen. Deshalb wird das Programm vom Mercator-Institut für Sprachenförderung und Deutsch als Zweitsprache, vom Niedersächsischen Kultusministerium und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert.

Die Schüler mit Migrationshintergrund bekommen am Felix-Klein-Gymnasium einen individuellen Stundenplan und besuchen die Sprachlernklasse. Je nach der Sprachkenntnis nehmen die Schüler in bestimmten Fächern am regulären Unterricht teil.

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