Naturschützer wollen Bismarckstein-Gebiet aus Baulandmanagement streichen

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In der Nähe des Bismarcksteins: Gegenüber der wenigen Häuschen könnte gebaut werden, wenn es nach dem Oberbürgermeister und der Verwaltung ginge. Es gibt Widerstand – auch von Naturschutzverbänden.

Göttingen. Umweltverbände fordern, dass die "naturnahe Erholungsfläche am Bismarckstein" in Göttingen nicht bebaut werden dürfen. Oberbürgermeister Köhler sieht das anders.

Er wirbt für neue Baugebiete. Umweltverbände wie die Biologische Schutzgemeinschaft und die BUND Kreisgruppe  wollen, dass das nördliche Ostviertel aus dem Pool des Baulandmanagement der Stadt gestrichen wird. 

Reservefläche

Im Baulandmanagement werden Reserveflächen vorgehalten, die bebaut werden können, falls die im neuen Flächennutzungsplan vorgesehenen vorrangigen Bauflächen nicht ausreichen oder von der Stadt nicht alle gekauft werden können. Und: Für Köhler sind die im F-Plan vorgesehenen Grundstücke nicht ausreichend.

Bebauung droht

Die Initiativen aber wehren sich gegen den Plan, um den Bismarckstein zu bauen: Die inselartige, hinter einem Wäldchen, abseits des Wohngebietes Klausberg und oberhalb des Denkmals „Bismarckstein“ gelegene Hangfläche in einem Landschaftsschutzgebiet laufe so Gefahr, bebaut zu werden. Das Areal und sein Umfeld zeichne sich durch „Mähwiesen, ungestörte Waldrandbereiche sowie Kalkmagerrasen aus, die als besonders schützenswerte Biotope seltene Arten wie Eidechsen und Orchideen beherbergen“, führen sie an.

Gegen Leitbild 2020

Eine Ausweisung der Fläche als Baugebiet würde den Vorgaben des Leitbilds 2020 der Stadt widersprechen, heißt es. Auch der von der Stadt beauftragte unabhängige Gutachter sieht eine Bebauung als problematisch an, was im Bauausschuss betont wurde.

Reaktion auf Investor

Die Kritik trifft auch das Vorgehen: Die Bebauung des Gebiets war in ersten Entwürfen für den Flächennutzungsplan nicht enthalten und wurde nachträglich aufgenommen. Auf der Fläche hat das Göttinger Immobilienunternehmen Kurth Grundstücke erworben und wolle sie nun bebauen. Das erzürnt die Gegner: „Es kann doch nicht sein, dass der gesetzliche Landschaftsschutz kurzerhand aufgehoben, das Landschaftsbild erheblich gestört und die Erholungsnutzung der Bevölkerung deutlich eingeschränkt wird, nur weil ein Investor ein Sahnestück Göttingens vermarkten möchte“, sagt Hans Günter Joger von der Biologischen Schutzgemeinschaft.

Petition

Anwohner, die zudem eine verkehrsträchtige Straßenanbindung fürchten, haben eine Petition auf den Weg gebracht, die bisher von mehreren hundert Menschen unterschrieben worden ist.

Köhler: Kritik an Kritikern

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) betonte in einem HNA-Gespräch, dass Göttingen Bauflächen dringend benötige, die zunächst geplanten Bereiche im neuen Flächennutzungsplan nicht ausreichten und deshalb neben einer verdichteten Bebauung im Stadtgebiet an Rändern nach geeigneten Grundstücken geschaut werden müsste.

Man müsse folglich auch im Bereich der Ost- und Nordstadt schauen, sagte Rolf-Georg Köhler, vor allem weil es dort wegen der Kliniken und Institute große Nachfrage gäbe. „Aber keiner will dort Neubauten vor seiner Tür haben.“ Wenn alle in Göttingen so denken würden, dann käme man nicht weiter im Bestreben, die Wohnungsnot zu lindern.

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