Insektenschutz an Wegrändern

Naturschutz im Landkreis Göttingen: Lebendige Wegraine durch Nichtstun

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von links: Sinja Zieger (LPV), Gerald Henze, Ralf Mederake (BUND und LPV-Vorstand) sowie Fionn Pape (LPV).

Naturschutz durch Nichtstun: Unter diesem Motto könnte man etwas flapsig die Aktion „Wilde Wegränder für Wildbienen“ des Landschaftspflegeverbandes Landkreis Göttingen (LPV) stellen, mit der die überall in der Region an Feldwegen vorhandenen Wegränder wieder zu Oasen und Lebensstätten für Tier- und Pflanzenarten werden sollen.

Der Hintergrund: Wegränder von Realverbänden und Gemeinden werden vielerorts noch zu häufig und zu intensiv gemäht, als dass sie eine bedeutende Lebensgrundlage für Arten sein könnten. Mit Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Best-Practice-Beispiel versucht der LPV in einem Leader-Projekt, dem entgegenzuwirken. Weil Wege und damit Feldsäume quasi die gesamte Landschaft durchziehen und Biotope verbinden ist das Ziel, perspektivisch diese ohnehin vorhandenen Flächen aktiv für die Natur zu nutzen – sie böten ein enormes Potenzial für den Naturschutz.

Dabei ist der LPV auf Mithilfe der Wegeeigentümer angewiesen. So wie der Realverband in Mengershausen, deren Vorsitzender Gerald Henze gleichzeitig Landwirt und Vorstandsmitglied beim LPV ist: „Wir wollen unseren Beitrag zur Artenvielfalt leisten“, sagte Henze kürzlich bei einem Termin, an dem Schilder vorgestellt wurden, die ab sofort beim LPV bestellt werden können, wenn im Altkreis Göttingen Wegraine besonders pflanzen- und insektenfreundlich gepflegt werden.

Kurz und prägnant informieren die Schilder die Spaziergänger sowie andere Interessierte, warum Wegränder besondere Lebensräume sind und wie eine ideale Pflege aussehen sollte. „Eine Vielfalt an blühenden Pflanzen kann sich oftmals nicht entwickeln, weil in den Böden der Wegränder durch die Bewirtschaftung der angrenzenden Flächen zu viele Nährstoffe sind, die eher die Gräser und Brennnesseln bevorzugt und Blühpflanzen unterdrückt“, sagt Projektleiterin Sinja Zieger vom LPV. Daher sei es empfehlenswert, das Mähgut abzuräumen - und damit die Nährstoffe - und dieses zu nutzen oder zu kompostieren.

Außerdem empfiehlt Zieger, nicht sämtliche Wegränder auf einmal zu mähen, sondern idealerweise abschnittsweise. „Weniger ist mehr - die Natur freut sich über dieses Nichtstun“, sagt Zieger. Das zeitlich versetzte Mähen - eine Wegseite im Sommer, die andere Seite im Herbst - könne für Kleintiere ihren Lebensraum mit Nahrungs- und Blütenpflanzen erhalten. Auch plädiert sie dafür, beim Mähen kleine Inseln von einigen Metern Länge stehen zu lassen und Teilbereiche nur alle zwei bis drei Jahre zu mähen, um Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten zu schaffen.

Mit der Aktion sollen auch weitere Realverbände und Kommunen zum Mitmachen angeregt werden. „Wir beraten auch zum Thema Pflege der Wegränder und entwickeln mit den Eigentümern ein Pflegekonzept“, sagt Zieger. Als Anreiz soll 2021 das beste Wegrandpflegekonzept mit einem Preis ausgezeichnet werden. 

VON CHRISTIAN MÜHLHAUSEN

Weitere Infos gibt es hier.

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