Göttingen: „Netboy“ geht für alles ins Netz

Deutsches Theater bereitet Stück über Cybermobbing für Schulen als Film auf

Beim Drehtag für „Netboy“ auf den Schillerwiesen: (von links) Johanna Schwung, René Hanauer, Anna Paula Muth und Daniel Mühe.
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Beim Drehtag für „Netboy“ auf den Schillerwiesen: (von links) Johanna Schwung, René Hanauer, Anna Paula Muth und Daniel Mühe.

Nach der szenischen Lesung der „Schutzbefohlenen“ und der herzlichen Verabschiedung scheidender Kollegen hat im Deutschen Theater die Sommerpause angefangen.

Göttingen – Doch ein kleiner Trupp blieb einen Tag länger. Damit Schulklassen auch in Corona-Zeiten das Stück „Netboy“ zum Thema Cybermobbing ansehen können, will das Theater das Stück filmisch aufbereiten. Am ersten Tag der Sommerpause war für das Filmteam noch ein Drehtag.

Schon seit drei Wochen liefen die Dreharbeiten neben ihrer normalen Arbeit, berichtet René Hanauer, der mit Johanna Schwung bei dem Film „Netboy“ Regie führt. Beide sind Regieassistenten am Deutschen Theater. Johanna Schwung hat bei „Enigma“ und „Der perfekte Moment, total verpennt“ bereits Regie-Erfahrung gesammelt. Am siebten Drehtag für den Film geht es auf die Schillerwiesen.

„Du siehst ja wieder aus wie 15“, begrüßt Kameramann Mathis Albrecht Anna Paula Muth, in Shorts über schwarzer Strumpfhose schon im Outfit der Hauptfigur Marie. Fast pünktlich um 10.30 Uhr startet der Bulli mit Regieteam, drei Schauspielern und zwei Kameramännern von der Ton- und Videoabteilung auf dem Parkdeck des Theaters. Die Reise führt zu den Schillerwiesen.

Vom Parkplatz ist es noch ein kleines Stück Weg. Schauspieler Daniel Mühe setzt sich an die Spitze. An diesem Tag ist der zweite Dreh bei dem etwas abgelegenen Gemäuer mit Graffiti. Sofort bemerkt das Team die neue Zeichnung auf den Deckplatten der Mauer. Beim letzten Mal war das Herz mit Pfeil noch nicht da. Darauf muss beim Filmschnitt geachtet werden.

Daniel Mühe als Olaf ist der einzige, der „Netboy“ auch im DT-2 schon gespielt hat. Anna Paula Muth (Marie) und Marina Lara Poltmann (Sarah) sind für den Film neu hinzugekommen. Zuerst soll Szene 25 mit dem Streit zwischen Marie und Olaf filmisch festgehalten werden. Marina Lara Poltmann hat erst einmal Pause und legt sich vor dem Bunker in die Sonne. Aus etwa 20 Metern Entfernung kommt Daniel Mühe in die Szene. Mit der Kamera in der Hand filmt er seinen Weg wie mit dem Handy. Nicht nur einmal läuft er durch das nasse Gras, um genug Bilder für den Film zu liefern.

Die Kameramänner Mathis Albrecht und Frank Polomsky (vorn, v.l.) prüfen mit René Hanauer (hinten Mitte) und Johanna Schwung (rechts) die Aufnahmen.

Dann folgt die Konfrontation mit Marie, die Mathis Albrecht und Frank Polomsky aus jeweils einem anderen Blickwinkel filmen. Damit die Schauspieler bei den Wiederholungen immer dieselben Positionen finden, kommen rote Kleepunkte auf den Boden.

Nach einer guten Stunde ist die Szene im Kasten. Kurze Pause mit Keksen, dann geht es weiter. Für eine Begegnung von Marie und Olaf sollen nur die Bilder aufgenommen werden. Auf dem Plan steht außerdem eine Szene mit Marie und ihrer Freundin Sarah. Auch ein Monolog von Olaf soll noch aufgenommen werden. Gegen 15 Uhr ist der Dreh beendet. Weiter geht es nach der Sommerpause mit zwei bis drei Drehtagen im September. Für den Filmschnitt rechnet Hanauer etwa drei Wochen.

Wie die Aufführung auf der Bühne wird der Film in drei Sequenzen etwa eine Stunde dauern. Wann er fertig ist, kann Hanauer nicht genau sagen: „Wir haben Lust, ihn schnell zu veröffentlichen“, meint er. Schwung bestärkt ihn: Schon im Herbst soll der Film für die Schulen bereitstehen.

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