Göttingen: Netzwerk überwacht Kauf-Park-Areal

Einkaufszentrum und Stadtwerke arbeiten bei IT-Projekt zusammen

An diesem Modell erläuterten Projektleiter Christian Finck (rechts) und Center Manager Jürgen Brunke die Funktionsweise des LoRaWan.
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Innovativ: An diesem Modell erläuterten Projektleiter Christian Finck (rechts) und Center Manager Jürgen Brunke die Funktionsweise des LoRaWan.

Als eines der ersten Einkaufszentren in Deutschland nutzt der Göttinger Kauf Park auf seinem 160.000 Quadratmeter großen Grundstück mit 60 Einzelhändlern das „Long Range Wide Area Network” (LoRaWAN).

Göttingen – Ziel des Projektes, das zusammen mit dem Kauf Park-Technologiepartner Stadtwerke Göttingen AG umgesetzt wurde, ist ein ebenso effizientes wie nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement.

„20 Jahre nach der Eröffnung des Kauf Parks liefen jetzt die Eichfristen eines Großteils rund 150 Strom-, Wasser-, Wärme- und Gaszähler ab, so dass wir uns mit einem aufwändigen Austausch beschäftigen mussten“, sagte Junior Center Managerin Svenja Burghardt bei der Projektvorstellung. Nachdem man die internen Ansprüche und Wünsche an die Stadtwerke als zuständigem Energieversorger weitergegeben habe, seien diese mit dem Vorschlag gekommen, den Kauf Park mit LoRaWAN auszustatten. „Und davon waren wir schnell total überzeugt“, so Burghardt.

„Das Long Range Wide Area Network ist ein energieeffizientes und reichweitenstarkes Funknetz, über das Geräte und Sensoren miteinander vernetzt und in das Internet eingebunden werden“, erklärte Christian Finck, Leitung Technischer Service Strom und Projektmanager bei den Göttinger Stadtwerken. Die Daten, die von den vernetzten Geräten und Sensoren permanent selbstständig übermittelt würden, könnten dann nicht nur zum Ablesen von aktuellen Verbräuchen genutzt, sondern auch für automatische Prozessabläufe sowie für Warn- und Notfallfunktionen eingesetzt werden.

„Die Besonderheit im Kauf Park liegt darin, dass die Übertragung von Datenpaketen im niedrigen Frequenzbereich uneingeschränkt auf dem gesamten Gelände funktioniert, also auch im Keller und in den Schächten unterhalb des Gebäudes“, betonte Christian Finck. Somit könnten an jedem Standort Sensoren installiert werden, die online ihre Daten an einen Netzwerkserver der Stadtwerke übertragen. „Dort werden die Informationen analysiert, strukturiert und damit Prozesse und Abläufe optimiert“, sagte Finck. So sei auf diese Weise bislang beispielsweise der Defekt an der Beleuchtung einer im Freien stehenden Werbetafel entdeckt worden, die dauerhaft (also auch tagsüber) brannte und so unnötigen Strom verbrauchte.

„Allein durch diese Entdeckung sparen wir jetzt nicht nur rund 800 Euro pro Jahr, sondern verbrauchen 2500 Kilowattstunden Strom weniger und tun somit etwas für die Umwelt“, meinte Center Manager Jürgen Brunke.

„Das Projekt wirkt sich langfristig auf das gesamte Energie- und Ressourcenmanagement des Kauf Parks aus und hat das Potenzial, als Vorreiter für andere deutsche Einkaufszentren zu fungieren“, ist Brunke „sehr stolz darauf, Teil dieses Leuchtturmprojektes zu sein“.

Sensoren können Leckagen in Versorgungsleitungen erkennen

Zusätzlich zu den bisherigen Zählern wurden im Kauf Park auch Sensoren ins LoRaWAN eingebunden, um Leckagen im Versorgungsnetz, Abweichungen der Normwerte bei CO2, Luftfeuchtigkeit, Temperatur sowie Lautstärke frühzeitig zu erkennen und sogar um die Besucher zu zählen.

„Damit ist eine systemgesteuerte Analyse der Daten sowie die Identifikation von Energieeinsparpotenzialen möglich“, betonte Jürgen Brunke. Außerdem biete die Technologie zahlreiche Anwendungen für eine erhöhte Betriebssicherheit und ein nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement und entlaste Gleichzeitig die Haustechniker des Kauf Parks, die nun nicht mehr jeden Zähler einzeln vor Ort ablesen müssten, sondern dies bequem vom Computer aus erledigen könnten.

Auch für die Stadtwerke ist es ein wichtiges Projekt. Nachdem die Nutzung von LoRaWAN bislang ausschließlich Gewerbe- und Industriebetreiben möglich sei, wolle man in absehbarer Zukunft auch Privathaushalten die Möglichkeit bieten. Kein Wunder also, dass man sich mit diesem Konzept beim Innovationspreis 2020 des Landkreises Göttingen beworben hat.

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