Universitätsmedizin

Corona in Göttingen: Neue Intensivstation für schwerkranke Covid-19-Patienten

Logistischer Kraftakt: Die Verlegung der Intensivpatientinnen und -patienten in das neue Gebäude musste vorher ganz genau geplant werden.
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Logistischer Kraftakt: Die Verlegung der Intensivpatientinnen und -patienten in das neue Gebäude musste vorher ganz genau geplant werden.

Der Neubau an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist nach sieben Monaten fertig. Jetzt gibt es mehr Corona-Intensivbetten.

Göttingen – Das ist eine wesentliche Verbesserung für die Behandlung von schwer erkrankten Corona-Patienten. Im neuen Intensivmedizingebäude (IMG) auf dem Gelände der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist jetzt die Arbeit angelaufen.

Vor einigen Tagen sind 24 Intensivpatienten in die neuen Räume umgezogen. Insgesamt bietet der Neubau Platz für 41 Intensiv-Patientinnen und -Patienten. Der Bau des 26,6 Millionen Euro teuren IMG hat nur sieben Monate gedauert. Gleichzeitig ist das Projekt ein wichtiger Meilenstein für die Uni-Medizin, denn erstmals seit fast 45 Jahren wurde wieder ein Neubau für die Krankenversorgung errichtet.

Neues Intensivmedizingebäude in Göttingen: Vier beatmente Covid-Patienten wurden verlegt

Das IMG wird dabei zunächst übergangsweise für erwachsene Patienten genutzt. Nach Renovierung der Stationsräume im Bettenhaus 1 in den kommenden Monaten ziehen die anästhesiologischen und herzchirurgischen Stationen mit ihren jeweiligen Betten in ihre ursprünglichen Bereiche zurück. Anfang 2023 – nach einem zu erwartenden Ende der Corona-Krise – soll dann die Kinder-Intensivmedizin der UMG in das Gebäude einziehen. Der Start im IMG war wochenlang in allen Details von einer fachübergreifend besetzten Gruppe mit mehr als 25 Personen vorbereitet worden. Bis zuletzt waren logistische Fragen zu klären. Innerhalb von viereinhalb Stunden wurden dann alle betroffenen Patienten ins neue Gebäude verlegt. Das ärztliche und pflegerische Personal begann anschließend mit seiner Arbeit in den neuen, modernen und hellen Räumen.

Insgesamt wurden 24 Patienten der beiden Intensivstationen 0119 und 0116 auf die neuen Stationen 0041 und 0141 verlegt, darunter auch vier Covid-19-Patienten, die beatmet werden mussten. Insgesamt arbeiten im neuen IMG 32 Ärztinnen und Ärzte sowie 130 Pflegefachkräfte in drei Schichten. Die Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen in Göttingen ist zuletzt stetig gestiegen.

UMG für akute Versorgung von Corona-Patienten im Herbst und Winter bereit

Prof. Dr. Onnen Mörer, Leiter der Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Leiter der Task-Force für den Umzug der Intensivstation, zog Bilanz: „Wir sind gut angekommen. Der Umzug verlief reibungslos, es war ein sehr starkes Miteinander.“

Prof. Dr. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung ab der UMG, gratulierte allen, die an der Bauplanung und Umsetzung sowie an der aufwendigen logistischen Umzugsplanung beteiligt waren, zu ihren herausragenden Leistungen.

Das neue Intensivmedizingebäude an der Göttinger Uni-Medizin entstand in Modulbauweise.

„In einem so engen Zeitfenster dieses Gebäude errichtet und betriebsbereit gemacht zu haben, ist eine stolze Leistung. Ein solcher Kraftakt ist nur mit einer großen Teamleistung zu bewältigen. Und das alles zum genau richtigen Zeitpunkt“, so Trümper. Die UMG stehe damit für die auch vom Land Niedersachsen erwartete akute Versorgung von Corona-Patienten im Herbst und Winter bereit.

Hintergrund: Ausweitung der Kapazitäten für schwer erkrankte COVID-19-Patienten

Der schnelle Neubau war notwendig geworden, da die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) dringend Kapazitäten für die Versorgung einer größeren Zahl schwer erkrankter COVID-19-Patienten braucht.

Das Land Niedersachsen hatte für den Fall weiterer Corona-Wellen eine Ausweitung der Kapazitäten in der Intensivmedizin und ein Vorhalten von Betten und Personal angekündigt. Die UMG hat diese Vorgabe nun zeitgerecht mit der Errichtung des neuen Intensivmedizingebäudes umgesetzt.

Das Land trägt zwölf Millionen Euro der Baukosten, die restlichen 14,6 Millionen Euro die UMG. 100 Module wurden für das neue Gebäude benötigt. Es bietet 1930 Quadratmeter Nutzfläche. Hinzu kommen umfangreiche Nebenräume. (bsc)

Corona-Lage in Göttingen: Zahl der Intensivpatienten steigt

Zahlen sagen viel aber nicht alles: 19 Covid-19-Patienten lagen am Samstag stationär in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), zehn davon auf der Intensivstation, alle wurden beatmet, fünf an ECMO-Maschinen.

Neun lagen auf Normalstation. Zahlen, die für einen deutlichen Trend stehen: Die Corona-Patienten, die behandelt werden müssen, werden wieder stetig mehr. Das bestätigt auch der UMG-Vorstand Krankenversorgung Prof. Dr. Lorenz Trümper. „In den zurückliegenden Wochen steigen die Covid-Fallzahlen wieder an. Obwohl es im Laufe dieses Jahres die Impfungen zum Schutz vor dem SARS-CoV-2-Virus gegeben hat, befinden wir uns aktuell in einem Stadium zunehmender Infektionen.“ Auch die Lage auf den Intensivstationen verschärft sich, es wird enger: „Auf den Intensivstationen der UMG haben wir bereits jetzt zu Beginn der Herbst- und Wintermonate eine starke Zunahme von Covid-19 Patienten.“ Darunter sind viele Ungeimpfte, wie Trümper bereits vor einer Woche gegenüber unserer Zeitung gesagt hatte. Sieben Tage später hat sich die Situation zugespitzt. „Die UMG steht aktuell am oberen Limit ihrer Kapazität bei den Intensivbettplätzen.“

Uni-Medizin: Weniger Intensivbetten frei - Verschiebungen von Operationen möglich

Mehr Corona-Patienten in Intensivbetten, das könnte nun auch Folgen für Patienten mit anderen Erkrankungen haben, davon war vor einer Woche noch nicht die Rede: „Durch den hohen pflegerischen und ärztlichen Aufwand für die Betreuung der schwer an COVID-19 erkrankten Patienten steht zu befürchten, dass notwendige und geplante Operationen für andere Patienten verschoben werden müssen und zu schwereren Krankheitsverläufen für diese Menschen führen werden“, sagt Trümper. Was er nicht sagt, aufgrund mangelnden Personals stehen nicht alle Betten zur Verfügung. Andernorts in Deutschland sieht es noch schlimmer aus: Kliniken melden sich ab, können keine Intensivpatienten mehr aufnehmen.

Auch der Verband der Uniklinika Deutschlands (VUD) mahnt: „Unsere Pflegenden, Ärztinnen und Ärzte sind bereits jetzt am Ende ihrer Kräfte, müssen aber vielleicht noch mehr schwer Kranke versorgen, sollten die Zahlen weiter ansteigen“, so Professor Scholz, Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VUD). Der VUD hatte sich für eine 2-G-Regelung in der Krankenversorgung ausgesprochen und würde eine Ausweitung in weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens befürworten.

Prof. Dr. Lorenz Trümper: Vorstand Krankenversorgung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)

„Auf den Intensivstationen liegen viele ungeimpfte Patienten. Das ist vermeidbar. Es sollte noch mehr dafür getan werden, dass sich in Deutschland mehr Menschen impfen lassen und Auffrischungsimpfungen schnell für alle verfügbar sind“, meint Professor Scholz.

Die Versorgung im Haus aufrechterhalten und gleichzeitig auch in der Region zu sichern, darum geht es auch in der Göttinger Uni-Klinik. Man stehe im engen Kontakt mit den Krankenhäusern der Region und anderen Maximalversorgern, um für die Patienten die intensivmedizinische Versorgung abzustimmen und sicher zu stellen, betont Trümper. (Bernd Schlegel und Thomas Kopietz)

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