Siebenstöckiges Gebäude in Planung

Neubaupläne am Weender Tor in Göttingen sorgen für Streit

So soll das neue Gebäude am Weender Tor aussehen: An dem Projekt sind die Hildesheimer Hanseatic Group und die Sparkasse Göttingen beteiligt. Jetzt sind die Pläne öffentlich, und es regt sich erheblicher Widerstand.
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So soll das neue Gebäude am Weender Tor aussehen: An dem Projekt sind die Hildesheimer Hanseatic Group und die Sparkasse Göttingen beteiligt. Jetzt sind die Pläne öffentlich, und es regt sich erheblicher Widerstand.

Die Hildesheimer Hanseatic Group und die Sparkasse Göttingen planen auf dem Grotefend-Areal gegenüber dem Auditorium und unmittelbar am Heiz-Erhardt-Platz den Bau eines siebenstöckigen Gebäudes. Gegen das Projekt am Weender Tor regt sich inzwischen nicht nur bei Anwohnern erheblicher Widerstand.

Göttingen – Bei einer Bauausschusssitzung waren erst kürzlich die Pläne für den Neubau vorgestellt worden. Demnach solle auf dem rund 4500 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem derzeit Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen ansässig sind, ein Komplex mit einer Mischung aus Gastronomie-Angeboten am Heinz-Erhardt-Platz, einer Tagespflege und einem Pflegeheim sowie einem Stadthotel und Büroflächen entstehen. Der Bau von Wohnungen ist nicht vorgesehen. Bei der Höhe des geplanten Gebäudekomplexes habe man sich an der Höhe des gegenüberliegenden Auditoriums orientiert, betonte ein Sprecher der Investorengruppe.

Die Höhen des Auditoriums würden bei den derzeitigen Planungen nicht überschritten. Um die Baumasse zu reduzieren, habe man eine Staffelung der Geschosse zum Wall hin geplant, so dass die Gebäudehöhe zum Wall hin kontinuierlich abnehme.

„Durch einen siebengeschossigen Bau würden wir mit unseren Wohnungen regelrecht eingekesselt“, sagt Detlef Johannson von der Eigentümervertretung einer Wohnanlage, die nur durch den Wall von dem Neubau getrennt wäre. Zusammen mit mehreren Architekten, Mitgliedern der Grünen-Stadtratsfraktion und Anwohnern war er einer Einladung von Oberbürgermeisterkandidatin Doreen Fragel gefolgt, die sich vor Ort ein Stimmungsbild machen wollte. „Beim Kauf oder Mieten unseren Wohnungen haben wir gewusst und in Kauf genommen, dass auf dem Grotefend-Areal künftig viergeschossig gebaut werden kann“, sagte Johannson. Das sei zuletzt auch wieder bei der Neuaufstellung des Bebauungsplanes vor gerade einmal zwei Jahren erneut festgelegt worden. „Sieben Stockwerke stellen jedoch eine ganz andere Dimension dar“, betonte der ehemalige Pressesprecher der Stadt, der von der Verwaltung eine verlässliche Bauleitplanung forderte.

Idylle am Wall in Göttingen: Damit könnte nach Meinung von Kritikern des Neubau-Projekts am Weender Tor bald vorbei sein.

„Es ging immer darum, das Flächen-Naturdenkmal Wall erlebbar zu machen“, sagte der Göttinger Architekt Hansjochen Schwieger. Jetzt aber solle genau das Gegenteil passieren. Insgesamt nannte er den aktuellen Vorgang „Wildwest im Städtebau“. Die Hanseatic Group habe das Grotefend-Areal seinerzeit in dem Wissen gekauft, dort viergeschossig bauen zu dürfen. „Jetzt sollen da plötzlich sieben Stockwerke erlaubt werden, wodurch der Wert des Grundstücks für den Eigentümer erheblich gesteigert wird“, sagte Schwieger. „Es ist einfach unglaublich, was da passiert!“ Man bekomme den Eindruck, dass die Stadt nach der Pfeife des Investors tanzt, bemerkte Detlef Johannson.

Unter den Teilnehmern des Ortstermins herrschte Einigkeit darüber, dass die Neubebauung eine Chance zur Aufwertung des „derzeit alles andere als attraktiven“ Grotefend-Areals sei. Allerdings solle es einen Architekten-Wettbewerb um die beste Lösung geben, der die Öffentlichkeit mitnehme. Ein siebengeschossiges Gebäude sei jedoch definitiv nicht die beste Lösung. (Per Schröter)

SPD: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Die SPD-Fraktion im Göttinger Rat macht unterdessen deutlich, dass aus ihrer Sicht noch nicht das letzte Wort über das Projekt Grotefend-Areal gesprochen wurde. Zurzeit besteht laut Sylvia Binkenstein, baupolitische Sprecherin, nur ein gültiger Bebauungsplan für den Bereich, der eine Vier-Geschossigkeit vorsieht. „Für eine höhere Auslastung des Geländes müsste der B-Plan geändert werden. Über eine solche Änderung haben wir bislang noch nicht gesprochen.“ Die Ratsfraktion spricht sich bei dem Projekt gegen einen städtebaulichen Wettbewerb, aber für eine Bürgerbeteiligung aus. (bsc)

CDU: Weitere Planungsschritte mit intensiver Öffentlichkeitsbeteiligung

Die CDU-Fraktion im Göttinger Rat begrüßt die Planungen, das Areal am Weender Tor mit der ehemaligen Getränkeabfüllanlage neu zu bebauen. Zwar orientiere sich die jetzt vorgeschlagene Bauhöhe am Auditorium, weicht aber laut Hans-Otto Arnold, baupolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion, deutlich vom geltenden Bebauungsplan ab. „Mindestens so wichtig wie die Höhe ist aber bei diesem Projekt die Frage des zu genehmigenden Gebäudevolumens“, macht der stellvertretende Ratsvorsitzende und Vorsitzende des Bauausschusses deutlich. Es sei nicht unüblich, dass ein Investor zunächst mit einem Maximalvoschlag ins Rennen geht, aber es war schon in der ersten Vorstellung klar, dass der Entwurf so nicht durchgehen wird.

Die heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit haben aus Sicht von Arnold gezeigt, dass „der Investor - in Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik - gut beraten sein wird, die weiteren Planungsschritte mit intensiver Bürgerbeteiligung“ zu begleiten. Arnold: „Andere Investoren haben hiermit gute Erfahrungen gemacht.“ (bsc)

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